Romanautoren und Dramaturgen kennen das Problem: Welchen Namen soll mein Protagonist nur tragen?

Vielleicht möchtest Du aber auch in einer Broschüre oder Fallstudie nicht von „Max Mustermann“ sprechen oder eine konkrete Zielgruppe einbeziehen. Klingt das nach Dir? Dann hat Scrivener einer Lösung für Dich.

Namen können unseren Geschichten den letzten Schliff geben. Ob man seine Figur Schmidt oder Ibrahim nennt, spielt zwar unter Umständen eine untergeordnete Rolle für die eigentliche Handlung; man weckt aber andere Assoziationen bei verschiedenen Lesergruppen und sollte vorab gut recherchieren, welchen Ursprungs ein Name ist und in welchem Kontext er vielleicht schon benutzt wurde.

Nehmen wir an, du hast schon konkrete Vorstellungen zu deinem Protagonisten und suchst nun nach ein bisschen Inspiration oder lediglich nach einem Namen, der zu seinem Hintergrund und Charakter passt. Auftritt Scrivener.

In der Mac-Version bindet Scrivener zunächst die üblichen Recherchemöglichkeiten ein: Unter Bearbeiten – Schreibwerkzeuge findest Du…

  • die in macOS integrierte Spotlight-Suche
  • Wörterbuch und Thesaurus (ebenfalls unter macOS vorinstalliert)
  • Google-Suche
  • Wikipedia-Suche

Für die meisten Autoren allesamt sicher wichtige Werkzeuge. Darunter versteckt sich aber, ganz unscheinbar, der Namengenerator.

Was tut Scriveners Namengenerator?

Vielleicht hast du schon einmal auf Websites nach passenden Namen für eine Figur gesucht. Sieht man von einzelnen Ausnahmen wie Behind The Name, das sogar Biografien erstellt, oder dem mikronationalen Namensgenerator ab, richten sich diese eher an werdende Eltern als an Autoren. Durch Scriveners Namensgenerator gewinnt dieser Teil der Recherche eine andere Dimension und Du musst Namen nicht danach aussuchen, wie beliebt sie bei werdenden Mamas und Papas 2017 waren (Es sei denn, das ist genau das, wonach Du suchst).

Der Namengenerator tut genau das, was sein Name vermuten lässt: Er generiert nahmen, sogar listenweise. Dabei hast Du aber zahlreiche Einstellmöglichkeiten, um das Ergebnis an Deine Figur und Handlung anzupassen.

Zunächst kann man nach Geschlecht vorsortieren. Wer noch unentschlossen ist, kann auch beide aktiviert lassen. Das ist nebenbei bemerkt die Standardeinstellung. Dann folgen ein paar weitere Kriterien.

Scrivener kann Alliterationen erstellen. Die Funktion ist mit „Alliteration versuchen“ bescheiden benannt. Bei mehreren Testläufen selbst obskurer Namen (dazu unten mehr) hat man immer reichlich Auswahl.

Doppelnamen und Initialen für Vornamen sind weitere Einstellmöglichkeiten. Letztere wirkt eher überflüssig, Aber schön zu wissen, dass man sich nicht einmal um die Namenskürzung kümmern muss.

Wer will, kann seinen Figuren bis zu drei Vornamen geben. Diese Einschränkung ist natürlich nur dann als solche wahrnehmbar, solange Du wert auf Alliteration legst (zum Beispiel Steffen Sigiswald Agid Supplejack-Skunk – Original Scrivener-Resultat).

Beim dritten obskuren Vornamen scheint es aber – wie man sieht – selbst Scrivener zu blöd zu werden und das Programm fügt eine Ausnahme ein. Sind Dir Alliterationen nicht einmal wichtig, erstelle einfach mehr Namen (Zu dieser Option gleich mehr).

Für Vor- und Nachnamen kann man weitere Einschränkungen vergeben:

  • Vor-/Nachnamen festlegen
  • Vor-/Nachname beginnt mit
  • Vor-/Nachname endet mit
  • Vor-/Nachname enthält

Gerade für die Autoren, die gerne lautmalerische Namen suchen oder auf den Klang achten (Tipps zum harten oder weichen Klang eines Namens findest Du wieder beim Literaturjournal), ist die Funktion „Enthält“ toll. Als kleinen Test habe ich im Vornamen-Feld „ald“ vergeben und eine ganze Bandbreite erhalten, bei der die Buchstabenfolge an jeder erdenklichen Stelle steht: Sigiswald, Aldric, Harald, Waldemar.

Die tollsten Funktionen lässt Scrivener aber für den Schluss übrig:

Im Obskuritätswert kann man festlegen, wie ungewöhnlich der Name werden soll. Ohne zusätzliche Listen (s. u.) reicht es dabei vielleicht nicht für Fantasy-Figuren (für diese Fälle hat die Self-Publisher-Bibel einen Tipp, nämlich den Fantasy Name Generator), aber alltäglich kann man die Resultate sicher auch nicht nennen.

Literature & Latte (die Macher von Scrivener) weisen aber auch darauf hin, dass manche Listen per Definition obskur sind.

„Welche Listen?“, fragst Du?

