Ein häufiges Problem, gerade bei langfristigen Projekten wie wissenschaftlichen Arbeiten oder einem Roman ist die sogenannte „Work-Life-Balance“, die richtige Balance zwischen Privatleben, potentiellen Ablenkungen und dem eigenen Projekt. Deshalb möchte ich Dir heute ein paar Tipps geben, die mir in der Vergangenheit geholfen haben, diese Balance herzustellen.

Der „Analoge April“ neigt sich fast dem Ende zu. Bislang habe ich schon viel über meine eigenen Routinen und Arbeitsgewohnheiten gelernt – der Stoff der kommenden Beiträge.

Bis es soweit ist, wollte ich aber einige Gedanken darüber teilen, wie man Ablenkungen beim Schreiben, vielleicht bei Büroarbeit allgemein, vermeidet.

Tipps für die Work-Life-Balance beim Schreiben

Gerade Langzeitprojekte können dazu führen, dass alles Alltägliche sich wie eine Ablenkung anfühlt. Du bist in einem „Dauermodus“, in dem die Arbeit sich nicht mal anstrengend anfühlt, aber fast immer anwesend ist oder im Hinterkopf bleibt.

Für mich war das so beim Studium, bei der Dissertation oder bei umfassenden Aufräum-Aktionen. Manche Ablenkungen waren einfach permanent da. Andere wiederum, die vielleicht gut getan hätten, wie ein Treffen mit Freunden, wollte ich mir erst nach einem bestimmten Pensum „gönnen“.

Daher möchte ich mit Dir einige (vielleicht offensichtliche) Tipps teilen, damit auch Du in Zukunft leichter mit Ablenkungen umgehen und Dich ganz auf den Schreibtisch und Deine Projekte konzentrieren kannst.

1) Schalte alle Benachrichtigungen aus. Sie sind kein Zeichen von Produktivität!

Das ist der etwas technischere Teil. Die wenigsten schreiben heutzutage ausschließlich analog. Für manche Dinge braucht es einfach den Laptop oder das Smartphone.

Diese Werkzeuge – und als nichts anderes solltest Du sie betrachten – sind aber da, um Dir das Leben zu erleichtern, nicht, um Dir permanent Zeit und Aufmerksamkeit zu stehlen. All die Pop-Ups, Klingeltöne und Zahlen-Banner zwingen Dich nur, Inhalten Aufmerksamkeit zu schenken, die sie in diesem Moment selten verdienen.

Ich sage nicht, dass Du Dich für Wochen abschotten sollst, aber schaff Dir Freiräume und entscheide nach langer Überlegung, wer in Deine „Blase“ hineindarf.

Hier ein „Setup“ als Beispiel:

Keine Klingeltöne oder Zähler für E-Mails.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich erhalte tonnenweise E-Mails. Die wenigsten davon sind dringend oder erfordern eine Antwort. Wenn das auch für Dich gilt, schalte alle Klingeltöne für den Posteingang ab. Kannst Du das nicht ganz mit Deinem Job vereinbaren, dann setze zumindest Zeitfenster fest, in denen Dein E-Mail-Programm neue E-Mails abruft (zum Beispiel alle 30 Minuten), damit Du zwischendurch ungestört arbeiten kannst.

Ich nutze meinen E-Mail-Client zweimal täglich. In der restlichen Zeit ist das Programm geschlossen. Es läuft nicht im Hintergrund und lädt weitere E-Mails herunter, es zeigt mir keine rote „12“ für die im Posteingang verbleibenden E-Mails, es ist einfach nicht relevant.

Ähnlich wie mit E-Mails solltest Du mit anderen potentiellen Ablenkungen vorgehen:

  • WhatsApp
  • SMS
  • Soziale Netzwerke (egal, ob Facebook, Instagram, Twitter, YouTube, LinkedIn oder Trello)
  • Wetter- und Nachrichten-Apps

Du verstehst das Prinzip. Die Katastrophen-App, die Dich nur beim nächsten Tsunami benachrichtigt, ist vielleicht kein großer Störfaktor. Aber wenn Du auch in einer dieser Gruppen (egal auf welcher Plattform) bist, die im Minutentakt neu befeuert werden, solltest Du ernsthaft über deren Einfluss auf Deine Konzentration nachdenken.

