Scriveners große Stärke ist sicherlich sein Fokus auf die Arbeitsoberfläche und Textverarbeitung anstatt auf Layout und Design wie manch anderem Schreibprogramm. Nachdem ich im letzten Beitrag die Anwendungsoberflächen von Microsoft Word und Scrivener miteinander verglichen habe, möchte ich in diesem Tutorial auf die Projektvorlagen von Scrivener eingehen.

Vorlagen in Scrivener

Wie MS Word, dessen Bedienoberfläche ich schon einmal mit Scriveners verglichen habe, oder auch Apples Pages liefert Scrivener dem Anwender neben der Option des leeren Dokuments, auf das ich zum Schluss kurz eingehe, einige Vorlagen, um den Einstieg in das nächste Projekt zu erleichtern.

Diese sind zunächst eingeteilt in…

  • Fiktion
  • Sachbuch
  • Drehbücher
  • Gedichte & Lyrik und
  • Verschiedenes

Jede Kategorie bis auf „Gedichte & Lyrik“ enthält mehrere Vorlagen.

Die Kategorie „Fiktion“ scheint zwar zunächst mit drei Vorlagen im Schreibprogramm spärlich aufgestellt zu sein, erfüllt aber zusammen mit „Gedichte & Lyrik“ fast alle Bedürfnisse des Autors, der sich den „belles lettres“ widmen möchte.

 Projektvorlagen in Scrivener für Fiktion

Hauptsächlich ein Schreibprogramm für Fiktion

In der Kategorie „Fiktion“ finden sich Vorlagen für…

  • Kurzgeschichten
  • Romane und
  • Romanen (mit Teilen)

Die Vorlagen „Kurzgeschichte“, „Roman“ und „Roman (mit Teilen)“ sind einander sehr ähnlich. Alle sollen dem Autoren das Einreichen eines Manuskripts im Standardformat bei Verlagen erleichtern.

Bei den umfangreicheren Romanvorlagen wird sogar die Publikation als Ebook oder Paperback bedacht.

Alle Vorlagen für Fiktion enthalten aber Skizzenblätter für Figuren und Kulissen, sodass man schon vor dem Schreiben Ideen ausarbeiten kann.

Wie sämtliche Dokumentvorlagen enthalten auch diese Hinweise dazu, wie man am besten mit der Vorlage umgeht, um effizient arbeiten zu können. Diese knappe Anleitung ist allerdings auf Englisch verfasst.

Gleiches gilt für die Beispielromane und -kurzgeschichten, die vor Augen führen, wie das eingereichte Manuskript später aussehen könnte, während sie (wieder auf Englisch) einige Funktionen zu Schriftsatz und Dateiexport erläutern.

Scrivener-Vorlagen „Sachbuch“

Die Kategorie „Sachbuch“ ist zunächst etwas irreführend. Sie enthält zwar eine Vorlage für Sachbücher inklusive der üblichen Reiter für Ideensammlung, Notizen und Forschung; allerdings findet man dort auch die Vorlagen für wissenschaftliches Schreiben.

 Projektvorlagen in Scrivener für Sachbücher

Die Sachbuchvorlagen umfassen…

  • Allgemeines Sachbuch
  • Arbeit (APA)
  • Arbeit (MLA)
  • Essay (Chicago-Stil)
  • Essay im Grundstudium der Geisteswissenschaften
  • Recherchevorschlag sowie
  • Sachbuch (mit Unterrubriken)

Diese richten sich hauptsächlich nach internationalen Standards wissenschaftlicher Praxis aus: Das Format der American Psychological Association (APA) darf wohl als genauso verbreitet gelten wie die Formatvorgaben nach MLA und Chicago. Der geisteswissenschaftliche Essay folgt einem undefinierten britischen Standard, der einigen deutschen Zitierweisen jedoch recht ähnlich zu sein scheint. Weiterhin gibt es eine Vorlage für Recherchevorschläge – etwa im Rahmen von Dissertationen – und wie bei den Romanen eine umfangreichere Sachbuchvorlage.

Scriveners Drehbuchvorlagen

Die Drehbuchvorlagen sind ebenfalls recht stark am anglophonen Raum ausgerichtet, wobei der Unterschied zu deutschen Formaten vermutlich nur im Detail versteckt liegt, sodass sie ohne weiteres gleich einsatzbereit sind.

 Projektvorlagen in Scrivener für Drehbücher

Der Drehbuchautor kann mit folgenden Vorlagen arbeiten:

  • Aufgezeichnetes Drama der BBC
  • BBC Radio-Szenenstil
  • Comic-Skript
  • Dokumentationsskript
  • Drehbuch
  • Theaterstück (UK)
  • Theaterstück (USA)

Die ersten beiden Vorlagen orientieren sich an üblichen Fernseh- und Radioformaten der BBC. Zwar zeichnen die drei dramaturgischen Vorlagen die übliche Praxis an englischen und amerikanischen Theatern sowie in Hollywood nach; allerdings dürften sie auch im deutschsprachigen Raum Anwendung finden.

Eine letzte Vorlage für Dokumentationen liefert eine tabellarische Übersicht über Videoinformationen, Zeitangaben und Audiovorgaben.

