Erst mal umsonst schreiben, um bekannt zu werden und die Reichweite anderer zu nutzen. Klingt gut, oder? In diesem Blogpost möchte ich meine bisherigen Erfahrungen zu Texterportalen und schlechten Auftraggebern mit dir teilen, damit du diese Fehler hoffentlich vermeidest.

Im Laufe meiner bisherigen Laufbahn als Texter und Blogger bin ich in so ziemlich jeden denkbaren Hundehaufen getreten, was Akquise und Kundengewinnung anbelangt. Komm, wir steigen kurz in die Zeitmaschine und schauen uns gemeinsam die größten Debakel an. Achtung, es wird nicht ganz jugendfrei.

Die Achse des Bösen: Freelancer-Portale

Da du auf jedem zweiten Blog Erfahrungsberichte über Portale wie Freelancer oder Upwork findest, gehe ich davon aus, dass ich hier nicht alleine bin.

Wie so viele dachte ich in der ersten Euphorie, dass diese Portale uns Freiberuflern entgegenkommen und ganz selbstlos die Akquise erleichtern. Und das natürlich, ohne uns abzuzocken oder miserable Arbeitskonditionen aufzubrummen. Wie Engel, die vom Auftrags-Olymp steigen und uns einen Zaubertrank überreichen, der alle Leiden der Akquise verschwinden lässt.

Durch die rosarote Brille des anfänglichen Enthusiasmus sieht die Welt eben noch anders aus. In der Hoffnung, mehr und bessere Kunden zu gewinnen, habe ich sogar Tests absolviert. Wohlgemerkt, nachdem ich bereits ein Studium abgeschlossen hatte. Hier war er also, dieser Tropf von einem Texter, der nach abgeschlossenem Masterstudium und Dissertation Antworten in einen Englisch-Test hineinprügelte, damit das Portal ihm angeblich in Zukunft lukrativere Aufträge zukommen lässt.

Gott sei Dank stellte sich schnell heraus, dass diese Tests nicht zu besseren Kunden, geschweige denn zu höheren Einnahmen führten. Zumindest nicht für mich. Die Portale haben währenddessen allerdings gut an Mitgliedschaftsbeiträgen verdient. Mal abgesehen davon, dass die Freelancer für manche Tests sogar bezahlen sollen! Spätestens da hat der kleine Mann im Ohr mit der Stimme meines stets skeptischen Vaters gefragt, ob ich denn wisse, was ich tue.

Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen: Du kommst auf einen Marktplatz und bietest Deine Dienstleistungen an. Der Marktplatz verlangt zusätzlich zu deinen Zeugnissen Tests, die dasselbe aussagen wie deine Zeugnisse und die auf dem nächsten Marktplatz komplett wertlos sind. Währenddessen zahlst du für deinen Marktstand und natürlich für jeden Test in neuen Marktsegmenten, die für dich interessant sind. Goldig, oder? Dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin. Ach ja, ich habe eine Seele.

Hätte ich allerdings allein die Mitgliedschaftsbeiträge mit den mir angebotenen Raten auffangen wollen, hätte ich meine Arbeit in eine indische Kleinstadt outsourcen müssen, um die Stunden abzudecken.

Erste Lektion: Investiere kein Geld in Märkte, die deine Arbeit nicht auch finanziell zu würdigen wissen.

Immerhin gab es Portale, die ausschließlich für Texter gemacht zu sein schienen. Mein Gedankengang: “Dann wird es hier ja anders sein. Texter ziehen ja nicht Texter über den Tisch.”

Außerdem gab es keine Mitgliedschaftsbeiträge. Auch konnte ich die Kontaktaufnahme abwickeln wie ich wollte. Niemand schrieb mir vor, das unbedingt innerhalb seines Netzwerks zu tun. Im Prinzip eine Jobbörse, wie du sie vielfach im Netz findest, ob nun auf Indeed, Facebook oder in Texterbörsen.

Hier durfte ich dann meine erste positive Erfahrung machen. Über eine Ausschreibung gewann ich meinen ersten Kunden. Wie sich herausstellte, sollte er mir lange treu bleiben.

Was war in den Texterbörsen anders?