Niemand sagt, dass Du die Apps löschen oder nicht an der Konversation teilnehmen sollst; lass Dich nur nicht über jedes „Haha! Genau! :-D“ benachrichtigen. Das gilt für alle Deine Geräte, sofern Du mehrere besitzt. Schalte alles, was „Ping!“ macht, aus und Dein Schreibpensum geht sicher bald in die Höhe.

2) Wenn’s nicht läuft, wechsle das Werkzeug

Manchmal sind wir unterbewusst unzufrieden mit der eigenen Arbeitsumgebung, mit dem lahmen Rechner oder dem kaputten Kugelschreiber, der immer kleckst. Wenn Du kannst und Deine Mittel es ermöglichen, versuche zu wechseln und bringe frischen Wind in Deinen Arbeitsplatz.

  • Schreibe ein paar Seiten von Hand
  • Diktiere Deine nächste Email
  • Setze Deinen Schreibtisch um oder ändere sonstwie Deinen Arbeitsplatz
  • Wechsle das Schreibprogramm
  • Denke über die Anschaffung einer neuen Tastatur, eines Bildschirms oder einer neuen Maus nach

Dein Gehirn wird Dich nur mit frischen Ideen belohnen, wenn Du regelmäßig neue Reize gesetzt. Diese können sehr vielfältig sein. Werd’ also schon hier kreativ und nimm es Dir nicht erst für den Moment vor, wenn Du den Editor Deines Schreibprogramms geöffnet hast.

3) Lege Bürozeiten für Dich und andere fest

Der absolute Tod der Motivation: Du hast Dich gerade am Schreibtisch eingefunden und willst loslegen, als Dein X (setze hier beliebig Mitbewohner, Vater, Mutter, Nachbarn, Ehemänner und -frauen, Partner oder sonst wen ein) mit Dir ein Tässchen Kaffee trinken möchte.

Zwei Stunden später stellst Du genervt fest, dass es sich jetzt auch nicht mehr lohnt, noch anzufangen. Könnte das Leben nicht schön sein, wenn wir fürs Kaffeetrinken bezahlt werden würden? Bis bei Melitta eine Stelle frei wird, hier ein Tipp, um dieser Falle zu entgehen, unter der gerade Studenten, Freiberufler und Selbstständige mit Home Office leiden:

Setze fixe Zeiten fest, zu denen Du nicht zu sprechen bist, auch nicht für Personen, mit denen Du zusammenlebst! Das ist Deine Arbeitszeit. Du kannst vorher oder nachher über die neue Siamkatze der Nachbarin plaudern, aber zwischendurch solltest Du Deinen Job auch dann wie einen Bürojob behandeln, wenn Du gar kein Büro besitzt. Lass Kollegen, Freunde und Verwandte am besten wissen, wann sie Dich erreichen können und bedenke auch Möglichkeiten für Notfälle.

4) Miss die Ergebnisse, nicht die Zeit

Ich habe schon oft von anderen gehört, dass sie stundenlang im Büro waren, Überstunden geschoben haben oder wieder mal am Wochenende ‚ran mussten. Nicht selten kam es dabei vor, dass die Zeit oder die Präsenz am Arbeitsplatz wichtiger war als die tatsächlich erbrachte Arbeit.

Diese Vorgehensweise halte ich für grundverkehrt.

Setz‘ Dir qualitative Ziele und nimm Dir nicht vor, 12 Stunden am Schreibtisch zu sitzen.