Eine Vorlage für Lyrik

Die einzelne Vorlage für „Gedichte & Lyrik“ schließlich ist im Prinzip recht schlicht gehalten. Hier haben sich die Programmierer weniger auf Ordner für das Sammeln von Ideen konzentriert. Vielmehr soll der Autor eine leere Seite vorfinden.

Zudem sind das Lineal und die Zeilen- bzw. Verszählung standardmäßig aktiviert, was sicherlich zweckdienlich ist, wenn man druckreife Dokumente exportieren möchte.

 Projektvorlagen in Scrivener für Verschiedenes

„Verschiedenes“ nicht vergessen!

In „Verschiedenes“ verstecken sich…

  • Rezeptsammlungen sowie
  • Überzeugende Vorträge

In der „Rezeptsammlung“ werden Farbkodierungen und Schlagwörter (Tags), die in anderen Projekten beispielsweise für einzelne Arbeitsschritte reserviert werden (Erstentwurf, Zweite Korrektur, Endfassung, etc.), für die Zeiten eingesetzt, die ein Rezept in Anspruch nehmen mag.

So kann man Rezepte nach der benötigten Zubereitungszeit vorsortieren. In der zweiten Kategorieleiste verbergen sich Sternbewertungen und die Kategorie „untried“ für Rezepte, die man noch ausprobieren will.

Wer die Vorlage für „überzeugende Vorträge“ gebraucht, findet die fünf Schritte des Universitätsprofessors Alan H. Monroe für eine „Motivated Sequence“ vor.

Im Wesentlichen besteht diese aus

  • Aufmerksamkeit (Attention)
  • Bedürfnis (Need)
  • Befriedigung (Satisfaction)
  • Visualisierung (Visualization)
  • Handlung (Action)

Sicherlich ließen sich weitere nützliche Vorgaben für eine „überzeugende Rede“ finden; Monroes Hinweise können aber sicherlich nicht schaden.

Wie man sieht, haben die Entwickler bei Literature & Latte an die verschiedensten Einsatzszenarien gedacht. Was aber tun, wenn für das eigene Dokument mal keine Vorlage dabei ist?

In dem Fall bleibt die Vorlage Leer, zu der ich auch noch ein paar Worte verlieren möchte.

Die Vorlage „Leer“

Zwar besteht die leere Vorlage – logisch – aus fast nichts; schließlich ist sie leer. Allerdings stehen dem Autor damit auch alle Gestaltungsmöglichkeiten offen. Das ist zwar auch in den anderen Vorlagen der Fall, aber vielleicht schränkt es Euch ja in Eurer Denk- und Arbeitsweise ein, wenn Ihr zu viele Vorgaben vorfindet.

Alle neuen Texte können mit Label, Status und (visuellem) Symbol versehen werden. Und hier findet man auch Vorgaben, allerdings lassen sich diese auch nach eigenem Ermessen bearbeiten, selbst wenn man eine Kategorie „Hatznschnurzl“ nennen möchte.

Wer nur mit Farbkodierungen arbeitet, findet bereits verschiedenfarbige Bücher-, Fähnchen-, Kästchen- und Notizblock-Icons vor. Daneben gibt es natürlich noch vielsagendere Symbole wie Warnzeichen oder Glühbirnen.

Und schließlich gibt Scrivener dem Endnutzer die Möglichkeit, die sonst kein Programm bietet, nämlich eigene Icons, Label und Kategorien zu definieren. Wenn Du also absolute Individualität willst und partout nur in Deinen eigenen Begriffen denken kannst, besteht auch die Möglichkeit, diese in der Anwendungsoberfläche einzupflegen, und das sogar sehr einfach und schnell.

Kurz und gut: Ganz gleich, welche kreativen Anforderungen – oder vielleicht auch der Firma eigene Begriffe – man berücksichtigen muss, Scrivener bietet zumindest die Möglichkeit, diese in der Anwendungsoberfläche widerzuspiegeln.

Natürlich muss jeder für sich entscheiden, ob er dieses Ausmaß von Anpassungsfähigkeit überhaupt von einem Schreibprogramm erwartet. Mancher Nutzer möchte auch einfach nur die Vorgaben eines Programms nutzen und findet sich mit dem einen oder anderen empfundenen Makel über die Dauer ab.

Wenn Du aber die Art von Anwender bist, die aus dem grünen Fähnchen-Symbol gerne ein blaues Buch macht und statt der Entwürfe lieber die Lesegeschwindigkeit in Kategorien festhält (vielleicht für eine Videoreihe oder ein Hörbuch), dann ist Scrivener für Dich das Schreibprogramm der Wahl!

Zudem gibt es auch tolle Websites, deren Betreiber schon weitere Vorlagen für Scrivener erstellt haben. Wenn Deine Wunschvorlage also lediglich nicht im Schreibprogramm enthalten ist, google einfach mal nach „scrivener templates“ oder eben „scrivener vorlagen“ oder schau‘ auf Seiten wie HowToScrivener oder (auf deutsch) bei der KnowHowLounge vorbei.

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