Jeder Autor muss sich an einem Punkt in seiner Laufbahn mit Kritik auseinandersetzen. Allerdings kann Kritik im falschen Moment oder mit fehlgeleitetem Ziel Projekten eher schaden als ihnen zu nutzen. Worauf solltest Du also achten, wenn Du um Kritik bittest? Und wie stellst Du sicher, dass Deine Kritik wirklich konstruktiv ist?

Worauf achten, wenn Du um Kritik bittest

Wenn Du in Deiner Vergangenheit um Kritik gebeten hast, hast Du auch die Probleme zu spüren bekommen, die sie mit sich bringt. Das gilt sogar dann, wenn Du nicht immer nachvollziehen konntest, warum etwas schief gelaufen ist. Für mich selbst habe ich über die Jahre einige „Kriterien“ entwickeln können, die mir erlauben, gezielt um Kritik zu bitten.

Dem Moment angemessene Kritik

Leider wird zu häufig übersehen, dass es für gute Kritik einen geeigneten Zeitpunkt gibt. Früher habe ich mich häufig (zu Unrecht) geärgert, weil ich (unbewusst) zu früh um zu konkrete Kritik gebeten habe. Warum das ein Problem ist? Im Prinzip ganz logisch…

Nehmen wir an, Du schreibst einen Essay, willst Dich an einem Roman versuchen, hast eine Bewerbung oder ein Liebesgedicht an die holde Isolde geschrieben; ganz egal. In den frühen Phasen suchst Du in aller Regel noch nach einer übergeordneten Struktur oder Inspiration, achtest vielleicht noch nicht auf die Rechtschreibung oder Zeichensetzung oder setzt vielleicht so vielsagende Randkommentare ein wie „Unbedingt nachschlagen!“ oder „Wie hieß der Autor nochmal?“.

Du befindest Dich in einer Art „Findephase“: Die abschließende Form ist nicht gegeben, selbst Dein Thema mag noch nicht ausreichend eingegrenzt sein, vielleicht fehlen Definitionen oder Unterkapitel. Nun stell Dir vor, Du bittest in dieser Situation einen entfernten Bekannten um seine Meinung, der zufällig gerade auf einen Kaffee vorbeikommt und sich eigentlich nicht sonderlich für das Thema interessiert.

Seine – vielleicht sogar gut gemeinte – Kritik wird viel zu allgemein sein. Oder aber er meint es besonders gut und kritisiert bereits auf minutiöse Art die Rechtschreibung, bevor der zweite Entwurf überhaupt geschrieben ist.

Wie bitte ich „richtig“ um Kritik?

Sei Dir bewusst, dass Du zu unterschiedlichen Zeitpunkten ganz verschiedene Arten von Kritik benötigst. Am Anfang eines Projekts mag das die Themenfindung oder -abgrenzung sein, später die Gliederung oder Handlungsmotivation, der Stil oder die Rechtschreibung.

Wenn Du also um Kritik bittest, „steuere“ sie vorab durch Hinweise. Bitte ausschließlich um gezielte Kritik zu dem Teilaspekt Deiner Arbeit, der Dich gerade selbst beschäftigt. In aller Regel ist es für Kritik an der Gliederung zu spät, wenn Du eigentlich mit der Arbeit so gut wie abgeschlossen hast und nur noch auf das Layout achtest.

Diese Vorgehensweise bringt es mit sich, dass Du immer wieder während eines Projektes um Kritik bittest; manchmal dieselben, manchmal unterschiedliche Personen. Wer nur am Anfang und dann kurz vor Abschluss dieselbe Person um Rat bittet, hat zwar nicht nur in seiner eigenen Gedankenwelt gelebt, sollte allerdings auch keine Wunder erwarten. Und damit sind wir beim nächsten Punkt…

Die richtige(n) Person(en)

Unangebrachte Kritik vermeidendisapprove“ (unverändert) von hobvias sudoneighm unter der Creative Commons Lizenz CC BY-ND 2.0

Oft ist es sehr schwer, geeignete Kritiker für Dein Vorhaben zu finden. Ein guter Kritiker (nicht nur im professionellen Sinn) kann sich selbst gut genug einschätzen, um zu wissen, worauf sich seine Kritik zum gegebenen Zeitpunkt beziehen muss. Du musst also bei der Auswahl Deiner Kritiker ein wenig Menschenkenntnis (oder notfalls Erfahrungswerte) mitbringen.