Ich musste mich zwar anfangs mit einer niedrigeren Rate begnügen, allerdings galt das nicht als selbstverständlich. Vielmehr haben mir die Admins zu Beginn eine vergleichsweise geringe Aufwandsentschädigung angeboten. Währenddessen habe ich mich in ihre Arbeitsabläufe und den in ihrem Portal gängigen Schreibstil eingefunden.

Es gibt Texter, die sich auf solche Angebote nicht einlassen, sondern sich umdrehen und gehen.

Ich war damals mit den Abläufen der Akquise noch gar nicht vertraut und fand es logisch, dass ein Texter sich zu Beginn erst mal einfinden und beweisen muss. Die niedrigere Rate überschritt gleichzeitig die lächerlichen Angebote, die mir verschiedene Freelancer-Portale als “besonders gute Konditionen” vermarkten wollten.

Allerdings sehe ich heute, dass schon die ersten E-Mails mit besagtem Kunden anders waren als viele, die ich später erhalten habe.

Gleich zu Beginn lieferten die Admins mir konkrete Vorgaben zu den gewünschten Texten in Redaktionsplänen und Beispieltexten.

Auch der Ablauf meiner Bewährungsphase, wenn wir sie so nennen wollen, war von vornherein klar strukturiert. Ein Testbeitrag, Feedback durch die Redaktion und danach die reguläre Rate.

All diese Informationen standen in den ersten beiden E-Mails. Auch später, als ich eine neue Rate verhandelt habe, war der Umgang kollegial und der Ablauf unproblematisch. Ich habe nichts gehört von den finanziellen Problemen eines Startups oder dem Marketing-Budget.

Was ist bei den Schlaubi-Schlümpfen anders?

Mir fallen an dieser Stelle alle möglichen Begriffe ein, mit denen ich die leider viel zu weit verbreiteten anderen Kandidaten beschreiben möchte. Der Einfachheit halber nennen wir sie deshalb nur Schlaubi-Schlümpfe. Schließlich halten sie sich ja für smarter als alle anderen.

Mittlerweile habe ich die eine oder andere E-Mail von Schlaubis erhalten, die mir „besonders attraktive Konditionen“, „großes Volumen“ oder anderes Marketing-Blingbling versprochen haben.

Sehen wir uns also im einzelnen an, was hier anders abläuft. So kannst auch du hoffentlich in Zukunft Möchtegern-Kunden dieser Art vermeiden und angemessen auf ihre Dreistigkeit reagieren.

Shiny, shiny Bling-bling-bling

Erst beim Querlesen mehrerer E-Mails der Schlaubis ist mir eins aufgefallen: Ihr Drang, sich selbst als besonders erfolgreich zu profilieren. Unabhängig davon, ob sie es bereits sind. Sie kennen die Szene, den Markt und damit natürlich alle üblichen Konditionen.

Ein Schlaubi hatte beispielsweise das dringende Bedürfnis, seinen Doktortitel nicht nur in seiner E-Mail-Signatur einzufügen, sondern zusätzlich zur Signatur den “Dr. Schlaubi” darüber einzufügen.

Sehr professionell. Blöd, wenn man vergisst, dass die Signatur im E-Mail-Programm bereits eingerichtet ist.

Der Eindruck verstärkte sich nur noch durch betonte Überfrachtung mit Business-Vokabular alla ROI und Shares. Auf meiner Schulter meldete sich das Texter-Teufelchen, das schrie: “Warum schreibt Dr. Schlaubi seine Texte nicht selbst? Offenbar kann er eine Doktorarbeit schreiben…”

Ich konnte zu Uni-Zeiten schon die Profs am wenigsten leiden, die wert darauf legten, dass man sie in jedem Satz mit Titel anspricht. Und kurz vor der Veröffentlichung meiner Doktorarbeit zu stehen, hat daran nichts geändert.

In diesem Fall wirkt es auf mich eher so, als sollte ich, der Bittsteller, doch verstehen, welch große Ehre es für mich wäre, für den werten Herrn Doktor zu arbeiten. Nur warum, konnte er mir nicht erläutern.

Ein anderer Schlaubi ging ähnlich vor. Aus irgendeinem Grund sah er das Auswandern als großes Aushängeschild. Hier stand also in der Grußformel am Ende eben nicht der Dr.,sondern jedes Mal „Grüße aus Bukarest“.