Ob nun ein bestimmter Teil deiner Präsentation fertig werden muss, Du in Deinem Roman Dialoge ausarbeitest oder Belege für eine These anordnest; ganz egal:

Such Dir realistische (!), messbare Ziele, die Du tageweise oder innerhalb einer Woche erledigen willst. Du wirst viel mehr über Dich selbst, Dein Arbeitstempo und die Einteilung Deiner Projekte lernen und in Zukunft besser einschätzen können, wie viel Zeit eine Aufgabe in Anspruch nimmt.

Und solltest Du mal früher fertig sein als gedacht; klopf‘ Dir auf die Schulter und freu‘ Dich. Du kannst jetzt über ein abgeschlossenes Projekt berichten anstatt bloß über vage 8 Stunden. Vielleicht schaffst Du beim nächsten Mal noch mehr, vielleicht hast Du Dir auch eine Belohnung verdient. Und damit sind wir beim letzten Punkt:

5) Gönne Dir regelmäßig Belohnungen

Niemand kann regelmäßig 10.000 Wörter schreiben, ohne sich anschließend auch zu belohnen. Du musst einfach regelmäßig Deine kreativen Reserven auftanken, damit es auch mit den nächsten 1000 klappt. Belohnungen können dabei ganz unterschiedlich aussehen:

  • Geh’ spazieren
  • Setze Sport als Belohnung ein
  • Besuche einen Antikmarkt
  • Schau’ Dir einen Film an
  • Koch’ Dir und Deinen Lieben etwas Besonderes
  • Fahr’ Motorrad
  • Geh’ auf ein Konzert
  • Nimm einen Freund / eine Freundin mit zum Shoppen
  • Schreib‘ zwischendurch an einem kreativen Projekt
  • Lies ein Buch. Wenn’s geht, nicht nur Sachbücher, sondern auch mal Fiktion

Eine Belohnung muss nichts Materielles sein. Suche nach Erlebnissen, die Dir Spaß machen und die vor allem eine Abwechslung zum Schreibtisch darstellen.

So belohnst Du Dich nicht nur, sondern sorgst auch für schöne Erinnerungen und neuen Input für die nächsten Seiten. Nach meiner Erfahrung solltest Du Dir mindestens einmal pro Woche etwas Gutes gönnen, zur Not alle zwei Wochen. Und auch wenn Deine Ergebnisse der letzten Tage dies vielleicht nicht gerechtfertigt haben – gönn’ Dir!

Sieh es eben als Inspiration, die Dir über die nächste Hürde hilft.

Das waren meine Tipps, um Ablenkungen beim Schreiben zu vermeiden, Inspiration zu finden und vor allem die richtige Balance zwischen Privatleben und Arbeit zu finden.

Haben Dir die Tipps gefallen? Hast du weitere Ideen, wie man als Angehöriger der schreibenden Zunft mit Ablenkungen umgehen sollte oder seinen Alltag meistert? Dann teile sie mit mir in den Kommentaren!

 

Diesen Blogpost habe ich im Rahmen des „Analogen Aprils“ zuerst von Hand geschrieben. Bislang habe ich schon viel über mich und (erstaunlicherweise) das Schreiben selbst gelernt, das ich bald mit Dir teilen möchte. Wenn Du mehr über die verwendeten Schreibuntensilien erfahren möchtest, schau‘ einfach auf meiner Seite für Hilfsmittel vorbei!

Für einen Monat möchte ich nämlich mehr darüber erfahren, wie die Art zu schreiben meine Texte und Arbeitsweise beeinflusst. Mehr dazu findest Du im ersten Beitrag zum „Analogen April“. Der April neigt sich langsam dem Ende und in gewisser Hinsicht bin ich froh darüber (wenn auch nicht aus den Gründen, die ich anfangs vermutet hätte).

Wenn Du gerne, viel oder sogar täglich von Hand schreibst, würde mich aber jetzt schon interessieren, in welchem Kontext. Vielleicht suchst Du auch nach Möglichkeiten, das Schreiben wieder stärker in Deinen Alltag einzubinden? Schreib‘ mir einfach auf Twitter oder per Email!

Wir lesen uns!

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