Problematisch können Kritiker für Deine Arbeit werden, wenn…

… sie ihre eigenen Kompetenzen falsch einschätzen

Manchmal sind das sogar diejenigen Personen, die sich selbst anbieten. Wenn Du dem Nachbarn, der „ein Auge für Layout“ hat oder „ganz gut Englisch kann“, Deinen Text überantwortest und er Fehler schlichtweg übersieht, ist Dir natürlich nicht geholfen. Es mag ein gut gemeintes Angebot sein, aber in solchen Fällen bist Du besser dran, wenn Du Dir professionelle Hilfe suchst.

… sie keinen „Filter“ haben

Manchmal sind gewisse Kommentare einfach unpassend und nicht wünschenswert. Nicht jeder hat ein Gespür dafür und gerade die „kreativen“ Projekte können in ihrer Frühphase darunter leiden. Dafür ist es unerheblich, ob Du damit Geld verdienen oder an die Öffentlichkeit gehen willst.

Ein falsch platzierter Kommentar – selbst ein ironisch gemeinter – kann einen für Tage an der Umsetzung zweifeln lassen. Denk hier an die Menschen, die in der Vergangenheit mit solchen Kommentaren glänzten:

„Und warum machst Du das?“

„Ich wusste gar nicht, dass Dich so etwas interessiert.“

„Und wer soll das lesen?“

Oft sind diese Fragen und Kommentare so allgemein wie personenbezogen und vernachlässigen die eigentlichen Inhalte.

… sie ihre Verantwortung überall sehen

Vor einem Lektorat frage ich in der Regel, ob ich auf bestimmte Dinge gesondert achten soll. „Ja, alles irgendwie.“, ist dann in der Regel die Antwort. Das ist in Ordnung für denjenigen, der ein Lektorat sucht. Wenn Dein Lektor Dir „irgendwie alles“ anbietet, ist er wahrscheinlich nicht der beste Kandidat. Doch gehen wir davon aus, dass Du einen Leitfaden mitgegeben hast…

Manchmal hilft die beste „Anleitung“ nichts. Du hast jemanden gebeten, Korrektur zu lesen und dabei nur Satzbau und Zeichensetzung zu beachten. Vielleicht kümmern sich andere Personen um Inhalt und Stringenz oder Du bist nicht an dem Punkt, an dem andere Dinge relevant sind; das spielt gerade keine Rolle.

Wenn nun Dein „Grammatik-Korrektor“ das Dokument mit Kommentarblasen zur Wort- oder Themenwahl überschüttet, ist das weder hilfreich, noch gehst Du mit einem guten Gefühl aus der Korrektur heraus. Zudem mag die Person dennoch der Meinung sein, Dir einen besonderen Gefallen erwiesen zu haben. Dieses Problem lässt sich nicht wirklich vorhersehen, wenn Du mit der Person nicht vertraut bist. Entweder solltest Du also auf „bewährte“ Korrektoren aus Deiner Vergangenheit zurückgreifen oder aber nachjustieren, wenn solche Kandidaten auffallen. Unnötige Korrekturen bremsen eher aus als zu helfen. Du solltest sie Dir nicht aufdrängen lassen.

… sie ihre eigene Meinung zu sehr oder zu wenig einbringen

Nicht alles ist objektiv zu beurteilen; manchmal braucht es eine starke Meinung. Und für diese Fälle brauchst Du die Kritiker, die ihre Meinung kundtun können. Andere Dinge wiederum erfordern lediglich ein objektives Urteil. Bei grammatischen Fragen kann man wenig persönlichen Geschmack in die Diskussion einbringen.

Hier ist wieder gute Menschenkenntnis gefragt. Manche Freunde und Bekannte mögen sich unwohl fühlen, Dir gegenüber Kritik auszusprechen, andere können vielleicht gezielt und differenziert kritisieren. Auch solltest Du Dir die Frage stellen, an welchen Punkten Du auf keinen Fall von eigenen Vorstellungen abweichen willst.

Wenn ich vor dem Gespräch schon weiß, dass ich auf jeden Fall eine Schwarz-Weiß-Kamera für meine Fotoreihe benutzen möchte, bringt es wenig, wenn sich die Kritik auf den Vorteil von Farbfilmen richtet. Ausnahmen bestätigen hier die Regel, aber Du verstehst.