Gerade in den letzten Jahren hat sicher das Bild des digitalen Nomaden an Popularität gewonnen. Und ja, ich habe mich hauptsächlich wegen der Ortsunabhängigkeit und der freien Zeiteinteilung für das Freiberuflerdasein entschieden.

Trotzdem beeindruckt es mich mäßig, wenn mir ein Kunde jede Woche von einem anderen Flughafen E-Mails zugeschickt. Ich bin ein großer Fan effizienter E-Mail-Kommunikation. Und die Information, dass du gerade in Shanghai oder auf Bali weilst, trägt für mich nicht zu einer erfolgreichen Kundenbeziehung bei.

Mach es meinetwegen zum Inhalt deiner E-Mail, wenn für mich wichtig wird, wann wir skypen können. Ansonsten möchte ich höchstens von Freunden oder Verwandten darüber informiert werden, an welchem Strand sie gerade liegen. Danke, Nächster!

So viele Bewerber …!

Vielleicht ist dir dieser Satz schon begegnet. Mittlerweile kommt er mir aus den Ohren heraus. Die Go-To-Ausrede, gerade bei denjenigen, die später kein Marketing-Budget haben, lautet, dass sich ja so viele Texter auf die wahnsinnig beliebte Stelle beworben haben.

“Deshalb bitten wir um Verständnis dafür, dass wir dir selbst nach erfolgreichem Abschluss unserer Probephase leider nicht mehr als den Durchschnittslohn eines pakistanischen Ziegenhirten bezahlen können. Natürlich bei einem Arbeitspensum, das gut und gerne deine ganze Woche einnimmt. Schließlich wollen wir vermeiden, dass du neben uns  andere Kunden gewinnen könntest und so womöglich von dem Geld lebst!”

Tut mir leid, aber die Anzahl der weiteren Bewerber ist für mich nur dann interessant, wenn sie die zeitlichen Abläufe einer Bewerbung bestimmt. Nicht, wenn der Kunde sie als Erklärung für miserable Bezahlung heranzieht.

Die Tatsache, dass es jemanden gibt, der es billiger macht, ist kein Argument. Das einzige, was wir damit erreichen, ist ein Rennen nach unten.

Ich bin nicht arbeitsscheu und habe schon die verschiedensten Jobs ausgeübt, vom Dozenten bis hin zum Fabrikarbeiter in einer Industriebäckerei. Natürlich habe ich auch Verständnis dafür, dass Auftraggeber nicht jede Tätigkeit gleichermaßen entlohnen. Trotzdem gehört für mich der erste Praktikant, der unentgeltlich gearbeitet hat, gesteinigt.

Sei also nicht naiv und verkaufe dich nicht unter Wert. Wer deine Arbeit jetzt nicht würdigt, wird es auch in Zukunft nicht tun. Rede dir das selbst nicht ein. Und letztlich würdigst du deine Arbeit selbst nicht, wenn du auf die Angebote dieser unprofessionellen „Experten“ eingehst.

Was du so machst, gefällt mir ganz gut … Und so…

Das Standardlob ist die offensichtlichste rote Flagge, die dir in den E-Mails der Schlaubis begegnen wird. Neben der Respektlosigkeit, sich nicht einmal die Zeit zu nehmen, um den Namen des Texter kurz zu recherchieren und deshalb eine E-Mail nur mit „Hallo“ zu eröffnen, stehen die Worthülsen und Standardphrasen ganz oben auf meiner Liste.

Wenn also der nächste Schlaubi deine Arbeit “ganz gut findet” oder deinen „tollen Blog“ lobt, dreh dich um und lauf Forrest, lauf!

Nett ist die kleine Schwester von scheiße, wie man in unserer Ecke so schön sagt.

Diejenigen, die Ahnung haben und wissen, warum sie einen guten Texter suchen, werden ihn nach seinen Kenntnissen der Nische auswählen. Nicht umsonst ist die Nische das wichtigste Merkmal, was du dir als Texter zulegst.

