„Diesen Monat schreibe ich ein Buch!“ – „23 Personen gefällt das.“ Warum es keine gute Idee ist, Deine kreativen Ziele online anzukündigen? Das klären wir in diesem Beitrag.

Viele Autoren nutzen soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook gerne dafür, Teile ihrer Arbeitsprozesse mit ihrer Leserschaft zu teilen. Dieser kündigt eine Lesung an, jener berichtet vom Trevi-Brunnen über die Recherche für seinen nächsten Krimi.

Prinzipiell spricht auch nichts dagegen. Gerade für angehende Autoren ist es sicher eine der besten Inspirationsquellen, von denjenigen zu lernen, die das Geschäft bereits kennen und Arbeitsabläufe entwickelt haben. Die Autoren können so außerdem einen Teil ihrer Persönlichkeit und ihrer Marke zeigen, die sonst zu kurz kommt und für die sich viele Leser und Fans interessieren.

Nicht umsonst sind die häufigsten Fragen bei Konferenzen und Interviews „Woher nehmen Sie Ihre Ideen?“, wenn man nicht gerade nach dem produktiven Tagesablauf fragt.

Ziele teilen – Wer hat’s erfunden?

Trotzdem. Die Idee, Deine Ziele eben ins Statusfeld zu tippen, ist nicht immer so brillant wie sie anfangs wirkt. Und das sage ich nicht nur, weil Über-Autor Hemingway kein Facebook kannte und weil Du wie er lieber im Pool schwimmen gehen solltest.

Wieso aber dann?

Folge mir kurz an die Tafel, damit ich es Dir erklären kann.

Zugegeben, die Idee stammt nicht von mir. Ich füge ihr nur meine zwei Cent hinzu und sende sie hinaus in den Äther. Letzte Woche habe ich einen Podcast des amerikanischen Autors und Bloggers Jeff Goins gehört, den ich im Beitrag verlinke.

Falls Du Jeff Goins nicht kennst: Für mich ist er eine Art Meta-Autor, der der heranwachsenden Generation von Jungunternehmern, Bloggern und Autoren beibringt, wie sie in ihrer kreativen Nische erfolgreich wird. Dabei beobachtet und interviewt er andere Autoren, Musiker, Maler etc., um von ihren Abläufen zu lernen.

Seine großen Themen sind das Autorengeschäft und kreative Arbeitsabläufe. Wie lebt und arbeitet ein kreativer Mensch? Egal, ob Autor oder Graffiti-Künstler.

Ich persönlich genieße immer wieder seine Podcast-Episoden, weil er nicht nur plump fragt, wie der jeweilige Autorenkollege auf seine Ideen kommt, sondern in die Tiefe geht. Mal widmet er sich der geschäftlichen Seite, mal dem Werdegang, mal den Auszeiten, in denen wir die Tanks aufladen.

Die Idee des Sabbatical und über der psychologische Widerspruch, kreative Ziele zu teilen

Im letzten Podcast unterhielt sich Jeff Goins mit Autor Bob Lotich über das Konzept des Sabbatical, also die Idee, ein Jahr lang von der Arbeit, kreativen Projekten, sozialen Netzwerken und Kunden zurückzutreten.

Hier fiel mir erst mal auf, dass wir in Deutschland mit dem Konzept noch gar nicht so lange vertraut sind; jedenfalls nicht in der Form, in der es den Amerikanern geläufig ist. Absichtlich ein Jahr „frei zu nehmen“ widerstrebt der deutschen Produktivität offensichtlich.

Lotich berichtet zudem über die kreativen Vorzüge dieses Erlebnisses. Etwa darüber, dass er nach seinem Sabbatical mehr denn je das Gefühl habe, der Welt etwas mitteilen zu können. Solltest Du also in Erwägung ziehen, Deine kreativen Tanks mit einer Auszeit vom Bloggen, von Social Media oder vom Schreibtisch aufzuladen, kann ich Dir die Episode nur ans Herz legen.

Eine Idee spricht Jeff Goins in der Mitte des Interviews unter Verweis auf Michael Hyatt an. Und um diese geht es mir in diesem Blogpost.