Stell Dir daher die Frage, in welchen Belangen Du auf anderer Leute Meinung Wert legst und wo Du vielleicht von ihrer Erwartungshaltung abweichen möchtest. Entscheide dann darüber, wessen Meinung hilfreich sein könnte.

… sie Dich persönlich nicht unterstützen

Dieser Punkt ist mal mehr, mal weniger relevant. Für eine Korrektur meiner Zeichensetzung reicht es aus, wenn diese objektiv und kommentarlos durchgeführt wird; es braucht keine großen Diskussionen. Gerade in den Phasen aber, in denen Du selbst noch unsicher bist, nicht ganz weiß, wohin die Reise geht oder was Du genau unter dem eigenen Thema versteht, ist eine persönliche Beziehung zum Kritiker oft unerlässlich.

Das heißt nicht in allen Fällen, dass die Kritik objektiv richtig ist. Es bedeutet lediglich, dass die anfängliche Hilfestellung durch Freunde oder Verwandte sicherstellen soll, dass eine Idee überhaupt umgesetzt wird. Später, wenn Du Deinen Rhythmus gefunden hast, kannst Du sogar einen ablehnenden Verleger verkraften (und verstehen, dass es nicht nur um Dich als Person geht).

… sie sich selbst nicht als Kritiker sehen

Die schlimmste Art von Kritikern ist die, die nur in Deinem Kopf kritisiert, ohne sich dessen selbst bewusst zu sein. Manchmal bist Du einfach nicht für Ironie aufgelegt oder deutest in Bemerkungen mehr hinein als sonst. Gerade dann, wenn Du Dich noch in besagter „Findephase“ aufhältst und selbst am eigenen Projekt zweifelst.

Jeder hat schlechte Tage, das ist ganz normal. Hast Du nun einen solchen erwischt, stehst Du gerne zweifelnd vor der Arbeit der letzten Tage und hast selten Gutes für sie übrig. „Was habe ich mir nur dabei gedacht?“ Wenn dann der beste Freund anruft und jubelnd berichtet, wie viel er heute geschafft hat und zudem noch den Schneid besitzt, zu fragen, wie es bei Dir so läuft… Der Tod jeder Motivation! Gerne liest Du dann einmal in harmlose Bemerkungen böse Absichten hinein.

Und dabei spielt es keine Rolle, ob der Freund Dich vielleicht jede Woche anruft und fragt, wie es Dir geht; es ist egal, dass Du an allen fünf Tagen zuvor Deinen selbstgesetzten „Soll“ erfüllt hast. Wichtig ist, Du bist heute unzufrieden und Dein sogenannter Freund stößt Dich noch mit der Nase drauf. Er möge im siebten Kreis der Hölle von verzweifelten Schreiberteufelchen auf ewig mit Bleistiften und Füllern gepiekt werden!

Bevor Du also gleich in die Defensive springst oder – noch schlimmer – den Fragenden angreifst, solltest Du einen Schritt zurücktreten und Dich fragen, worauf die Frage abzielt und warum Du selbst gerade Unmut verspürst. Dein Freund kann nicht wissen, dass Du heute in der Bibliothek einen schlechten Tag hattest, weil alle Bücher, für die Du angereist bist, entliehen waren. Er will vielleicht einfach nur fragen, wie es Dir geht. Und Deinen inneren Kreis solltest Du gut pflegen.

Wenn Dich also das nächste Mal die Wut über Dich selbst, Deine Unentschlossenheit, Unzufriedenheit oder über ein kleines Detail überkommt, reflektiere zuerst darüber. Niemand kennt Deine Arbeit so gut wie Du selbst. Das heißt aber leider auch, dass niemand so viele Schwächen Deiner Arbeit kennt. Und die Frage Deines Freundes muss nicht einmal konkret auf eine solche (empfundene) Schwäche abzielen; manchmal reicht eine ganz harmlose, allgemeine Frage.

Und wenn Du merkst, dass Dein Freund Dir gar nichts Böses will, Du aber immer noch Deine Klagen über die Pein in der Welt kundtun musst, wird er sicher auch dafür ein offenes Ohr haben; nur lass es nicht an ihm aus.

