Ich habe mir reichlich Zeit gelassen, um mit allen Tasten, Schiebern und Reglern in Scrivener 3 herumzuspielen. Heute möchte ich Dir diejenigen neuen Funktionen vorstellen, in die ich mich schon jetzt verliebt habe. Bist Du noch unsicher, ob das Update auf die neue Version von Scrivener es wert ist? Dann hilft Dir dieser Beitrag bei der Entscheidung.

Eine Auswahl der neuen Funktionen in Scrivener 3

Offensichtlich kann ich in einem Blogpost nicht auf jedes Update eingehen, denn das Team von Literature & Latte hat wirklich ein großes Update herausgehauen. Deshalb möchte ich weniger auf die kleinen technischen Details eingehen. Dass Scrivener neue Epub-Formate unterstützt und am Kindle-Export schraubt, gehört fast zu den regelmäßigen Zyklen dazu. Mich interessieren dann mehr die größeren Änderungen an der Bedienoberfläche, mit der wir Autoren tagtäglich leben müssen.

Verbesserte Statistik

Statistik in Scrivener 3In Scrivener 3 steht Dir jetzt eine weit umfangreichere Projektstatistik zur Verfügung. Mit all den erfassten Werten macht sie beinahe Microsoft Word Konkurrenz. In Scrivener 2 orientierte sich die Statistik noch stark an der Textmenge allein. Gezählt hat das Programm damals Wörter, Zeichen und Seiten. Das kleine Einmaleins der Dokument-Statistik. Sonst konntest Du die Zählung nur durch die Auswahl eines Abschnitts oder durch das Mitzählen der Fußnoten beeinflussen.

Für einzelne Texte zeigte Dir Scrivener dann die Worthäufigkeit an. Hierzu analysierte die App Deinen gesamten Text und zeigte Dir diejenigen Wörter an, in die Du Dich – bewusst oder unbewusst – verliebt hast. Und mach Dir keine Illusionen: Wir alle kennen eine Vokabel oder zwei, die wir auf roten Rosen betten wollen. Eine nützliche Funktion also, um Füllwörter zu vermeiden.

Scrivener 3 zählt AbsätzeIn Scrivener 3 sind nun Projekt- und Textstatistik zusammengefasst. Das gestaltet die Anwendungsoberfläche zunächst übersichtlicher. Keine Grübelei darüber, wo nun welche Funktion zu finden ist. Zudem beinhaltet die Funktion mehr Informationen: Wo die Textstatistik früher lediglich die Absätze zählte, legt Scrivener 3 nach. Jetzt zählt die App nicht nur Absätze, sondern auch Sätze und bestimmt zudem für beide die durchschnittliche Länge.

Auch hier kommt Scrivener denjenigen Autoren entgegen, die ihren Schreibstil analysieren und verbessern wollen. Ob Du nun den Flesch-Lese-Index zurate ziehst oder Deine Wörter abzählst – mit lauter Schachtelsätzen tust Du Deinem Leser keinen Gefallen. Da ist es schön zu sehen, dass Scrivener hier hilft, vorzubeugen.

Weiterhin zählt Scrivener jetzt Deine Dokumente wie die Wörter in einzelnen Kapiteln. Zudem schätzt es die Anzahl der gedruckten Seiten sowie die Lesezeit ab. Solche Werte sind mir sonst von Medium geläufig. Es scheint also, als wolle Literature & Latte auch die Bedürfnisse der Blogger in solch kleinen Details stärker berücksichtigen.

Anders als in Scrivener 2 kannst Du jetzt festlegen, ob Du gerne eine genaue oder eine geschätzte Statistik bevorzugst. Das mag für diejenigen wichtig sein, die häufig mit der Funktion arbeiten wollen, aber noch einen älteren Rechner gebrauchen, der die Rechenleistung nicht für Schi Schi erübrigen kann.