Die Idee ist folgende:

Wenn Du das Ziel, abzunehmen, mehr Sport zu treiben, mehr zu lesen, einen Roman zu schreiben oder endlich Deinen Schreibtisch aufzuräumen auf Facebook mit Deiner Freundesliste teilst, dann entnehmen wir das gute Gefühl schon aus den Gefällt-mir-Klicks und Kommentaren unserer Freunde anstatt aus dem Projekt selbst.

Konkret beschreibt Hyatt das wie folgt (Übersetzung von mir):

Ziele zu teilen gibt uns oft dieselbe psychologische Befriedigung wie das Erreichen des Ziels selber, allerdings ohne die harte Arbeit erledigen zu müssen. Anders gesagt, Sprechen wird zum Ersatz fürs Tun.

Soweit die Theorie.

Wir verspüren weniger die Notwendigkeit, das Projekt noch abzuschließen, weil unsere Ankündigung uns schon das Lob unserer Freunde einbringt, als hätten wir unser Ziel bereits erreicht.

„Super! Viel Erfolg!“ – Die Antworten, Daumen und Du-bist-super-GIFs kennen wir doch alle.

Dabei beziehen sich Hyatt und Goins auf eine Theorie, die Derek Sivers in einem TED-Talk erklärt und die auf mehrere Psychologen wie Kurt Lewin und Wera Mahler zurückgeht.

Ziele aufzuschreiben ist per se nicht schlimm

Gleichzeitig betont Hyatt, dass wir davon profitieren, unsere Ziele zu konkretisieren, indem wir sie aufschreiben. Das bloße Formulieren ist also nicht das Problem. Vielmehr die Tatsache, dass wir unser Ziel gefühlt in dem Moment erreicht haben, indem wir auf „Veröffentlichen“ klicken.

Ziele aufzuschreiben hält Hyatt für den Grundstein eines smarten Plans; sie dagegen mit anderen zu teilen, sei nur in ausgewählten Fällen sinnvoll.

Diese Falle gilt es also zu umgehen.

Ich persönlich glaube, dass wir tatsächlich die sozialen Medien einsetzen könnten, um solche Ziele zu erreichen. Eindrucksvoll sehen wir das an globalen Projekten wie dem Nanowrimo oder an Personen, die bspw. regelmäßig Fotos ihrer Fitness-Reise oder ihrer Morgenroutinen im Netz veröffentlichen.

Auch hier wird es zweifelsohne Ausnahmen zur Regel geben. Dass eine der beiden Methoden Erfolg garantiert, wirkt daher auf mich drastisch zugespitzt.

Die Frage ist nicht, ob Du Dein Ziel im Netz veröffentlichst, sondern die, für welchen Weg Du Dich im Anschluss entscheidest oder mit welcher Gruppe von Menschen Du Dein Ziel teilst.

Wir alle sollten uns der Gefahr der Daumen-hoch-Droge bewusst sein. Vorsatz posten. Likes kassieren. Glücklich in die Sonne legen.

Hier würde ich noch unterscheiden zwischen dem Facebook-Status „Heute fange ich mit meinem ersten Romankapitel an“ in Deiner Chronik, also für alle Freunde sichtbar und dem Beitrag in einer Autoren-Gruppe. Wenn Du an einem Projekt wie dem Nanowrimo teilnimmst, können solche Beiträge Dich sogar aus der Schreibblockade herausholen.

Auf der anderen Seite besteht hier die Gefahr, Deine Arbeit zu früh fremden Augen auszusetzen. Wenn Du Dich zwingst, jeden Abend Deine gerade abgeschlossenen Erstentwürfe mit einer Gruppe am Lagerfeuer (oder in einem Online-Forum) zu teilen, kann das Deiner Arbeit genauso schaden.

Die Erfahrung habe ich selbst schon gemacht. Den Ratschlag, solche Situationen also möglichst zu umgehen, konnte ich in Stephen Kings On Writing mehr als nachvollziehen.

Wie gehst Du also auf Nummer Sicher?