Wie Du selbst mit Kritik umgehen solltest

Vielen Menschen fällt es schwer, selbst konstruktive Kritik aufzunehmen. Sie identifizieren sich selbst so sehr mit ihrem Werk, ihrem Text, ihrer Arbeit, dass sie sich selbst unter Beschuss sehen. Dabei ist das in den meisten Fällen eine überzogene Reaktion. Eine gesunde Einstellung gegenüber Kritikern hilft Dir selbst bei der Verwirklichung Deiner Ideen weiter und schafft vielleicht sogar neue Kontakte.

Bedanke Dich immer! Das geht zunächst in vielen Fällen gegen das Bauchgefühl. Wenn Du es aber durchdenkst, ist es in allen Fällen auf unterschiedliche Weise angemessen. Es gibt konstruktive, destruktive und vielleicht noch sarkastische Kritiker, richtig?

Dass Du Dich bei den konstruktiven Kritikern bedankt, sollte selbstverständlich sein. Zunächst hat der Kritiker Dir und Deiner Arbeit Zeit gewidmet. Er hat Dir geholfen, Dich weiterzuentwickeln oder Dich an seinem gedanklichen Prozess teilhaben lassen. Zeige Dich dankbar und Du gewinnst unter Umständen einen Freund dazu, der Dir auch mal die Meinung sagen kann. Unbezahlbar.

Aber warum solltest Du destruktiven Kritikern danken? Nun, ihre Kritik ist vielleicht nicht so hilfreich, aber das ist – wie wir gesehen haben – nicht immer ihre Schuld. Manchmal schießen sie über das Ziel hinaus, manchmal hat man ihnen schlichtweg keine Anweisungen gegeben, manchmal kam die Kritik zum falschen Zeitpunkt. Dennoch hat auch dieser Mensch Dir und Deiner Arbeit Zeit gewidmet. Und wenn das Urteil persönlich motiviert war und Du Dich bedankst, fällt es beim nächsten Mal vielleicht schon positiv aus. Kharma lässt grüßen!

Schön und gut. Nur wieso um alles in der Welt sollte ich den Sadisten und sarkastischen Kritikern auch noch Gehör schenken? Nun, die Grenzen zwischen Ironie, Sarkasmus und Sadismus können hier fließend sein. Und nein, man muss sich nicht bedanken, wenn jemand verbal die eigene Arbeit zertrampelt hat.

Aber ganz gleich, ob die Kritik konstruktiv, destruktiv oder sogar sarkastisch motiviert ist, sie gibt dem Kritiker die Oberhand. Er hat zunächst das letzte Wort und seine Meinung folgt auf Deine. Wenn Du nun die Balance wieder umkehrst und angemessen reagierst, sitzt Du selbst wieder am Steuer und nimmst der Kritik etwas von ihrem Potential, Dich persönlich anzugreifen.

Warum greifen Redner Aussagen des Vorredners auf? Warum veröffentlichen Satire-Magazine die Hate-Mails, die sie erhalten? Es erlaubt ihnen, Stellung zu beziehen und den anderen ins richtige Licht zu rücken.

Keiner sagt dabei, dass man „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ geben soll. Wenn man einem bissigen Kritiker wie ein Kleinkind hinterherschreit, hilft das selten weiter. Allerdings kann es (auch dem Kritiker) nicht schaden, wenn man ein wenig Realität in die Gleichung bringt oder – wo angebracht – mit ein wenig Ironie zurückfeuert.

Halte Dich aber nicht ewig an den kleinsten Formulierungen eines Kommentars auf, den der Kritiker nach Minuten selbst vergessen hat. Versuche zu ermessen, ob Du der Kritik wirklich etwas entnehmen kannst oder ob sie einen wahren Kern hat. Vielleicht wird die Kritik so auch zur argumentativen Auseinandersetzung.

Bemühe Dich, nicht aggressiv zu reagieren und die Beweggründe hinter der Kritik zu erkennen. Ja, manche Menschen wollen Dich einfach nur angreifen. Aber einigen fehlt auch schlicht der besagte „Filter“. Sei also höflich, gewitzt, und nimm das aus der Interaktion mit, was Du für Dein Leben gebrauchen kannst. Den Rest lass da.

Das wären meine zwei Groschen zum Umgang mit Kritik. Wie gehst Du mit Kritikern um? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

Hi, ich bin Florian. Ex-Mediävist, Blogger, Copywriter, Autor. Viele Worte für ein und dasselbe. Auf meinem Blog und im E-Mail-Kurs teile ich Tipps zum Autorenleben, zu gutem Copywriting und dem Schreiben allgemein.

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