Wörter ignorierenEine weitere Neuerung, welche die Statistik um Welten nach vorne bringt, ist das Ausschließen bestimmter Wörter aus der Zählung. Ich weiß nicht, ob Du ein Feind der Relativpronomen oder Artikel bist. Meines Erachtens sind das hilfreiche Kameraden. Daher liegt mir wenig daran, sie in jedem meiner Projekte wie Kichererbsen abzuzählen. In Scrivener 3 erstellst Du für diese Fälle eine stetig wachsende Liste. Das Programm schließt diese von der Zählung in allen Projekten aus. Sei bei der Auswahl also vorsichtig; danach profitierst Du von aussagekräftigen Ergebnissen in Deiner Projektstatistik.

Die Statistik ist insgesamt übersichtlicher und vielfältiger als vorher. Dabei berücksichtigt das Programm die Bedürfnisse von Lektoren genauso wie die von Indie-Autoren.

Benutzerdefinierte Metadaten

Metadaten waren schon immer eine der besten Funktionen, um den Überblick über Dein Buchprojekt zu behalten. Bislang hattest Du allerdings nur die Möglichkeit, die bestehenden Kategorien umzubenennen oder innerhalb der vorhandenen Liste weitere Label hinzuzufügen. Wenn das schon nützlich war, passt sich Scrivener 3 hier weiter Deinen individuellen Bedürfnissen an.

Denn jetzt hast Du die Möglichkeit, mehrere Gruppierungen von Metadaten anzulegen, die Du allesamt selbst definierst. Und das nicht nur in ihrem Inhalt, sondern auch im Layout. Du bestimmst, ob Du eine Liste, ein Datum, Text oder Kästchen bevorzugst.

Und wozu ist das jetzt gut?

Metadaten als Freitext

Metadaten als Freitext in Scrivener 3Schauen wir uns zunächst Metadaten als Freitext an. Diese Option ist nützlich, wenn Du Informationen hinzufügst, die im Einzelfall zum Hintergrund beitragen, sich aber nicht wortwörtlich wiederholen.

Nehmen wir an, Du schreibst ein Sachbuch über die Einsatzmöglichkeiten von Holzwerkzeugen. In dem Zuge gehst Du darauf ein, welche Einsatzszenarien ein Beitel hat.

Mal schält er, mal spaltet er, mal brauchst Du ihn, um ein Loch auszuschaben. Wenn Du später diese Methoden erfassen möchtest, um beim nächsten Werkzeug auf den Beitel zurückweisen zu können, hilft es, diese als Freitext zu erfassen.

Auch könntest Du Platzhalter erstellen, die Dir später erlauben, aus diesen Informationen ein Register für den Überblick zu erstellen. Unter „Ausschaben“ könntest Du dann den Beitel genauso listen wie Deine anderen Werkzeuge, ohne Dir die Inhalte aller Kapitel samt Details einzuprägen.

Metadaten als Kästchen

Metadaten als Kästchen in Scrivener 3Wenn Du schon größere Projekte mit Scrivener bewältigt hast oder Deine Blogposts regelmäßig in Scrivener schreibst, wirst Du die Metadaten sicher für Deine verschiedenen Arbeitsschritte eingesetzt haben.

Kästchen sind für dieses Szenario die offensichtliche Wahl. Du kannst beispielsweise die jeweiligen Phasen vom Erstentwurf über die Rechtschreibprüfung bis hin zum Layout für verschiedene Kapitel als Metadaten festhalten.

Wenn Du Scrivener für Deinen Blog nutzt, willst Du sicher festhalten, welche Artikel veröffentlicht sind oder welche Du noch einmal überarbeiten musst.

Und manchmal tut es auch einfach gut, etwas abzuhaken.

Metadaten als Liste

Metadaten als Liste in Scrivener 3Die Liste kannst Du für ähnliche Zwecke einsetzen wie Kästchen. Nur, dass Du hier eben nicht einen Status abhakst, sondern den Status aus einer Auswahl bestimmst. So gestaltet sich die Auswahl übersichtlicher. Je komplexer Deine Projekte werden, desto mehr Arbeitsschritte machen sie erforderlich. Da kommt Dir die Liste gelegen.

Ich selbst nutze die Liste für meine Blogposts genauso wie für langfristige Projekte. Meine Blogbeiträge beispielsweise durchlaufen folgende Arbeitsphasen:

  • Erstentwurf
  • Rechtschreibprüfung
  • Lesbarkeit & Stil
  • Bilder, Videos, Infografiken einbinden
  • Hyperlinks setzen
  • Abschließendes Layout

Bei umfassenden Projekten habe ich manchmal eine übergeordnete Rolllade mit den groben Arbeitsschritten. Darunter benenne ich wieder andere Rollladen und Kästchen nach den einzelnen Unterpunkten.