Nun, hier kommt der letzte Schritt vor der Taufe deines Grafen Waldheri Luitger Lewis-Heyer: Scrivener verfügt über Namenslisten, durch deren Auswahl Du das Ergebnis weiter an Deine Figur und Handlung anpassen kannst.

Hier die vorinstallierten Listen (Mac-Version 2.8.1) (männliche und weibliche jeweils zusammengefasst, da gleichnamig):

  • Beliebte britische Nachnamen
  • Beliebte britische Namen (männlich/weiblich)
  • Beliebte US-amerikanische Namen (männlich/weiblich)
  • Beliebte Londoner Nachnamen
  • Deutsche Namen (männlich)
  • Hindi- und indische Namen (männlich/weiblich)
  • Italienische Namen (weiblich)
  • Japanische Namen (männlich/weiblich)
  • Katalanische Namen (männlich/weiblich)
  • Literarische Nachnamen
  • Mögliche Wörterbuch-Nachnamen
  • Polnische Nachnamen
  • Vornamen (männlich/weiblich)
  • Spanische Namen (männlich/weiblich)

Was die italienischen Männer verbrochen haben, um ausgeschlossen zu werden, weiß ich nicht. Vielleicht ein gebrochenes Programmiererinnenherz. Auch wirkt die Abgrenzung zwischen Vor- und Nachname nicht immer klar und einheitlich.

Letztlich aber kein Manko, dass die Nutzer wirklich einschränkt. Wenn Du nun einen Namen oder eine ganze Liste erstellen möchtest – vielleicht soll ja jeder Zauberer und Ritter in der epischen Schlacht um Papzorf namentlich erwähnt werden – wähle die passenden Listen, schiebe den Regler auf die gewünschte Anzahl (1-500) und klicke auf Namen generieren. Den unformatierten Text kannst du zeilenweise oder vollständig gleich herauskopieren.

Was, wenn die Listen in Scrivener nicht reichen?

Ich würde denken, dass viele Autoren mit den vorinstallierten Listen gut zurechtkommen. Aber gesetzt den Fall, Du suchst etwas Exotisches (oder willst einen italienischen Mann als Protagonisten…), dann hilft Dir die Gemeinschaft der Scrivener-Nutzer mit zahllosen Listen aus.

Mit einer kurzen Google-Suche konnte ich gleich mehrere Links zu Listen von Listen ausmachen (ich weiß, sehr meta).

Du findest afrikanische Namen, Cherokee, griechische, russische, französische und – Gott sei Dank – italienische Namen. Gräbt man ein bisschen tiefer, kann man sogar biblische Namen oder solche aus bestimmten Epochen ausmachen (zum Beispiel aus dem amerikanischen Bürgerkrieg).

Wenn Du selbst eine Liste erstellen und der Scrivener-Community zur Verfügung stellen willst, braucht es nicht mehr als eine CSV-Datei. Diese kannst du ganz leicht mit einem Tabellenkalkulationsprogrammen wie Excel oder Numbers erstellen. Die Namen musst Du lediglich durch Kommata getrennt (ohne Leerzeichen) hintereinander in die erste Zelle (A1) schreiben. Keine Formatierung. Achte darauf, dass männliche und weibliche Namen meist noch nach Liste getrennt werden und dass Scrivener Dich beim Import nach dem Geschlecht fragen wird.

Neue Listen fügst du dann in Scrivener nur über den Plus-Button unter der „Listen-Liste“ hinzu. Selbst wenn du also via Google oder anderweitig recherchiert, lässt sich das Ergebnis – vielleicht für spätere Projekte – schnell in Scrivener einbinden. Willst Du also beispielsweise Deinen Figuren einen mythologischen Anstrich geben, gib ihnen Vornamen aus der griechischen Mythologie (und teile gleichzeitig die Liste für andere). Achte aber drauf, dass Agamemnon Müller nicht mit demselben Pathos Reden schwingen wird wie der Namensvetter vor Troja. Mit dem Nachnamen kann man nichts machen…

Das wär’s! Ab heute ist ein fehlender Name des Protagonisten oder anderere Figuren keine Ausrede mehr für eine Schreibblockade; jedenfalls nicht für Dich!

Ich hoffe, der Beitrag hat Dir geholfen (und gefallen). Wenn Du noch weitere Ressourcen nutzt, um Figuren zu benennen oder Inspiration zu suchen, würde mich interessieren, welche das sind. Teil‘ mir einfach in den Kommentaren, auf Twitter oder per Email mit, wo Du Ideen findest!

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Für einen Monat möchte ich nämlich mehr darüber erfahren, wie die Art zu schreiben meine Texte und Arbeitsweise beeinflusst. Mehr dazu findest Du im ersten Beitrag zum „Analogen April“. Der April neigt sich langsam dem Ende und in gewisser Hinsicht bin ich froh darüber (wenn auch nicht aus den Gründen, die ich anfangs vermutet hätte).

Wenn Du gerne, viel oder sogar täglich von Hand schreibst, würde mich aber jetzt schon interessieren, in welchem Kontext! Vielleicht suchst Du auch nach Möglichkeiten, das Schreiben wieder stärker in Deinen Alltag einzubinden? Schreib‘ mir einfach auf Twitter oder per Email!

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