Texter, die „superschnell auch lange Texte“ schreiben (diese Art des Marketings habe ich tatsächlich schon gesehen), haben nicht verstanden, dass es nicht auf die Masse ankommt. Wichtig ist, dass du dich mit der Materie auseinandersetzt. Umgekehrt zeigt also ein Kunde, der deinen Blog einfach nur toll findet, nicht das nötige Verständnis deiner zukünftigen Tätigkeit.

Zum Vergleich: Der Admin aus dem ersten Beispiel konnte mir gleich sagen, dass er einen technischen Copywriter sucht. Dementsprechend habe ich ihm gleich passende Beispieltexte zu seiner Nische geliefert und so wurden wir uns einig. Diejenigen, die “einfach tolle Texter” suchen, sollen in den Freelancer-Portalen glücklich werden.

Und wenn du dich nicht auf eine Branche spezialisieren möchtest, geh zumindest auf die Meta-Ebene und konzentriere dich auf bestimmte Textarten.

Du könntest beispielsweise das E-Mail-Marketing für Kleinunternehmer zu deiner Nische machen und so immer noch mehr Erfolg haben, als wenn du alles und nichts schreibst.

Unprofessionelle Vorgaben

Im Laufe dieses Absatzes werde ich noch mehrfach meinen Blutdruck überprüfen müssen. Genauso wie das Lob toller Texte sprechen auch unprofessionelle und ungenaue Vorgaben in Briefings dafür, dass dein Kunde sich keine Gedanken über deine Zuständigkeiten gemacht hat.

Wenn es sich um einen Kleinunternehmer handelt, der schlichtweg keine Ahnung von Texten hat, ist das nicht weiter dramatisch. Du kannst nicht erwarten, dass jeder deiner Kunden für dich ein Briefing ausarbeitet. Wenn es sich allerdings um einen Schlaubi handelt, der schon mit großem Auftragsvolumen und ebenso großer Reichweite wirbt, darf es doch wundern, wie er denn ohne einen genauen Plan an diese Reichweite gekommen ist.

Hier ein paar Auszüge aus den E-Mails des letzten Schlaubi-Schlumpfs:

Zunächst einmal SORRY! für die späte Antwort.

Ich habe mich über deine Mail gefreut, aber die letzte Zeit war geprägt von meiner Auswanderung nach Zypern.

Außerdem haben sich echt viele coole Leute auf die Stelle beworben.

Auch was du so alles machst gefällt mir sehr gut!

Jap. Glitter, Glammer, bling-bling-bling. Und weiter…

Bitte schreibe für uns einen Artikel zum Thema „XY“.

Wir haben anhand verschiedener Analysen die angehängten Keywords definiert. Bitte schaue, dass du v. a. die starken möglichst oft aber sinnvoll einbaust.

Weil Texter genau dafür da sind. Tippende Keyword-Schimpansen. Okay, weiter…

Die Struktur des Textes haben wir ebenfalls bereits erstellt. Bitte benutze die Überschriften aus dem Anhang und fülle sie mit Leben.

Leben… Ja. Duze ich? Sieze ich? Blumiger Stil oder Business? Naja, immerhin habe ich ja formale Vorgaben und arbeite nicht ins Dunkle hinein…

Bei der Wortanzahl möchte ich erst einmal keine Vorgaben machen, aber schaue bitte, dass die Inhalte auf den Punkt formuliert sind.

Genial, oder? Auf den Punkt, aber über den Umfang haben wir uns noch keinen Kopf gemacht! Ich war geneigt, ein leeres Dokument mit einem Punkt zurückzuschicken. Es wird aber noch besser…

Und um Missverständnissen vorzubeugen: Wir lassen von mehreren potenziellen Textern Testartikel verfassen um zu schauen, ob es für uns passt aber natürlich auch, ob es für den Texter passt. Gib uns hierzu also jederzeit gerne Feedback.

Eine Vergütung erfolgt daher aber auch nur, sofern wir den Test-Artikel auch verwenden können. Ob und in welcher Höhe eine Vergütung erfolgt, ist dann also im Anschluss noch zu klären.