Wenn ich im obigen Beispiel also die Rechtschreibung überprüfe, könnte ich Kästchen für Kommasetzung oder dergleichen einsetzen. Irgendwann wird’s natürlich zu viel des Guten, aber Du verstehst. Lass Deine eigenen Zwangsneurosen bestimmen, wie viel Ordnungswahn Du in Deine Projekte einbringen musst. Klau mir gerne den Ablauf oder entwickle Deinen eigenen; viel brauchst Du dafür ja nicht.

Metadaten als Datum / Zeitangabe

Metadaten als Datum in Scrivener 3Diese Funktion bedient für Dich zweierlei Zwecke. Zunächst hilft sie Dir bei Romanprojekten, den Überblick über Deine Zeitangaben und Handlungsstränge zu bewahren. Nie wieder überlegen, wann in Deiner Handlung die Bombe geplatzt ist.

Und wenn Du den Schritt in die reale Welt geschafft hast, wirst Du noch ein Datum im Auge behalten müssen. Rate mal. Richtig. Deine Abgabefristen oder Dein geplantes Veröffentlichungsdatum. Eine weitere Funktion, von der Blogger profitieren können. Aber auch für Indie-Autoren oder Studenten wird es hilfreich sein, vereinbarte Fristen zu beachten.

Genauso könntest Du aber Deinen gesamten Launch eines Kurses oder E-Books samt Social-Media-Kampagnen innerhalb von Scrivener planen. Das natürlich nur, sofern Du der Typ bist, der gerne alle Informationen an einem Ort aufbewahrt.

Wie Du siehst, lassen sich Metadaten für die verschiedensten Szenarien einsetzen. Am besten überlegst Du Dir ein paar Punkte, nach denen Du Deine Arbeit organisieren und einteilen möchtest und spielst mit den verschiedenen Layouts herum.

Schnellsuche in Scrivener 3

Wenn ich zurückdenke an die Tage meines ersten Computers, leuchten Erinnerungen an liebevoll arrangierte Ordner vor meinem geistigen Auge auf. All die Arbeit, die ich damals in die Ordnung meiner Dateien investiert habe! Und dann kamen Apple, Microsoft & Co. auf einmal mit diesen Suchfunktionen um die Ecke. Plötzlich sollte es egal sein, wo die Datei ist. Tss. Was wusste denn dieser Bill Gates schon über meine Dateien? Nun ja, wenn es Dir so ging wie mir, hast Du Dich mehr als schnell an die Suchfunktion gewöhnt und kannst heute auch nicht mehr ohne sie leben. Ähnlich wird es Dir in Scrivener mit der Schnellsuche gehen.

Schnellsuche in Scrivener 3Diese Funktion wirst Du anfangs eher selten nutzen. Wenn Du Dich aber einmal daran gewöhnt hast, wird sie sicher zu einem großen Teil Deiner Arbeitsabläufe in Scrivener.

Nehmen wir an, Du möchtest mal schnell eine Suche durchführen, dafür aber nicht erst die Mappe durchwühlen. Dafür steht Dir jetzt neben der normalen Suchfunktion die Schnellsuche zur Verfügung.

Bestimmt ist Dir aufgefallen, dass sich in Scrivener 3 über Deinen Formatangaben ein kleiner Balken mit dem Titel Deines aktuellen Projekts findet. Zunächst zeigt er den Fortschritt auf dem Weg zu Deinem täglichen Ziel an, sofern Du Dir eins setzt.

Wenn Du den Cursor über das Feld hältst, wechselt die Anzeige zu Deinem Wordcount. Das ist gerade dann nützlich, wenn Du diesen am unteren Fensterrand ausblendest. Minimalisten an die Front!

Gleichzeitig befindet sich hier aber die Schnellsuche.

Um diese zu nutzen, klickst Du in die Leiste wie in die Adressleiste im Browser. Die Schnellsuche listet Dir exakte Treffer aus Deinen Titeln, aus Kurzfassungen und Deinen Texten.