Indem Du eine Strategie entwickelst, die Dich im Anschluss an den guten Vorsatz erinnert und Dich dazu zwingt, diesen auch umzusetzen.

Der Blogpost oder der Beitrag auf Facebook, dass Du ein neues Buch schreiben möchtest, ist schön und gut. Wenn Du danach nicht regelmäßig eincheckst, sei es bei Dir selber oder bei den Menschen, denen Du das Projekt angekündigt hast, wird Dir der erste Post herzlich wenig bringen.

Im Gegenteil: Er wird Dir beim Abschluss Deines Projekts sogar eher entgegenstehen.

Gleichzeitig willst Du aber Auszeiten und Arbeitsphasen einkalkulieren, in denen Du Deine Arbeit keiner vorzeitigen Kritik aussetzt. Wenn Du selbst noch nicht sicher bist, ob die Idee schon reif ist, und Du noch ein paar Tage mit ihr herumspielen möchtest, ist es keine gute Idee, Deinem N24-Nachbarn die Handlung Deines nächsten Vampir-Thrillers auf die Nase zu binden.

Denn was wird er tun? Die Braue anheben, ein verächtliches Geräusch aus dem Nasenloch prusten und so Deine Idee mitsamt Deiner Motivation zurück in die Schublade schicken, in der Dein Manuskript wahrscheinlich vor sich hingammeln wird. Und das so lange, bis Dir wieder jemand Mut zuspricht, der den Prozess kennt und zu schätzen weiß.

Nachdem ich meine Dissertation abgeschlossen habe, habe ich mehrere Monate Teile eines Theaterstücks ausgearbeitet. Bis heute spreche ich darüber nur mit ausgewählten Personen. Mal über ganze Handlungsstränge, mal über die Grundidee, mal kündige ich lediglich an, dass ich mich bald über Feedback freuen würde.

Ich bin mir nicht einmal sicher, dass ich den Schritt von wissenschaftlichem Schreiben zu Bloggen und Schriftstellerei selbst vollständig verarbeitet habe, zumal ich noch nichts außer Blogposts veröffentlicht habe. Wie will ich da von Außenstehenden Verständnis einfordern, die mit den Inhalten so viel anfangen können wie Fred Feuerstein mit einem Otto-Motor?

Jeder Autor hat Hoch- und Tiefphasen. Du lernst Dich mit der Zeit besser kennen und wirst wissen, wann die Zeit reif ist, Deine Ideen mit anderen zu teilen; vor allem auch, mit wem Du sie teilst!

Wenn Du also Unterstützung im Netz suchen willst, um ein Projekt bei den Hörnern zu packen, ist das grundsätzlich nicht verkehrt.

Sei Dir nur bewusst, dass Du dabei Fehler machen kannst und dass das „Wie“ Deiner Beiträge darüber entscheidet, ob Du am Ende die Ziellinie überqueren wirst oder nicht.

Ein Projekt online anzukündigen, ist grundsätzlich nicht schädlich. Du solltest es aber – wie das Projekt selbst – nicht leichtsinnig angehen. Mach Dir Gedanken darüber, mit wem Du die einzelnen Schritte Deiner kreativen Reise teilst und weshalb. Nicht jeder wird Dich unterstützen und nicht alles, was außen wie Unterstützung aussieht, bringt Dich und Dein Buch auch wirklich nach vorne. Ein leeres „Gefällt mir“ schadet eher als Dir zu helfen.

Wenn Du das weißt und Dich auf diese Gefahrenquelle einstellst, steht Deinem Ziel nichts weiter im Weg.

Das war’s für heute. Ich hoffe, der Beitrag hilft Dir bei Deiner kreativen Zielsetzung weiter. Wenn Du gern weitere Tipps zum Schreiben, zur Ideenfindung oder zum Autorenleben an sich erhalten möchtest, meld Dich zum Newsletter an! So verpasst Du keinen Beitrag mehr und wir nehmen jede Woche neue Bereiche der Schriftstellerei unter die Lupe.

Bis dahin, teil nicht zu viel und lass es Dir gut gehen. Bis zum nächsten Mal. Mach’s gut, wir lesen uns…

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