Ich wittere Schlaubi. „Toll, dass du dich auch darum schlagen möchtest, für uns zu schreiben, weil wir so ultra-erfolgreich sind. Ob wir dich überhaupt bezahlen, machen wir aber von unserer Laune und der guten alten Chemie abhängig. Keine Lust? Da stehen tausend weitere Texter, die sich gerade in meiner Fantasie um den Job streiten!“

Es sagt viel aus, dass sich der Texter erst mal nicht um Umfang oder Stil kümmern soll. Wen interessiert es auch, dass du den Text später in stundenlanger Kleinarbeit noch viermal überarbeitest? Du kostest ja nichts. Wir haben keine Ahnung, wer unsere Zielgruppe ist, und möchten dich erst mal für eine Woche beschäftigen. Natürlich unentgeltlich.

Auch hier wieder das Gegenbeispiel meines ersten vernünftigen Auftraggebers: Gleich zu Beginn gab es ein ausführliches Briefing inklusive gewünschter Anrede der Leser, zu vermeidenden Begriffe, vom Duden abweichenden Schreibweisen zugunsten der Suchmaschinenoptimierung etc.

Derart unprofessionelle Vorgaben sind für dich ein Anzeichen dafür, dass dein Auftraggeber schlichtweg von redaktionellen Abläufen keine Ahnung hat. Wer also behauptet, dass er dir eine große Reichweite bieten kann und gleichzeitig nicht einmal weiß, ob du deine Leser im Probetext duzen oder siezen solltest, weiß nicht, was er tut.

Sollte vorher ein solches Briefing ausbleiben, frag vorher nochmal nach, ob du eins erhältst. Ansonsten gilt auch hier: Lauf!

“Wir schauen mal, ob die Chemie stimmt”

Mein absoluter Liebling und so langsam stülpt sich mir dann auch der Magen um. Im Beispiel oben hast du’s sicher bemerkt. Ich gebe zu, dass ich auf diese Masche vor kurzem noch einmal reingefallen bin, weil die ersten Anzeichen für mich nicht offensichtlich genug waren.

Was ist die sicherste Garantie dafür, einen Texter im Ungewissen und in Abhängigkeit zu lassen? Richtig, eine Vergütung nur dann in Aussicht zu stellen, wenn die Chemie nachher stimmt.

Häufig koppeln die Auftraggeber die Aussage an vage Beanstandungen, so auch in diesem Beispiel:

Die Anrede „Du“ ist hier vollkommen ok, da ja eher eine junge ZG angesprochen wird.

Immerhin. Aber fehlte wirklich die Zeit, um Zielgruppe zu schreiben? Egal, weiter im Text.

Aus diesem Grund könnte der Artikel sprachlich aber wirklich ein wenig mehr Pepp / lockereren Ausdruck vertragen.

Löblich, wir denken immerhin an den Stil. Aber wie sieht das konkret aus? Sprecht ihr Teenager an oder Mittdreißiger, die nicht alt werden können?

Der Artikel ist sehr ausführlich, was prinzipiell ja gut ist. Für unsere Zwecke ist er jedoch zu ausführlich.

Ist toll, wenn sich der Kunde im Laufe deiner Abgabe selbst erst die Richtlinien strickt. Vorher hieß es nämlich, der Umfang ist uns erst mal egal.

Man merkt auf jeden Fall, dass du recherchieren und schreiben kannst und das auch magst.

Ach, wie süß! Danke. Jemand, der weder seine Zielgruppe kennt noch ein Briefing für nötig hält, findet, dass ich kann, was ich seit Jahren mache. Beruhigend.

Die Frage ist jedoch, ob wir stilistisch zusammenpassen.

Aha, da ist es. Warum nicht gleich so, Schlaubi?

Letztendlich müsste der Text noch einmal grundlegend überarbeitet werden, sprich du hättest den selben Aufwand noch einmal (ohne Geld zu bekommen) und ohne Garantie, dass wir dich zukünftig als Texter buchen. Mir ist wichtig hier klar zu sein.

Mir wäre erst mal wichtig, dass wir überhaupt über Konditionen sprechen. Ach, mein Fehler. Da steht ja eine: Ohne Geld. Ohne Garantie. Da lacht das Texterherz!

Falls du Bock auf das Thema hast würde es uns aber definitiv freuen, wenn du uns den angepassten Artikel noch einmal zukommen lassen würdest.

Und zum Schluss nochmal locker flockig und salopp den Bock rauswerfen, Chapeau! Bindung durch Vertrautheit. Gut, Schlaubi, gut.