Nehmen wir an, Du steckst mitten in Deinem Romanprojekt. Dein Protagonist hat vor einigen Kapiteln ein Amulett gefunden. Der lateinischen Inschrift, die er auf der Rückseite fand, verdankt sich die weitere Handlung bis zu diesem Punkt. Nun möchtest Du gerne auf die Szene zurückverweisen. Vielleicht hat Dein Protagonist nicht bemerkt, dass ihn jemand beobachtet oder er versteht jetzt erst wirklich die Aussage der Inschrift. Du weißt aber nicht mehr, in welchem Kapitel sich das Ganze abspielt.

Auftritt Schnellsuche. Du klickst in die Suchleiste, gibst „Amulett“ oder „Inschrift“ ein und schon liefert die Suche Dir Deine Ergebnisse.

Schnellsuche in Scrivener 3Und jetzt das Beste: Natürlich möchtest Du ungern aus Deinem aktuellen Kapitel herausgerissen werden; schließlich wolltest Du nur kurz nachschlagen, was auf dem Amulett steht. In dem Fall drückst Du beim Klicken auf das Suchergebnis Shift oder die Alt-Taste. Dadurch öffnest Du das zweite Dokument in einem separaten Fenster oder trennst Dein Fenster in zwei Hälften. Nachdem Du nun weißt, was auf dem Amulett steht, gehst Du zurück in die Standardansicht.

Das gestaltet die Suche in Scrivener wesentlich effizienter. Du bleibst auf Deinen aktuellen Text konzentriert und kannst die Suche trotzdem für den Überblick über das große Ganze einsetzen.

Sprachlicher Schwerpunkt

Sprachlicher Schwerpunkt in Scrivener 3In einem früheren Beitrag habe ich Lobeshymnen auf Scriveners Namengenerator und die anderen Schreibwerkzeuge angestimmt. Lalelu, tandaradei! Diese haben in Scrivener 3 Zuwachs bekommen, den sprachlichen Schwerpunkt.

Dieses kleine Werkzeug wird Dir erlauben, Deinen Text während der Überarbeitung mit ganz anderen Augen zu sehen. Denn durch diese Funktion sortiert Scrivener Deinen Text vor und markiert die von Dir ausgewählten Wortarten oder alle Passagen wörtlicher Rede.

Wenn Du also die Dialoge Deines Dramas aufpeppen möchtest oder gerne wüsstest, von welchen Adverbien Du einfach nicht die Finger lässt, klick Dich einmal durch die Kategorien. Mit einem Regler bestimmst Du dabei, wie stark Scrivener den restlichen Text ausblendet.

Mir fällt spontan kein Ablauf ein, in dem es hilfreich wäre, den restlichen Text komplett auszublenden, aber hey, es ist möglich. Vielleicht willst Du spontan aus Deinem Romanskript abstrakte Poesie machen, die nur aus Präpositionen besteht.

Filtern kannst Du nach folgenden Kriterien:

  • Direkte Rede
  • Nomen
  • Pronomen
  • Verben
  • Adjektive
  • Adverbien
  • Präpositionen
  • Konjunktionen

Der Fokus auf die direkte Rede ist offensichtlich für die Autoren von Dramen, Romanen oder Drehbüchern interessant. Wenn Du an Deinem Stil feilen möchtest und starke Nomen oder Adjektive einsetzen oder überflüssige Adverbien streichen möchtest, hilft die Funktion beim Kürzen.

Damit liefert Scrivener hier noch keine Vorschläge wie es manche Web-App tut, aber immerhin haben wir tiefere Einblicke in unsere Texte als vorher. Vielleicht wird Scrivener 4 ja dann zum weisen Texter-Sensei, der Dich auffordert, Attribute zu streichen. „Kürzer ausdrücken Du Dich musst.“

Ich hoffe, dieser knappe Einblick in eine Auswahl der Neuerungen von Scrivener 3 helfen Dir dabei, Dich für oder gegen das Update zu entscheiden. Wenn Du eine Minute erübrigen kannst, lass mich doch wissen, wie sie ausgefallen ist und was den Ausschlag gegeben hat!

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