Hier ist mein Problem: Ein Stück weit wird immer dein persönlicher Stil durchkommen und das ist gut so. Gleichzeitig ist der Stil aber so schön glitschig und wenig greifbar, erst recht, wenn dein Auftraggeber selbst keine Ahnung davon hat und Verbesserungsvorschläge zum Stil mit solchen zu Struktur oder Umfang vermischt.

Den Vertragsabschluss also vom Stil abhängig zu machen, ist die sicherste Variante, sich geschickt aus der Affäre zu ziehen. Ahnungslose Texter kennen ihren Stil noch nicht und werden ihn wegen solch dummdreister Aussagen womöglich ein Leben lang suchen.

“Mal sehen, ob es passt.” – Das ist eine schöne Idee für ein Blind Date, für einen Auftrag eher eine Katastrophe.

Stell dir vor, du rufst einen Klempner und bittest ihn, vorbeizukommen, um sich deine verstopfte Spüle anzusehen. Bezahlen willst du ihn allerdings nur, wenn am Ende die Chemie stimmt und du mit seinem Stil zufrieden bist. Es könnte ja immer noch sein, dass er die Wasserpumpenzange in einem Winkel hält, den deine zarte Seele nicht verträgt.

Hier kommt es allerdings auf die Feinheiten an.

Wie gesagt, ich habe nichts dagegen, dass man gründliche und saubere Arbeit verlangt. Das Problem kommt dadurch zustande, dass du bei diesen Aussagen gar nicht wissen kannst, wann deine Arbeit als gelungen und abgeschlossen gilt.

Der Auftraggeber gibt dir kein qualifiziertes Feedback und somit keine Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Bedingung, nur bei passender Chemie zu zahlen, schlichtweg dreist ist. Wenn dir ein solcher Kunde begegnet, antworte ihm gerne mit meinem Handwerkervergleich. In den meisten Fällen hat sich das Problem damit erledigt.

„Aber wir haben doch ein so großes Auftragsvolumen!“

Hätte ich zehn Cent für jede E-Mail, in der mich ein „Experte“ mit großem Auftragsvolumen locken wollte, ich müsste nie mehr über eine faire Bezahlung nachdenken.

Auch hier greift aber der Handwerkervergleich: Probier es mal aus, geh zu einem Maurer und bitte ihn, für einen Euro in der Stunde eine Mauer zu ziehen. Und wenn er sich beschwert, informiere ihn höflich darüber, dass du ihn ja mehrere Kilometer Mauer ziehen lassen möchtest. Natürlich, wenn die Chemie stimmt.

Siehst du die Idiotie hinter diesem Argument?

Dass ein Auftraggeber ein großes Auftragsvolumen hat, ist alltäglich. Deshalb sucht er ja einen Texter. Die wenigsten Unternehmer haben die notwendige Zeit, geschweige denn die Qualifikation, um ihre eigenen Texte zu schreiben.

Dass ein Schlaubi-Schlumpf dich aber als Ghostwriter zum Mindestlohn verpflichtet, all seine E-Books zu schreiben, womöglich für einen Hungerlohn, ist keine glückliche Fügung des Schicksals, sondern einfach Ausbeutung. Lass den Herrn Unternehmer seine Textmassen gerne selbst bewältigen. Er arbeitet schließlich auch nicht umsonst.

Wann es für mich immer noch o. k. ist, „umsonst zu schreiben“

All die Beispiele könnten dich jetzt glauben machen, dass ich keinen Finger mehr rühre, sofern ich nicht meinen nächsten mit Blattgold verzierten Montblancfüller davon finanzieren kann. Das Gegenteil ist der Fall. Ich persönlich denke immer noch, dass es Fälle gibt, in denen es akzeptabel, wenn auch vielleicht nicht immer ratsam, ist, umsonst zu arbeiten.

Als Anfänger Erfahrung sammeln

Als Anfänger ist es manchmal – nicht immer! – akzeptabel, nicht gleich adäquat bezahlt zu werden. Schließlich bist du Anfänger. Hier kommt es allerdings auf den Rahmen an, in welchem deine Konditionen vereinbart werden. Zwei Szenarien:

Szenario 1

Dein Auftraggeber sucht einen Werbetexter mit Erfahrungen im handwerklichen Bereich. Du hattest früher einen eigenen Betrieb und bist seit kurzem als Texter für Handwerkerbetriebe auf dem Markt. Allerdings kannst du noch nicht mit umfassender Erfahrung auftrumpfen. Deshalb bietest du ihm an, den ersten Text kostenlos zu verfassen. Gleichzeitig nennst du ihm aber auch deine übliche Rate, die du dir natürlich schon überlegt hast. Er ist mit dem Probelauf einverstanden und fällt auch nicht gleich vom Stuhl, nachdem du ihm deine Rate mitgeteilt hast.

Szenario 2

Dein Auftraggeber sucht einen Werbetexter mit oben genannten Erfahrungen. Du bietest ihm kostenlose Texte an, weil du noch keine Erfahrungen mitbringst. Er stimmt dem verständnisvoll zu und reagiert mit einem „Wir können ja mal sehen, wie es läuft“.

Siehst du den Unterschied? Es ist vollkommen o. k., als Anfänger noch nicht bewandert in allen Bereichen zu sein. Als Texter und Copywriter wird es dein Job sein, dich mit immer neuen Themen und Inhalten vertraut zu machen, um sie später deinen Lesern verständlich zu präsentieren.

Das bedeutet nicht, dass du deshalb für die ersten zwei Jahre leer ausgehen musst. Schließlich haben deine Kunden schon einen spürbaren Nutzen von deinen Texten.

Und woran willst du den Zeitpunkt ausmachen, an dem du letztlich genug Erfahrung hast, um vom Schreiben leben zu können?

Willst du einfach ein Jahr lang schreiben?

Oder traust du dir erst nach fünf Kunden zu, Geld zu verlangen?

Dein Plan muss von vornherein stehen und jeder deiner Kunden sollte wissen, dass du einen hast. Du willst schließlich nicht als der Texter bekannt werden, der umsonst arbeitet, sondern als der, der Kunden mit seinen Texten überzeugt.

Es ist absolut verständlich, dass du zu Beginn erst mal Erfahrungen sammeln möchtest. Aber vergiss nicht, dass dir eine einzige Ressource nur begrenzt zur Verfügung steht: Zeit. Wenn du deine eigene Zeit nicht würdigst, tun deine Kunden es erst recht nicht. Und jahrelanges unentgeltliches Schuften ist wohl die Standarddefinition mangelnder Würdigung.

Für Freunde und Verwandte

Gerade zu Beginn kann es eine tolle Gelegenheit für deine Auftragslage sein, Freunden und Verwandten deine Dienste anzubieten. Das hat unweigerlich zur Folge, dass du in den verschiedensten Nischen und Themen unterwegs sein wirst.

Hier schreibst du den Werbetext für die Flyer eines Nagelstudios, dort braucht dein Onkel Hilfe bei einem Werbeplakat.

Das ist nicht nur für dich praktisch, weil du auf die Art viele verschiedene Textformen und Inhalte ausprobieren kannst. Auch lernst du so die kleinen Feinheiten des Texter-ABCs und machst dich mit technischen Abläufen vertraut.

Unter diesem Vorzeichen finde ich es durchaus o. k., wenn du unentgeltlich oder für reduzierte Raten arbeitest. Am Ende ist es so, dass Freunde und Verwandte sowieso deine schlechtesten Kunden sein werden. Warum sie also nicht auf diese Weise für Testimonials und Erfahrungen nutzen? Verpass aber später nicht den Zeitpunkt, an dem dich Onkel Heinz seinem Kollegen empfiehlt und dieser schon bereit wäre, dich für deine Texte zu entlohnen.

Klare Regeln für dich selbst

Für mich war es die einfache Regel, dass Kunden außerhalb meines Freundeskreises mich bezahlen. Vielleicht ist es für dich der Zeitraum, der Ort oder die Textmenge. Nur setz dir diese Regeln gleich zu Beginn, damit du nicht immer neue Erklärungen dafür findest, dass du am Ende doch nicht bezahlt wirst. Ansonsten fressen dich nämlich die Schlaubi-Schlümpfe mit Haut und Haaren.

Mach’s gut, wir lesen uns!

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Als Texter umsonst arbeiten?

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