Als Lektor hört man im Vorgespräch die seltsamsten Fragen: „Ist denn so ein Lektorat bei meiner Abschlussarbeit überhaupt erlaubt?“ oder „Bei Hausarbeiten habe ich schon ein Korrektorat genutzt. Ist das bei einer Bachelorarbeit legal?“.

Häufig hatte ich eher das Gefühl, Drogen zu verkaufen als Lektorate anzubieten. Mancher Student befürchtet aus Unsicherheit, die Prüfungsordnung zu missachten oder sogar Gesetze zu brechen, wenn er seine Bachelorarbeit Korrektur lesen lässt. Heute möchte ich mit diesen Vorstellungen aufräumen.

Vorab sollte ich eines erwähnen: Ich bin kein Jurist. Mein Kontakt zu Plagiaten und Täuschungsversuchen kam im Kontext der universitären Lehre zustande. Wenn Du Dich über die juristischen Konsequenzen eines eventuellen Täuschungsversuchs informieren möchtest, solltest Du zusätzlich einen Juristen konsultieren.

Fürs erste sollten wir die Leistungen eines Korrektorats oder Lektorats von anderen „Leistungen“ und Situationen abgrenzen. Wenn Du eine Abschlussarbeit schreibst, können folgende Umstände zu gesetzlichen oder universitätsinternen Konsequenzen wie Exmatrikulation führen:

  • Plagiate
  • Nicht zugelassene Hilfsmittel
  • Fehlerhafte oder nicht markierte Zitate
  • Wiederverwendung von Texten aus vorherigen Prüfungsleistungen
  • Ghostwriting

Gehen wir sie der Reihe nach durch, um sicher zu sein, dass keine Missverständnisse entstehen.

Was ist ein Plagiat?

Im Netz findest Du zahlreiche Definitionen von Plagiaten. Die HTW Berlin erwähnt eine Checkliste von Teddi Fishman. Meine Alma Mater, die RWTH, verweist auf eine Resolution des Deutschen Hochschulverbandes. Die Uni Duisburg-Essen geht sowohl auf wörtliche Übernahmen ein als auf verschiedene formale Abstufungen, etwa Zitats- und Übersetzungsplagiate.

Im Kern all dieser Definitionen steht die Idee des geistigen Eigentums, der wörtlichen Formulierung und deren unmarkierter Übernahme.

Tatsächlich hat man mir Fragen gestellt, die vermuten lassen, dass die Grenze auf viele schwammig wirkt. Gerade für Studienanfänger herrscht Unsicherheit. Deshalb unterstelle ich jetzt einfach, dass Du Dich informieren möchtest, um „unbeabsichtigte Plagiate“ zu vermeiden.

Deine eidesstattliche Erklärung

Zunächst zu den simplen Beispielen.

Im Normalfall wird Deine Universität verlangen, dass Du Deiner Abschlussarbeit eine eidesstattliche Erklärung beilegst. In dieser versicherst Du, dass Du fremde Quellen adäquat kenntlich gemacht hast und Dir der Konsequenzen eines Plagiats und anderer Fehlverhalten bewusst bist.

Viele Institute liefern für diesen Anhang eine Vorlage, in der konkrete Konsequenzen wie Exmatrikulation oder Geldstrafen erwähnt werden.

Plagiatsarten

Kommen wir zum konkreten Einzelfall. Angenommen, Du bist Dir nicht sicher. Wann plagiierst Du wirklich?

Das Offensichtliche: Kopieren und Einfügen

Wenn Du Textpassagen anderer Autoren via Copy & Paste in Dein Dokument übernimmst, ohne sie als Zitat mit Anführungszeichen und Literaturangabe kenntlich zu machen, gilt das in der Regel als Plagiat. Das ist der eindeutige Fall. Der technische Vorgang des Kopierens ist weniger relevant. Auch abgetippt ist plagiiert.

Und was, wenn Du „vergessen“ hast, Deine Zitate kenntlich zu machen? Es ist schon vorgekommen, dass Prüfer und Kommissionen in solchen Fällen Verständnis gezeigt haben. Verlassen würde ich mich darauf nicht. Achte lieber von vornherein auf eine saubere Zitierweise und Methodik, damit Du vor allem selbst nachvollziehen kannst, warum Dein Dokument aussieht wie es aussieht.

Sobald Du wörtlich oder umschreibend den Inhalt einer Quelle übernimmst, solltest Du eine Quellenangabe einfügen.

Umschreibungen

Gleiches gilt, wenn Du fremde Ideen umschreibst oder umformulierst. Ein Plagiat wird nicht zur Eigenleistung, weil Du „sagen“ durch „sprechen“ ersetzt hast. Deshalb weisen viele Prüfungsordnungen auf die geistige Eigenleistung hin.

Wenn der Prüfer erkennt, dass Du einen ganzen Gedankengang übernommen hast, wird er ein ernstes Wort mit Dir sprechen wollen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du Kapitelfolgen, Thesen oder ganze Theorien übernimmst.

Natürlich ist es kompliziert, eine eigene Theorie auszuarbeiten, die sich von anderen abgrenzt. Genauso schwer ist es, den Nachweis für unmarkierte Übernahmen theoretischer Äußerungen zu erbringen. Ein guter Prüfer wird sie aber erkennen und entsprechende Schritte einleiten.

Wenn Du Dir unsicher bist, ob Deine inhaltliche Eigenleistung klar genug von fremden Thesen abgegrenzt ist, frag vorher nach. Ein Lektor kann Dir helfen, diese Probleme erfolgreich zu umschiffen. Im günstigsten Fall ist er mit Deinem Fachgebiet vertraut.

Übersetzungs- & Zitatsplagiate

Wenn die Texte in einer anderen Sprache vorliegen, gilt die Übersetzung nicht als Eigenleistung. Solltest Du einen Primärtext als Teil Deiner Arbeit übersetzend edieren und auf die Quelle verweisen, kein Problem. Übernimmst Du die Theorie eines Forschers aus den USA und übersetzt sie ins Deutsche, rote Flagge.

Selbst, wenn Du ein Zitat aus einer Sekundärquelle übernimmst, ohne auf sie zu verweisen, kann es zu Problemen kommen.

Deinem Lektor wird es unter Umständen schwer fallen, Zitats- oder Übersetzungsplagiate zu finden. Beide Plagiatsarten bestehen selten aus wortwörtlichen Übernahmen und sind daher maschinell nicht feststellbar.

Wenn Du bei einer Quellenangabe besorgt bist, frag Deinen Lektor (oder einen Kommilitonen) am besten, ob er zusätzlich einen Blick auf die Quelle werfen kann. So ergibt sich schnell ein klares Bild und Du kannst Probleme vermeiden.

Nicht zugelassene Hilfsmittel

Welche Hilfsmittel als zugelassen gelten, ist in der Prüfungs- oder Studienordnung Deines Instituts geregelt. Meist erwähnen diese Ordnungen als Beispiele Klausuren oder mündliche Prüfungen. Das liegt daran, dass das in der Prüfungssituation abrufbare Wissen in diesen Prüfungsformen relevanter ist als bei Hausarbeiten.

Auch bei Hausarbeiten oder Abschlussarbeiten mag es vorkommen, dass Hilfsmittel tabu sind. Manche Institute untersagen das Verwenden von Quellen, deren Autor nicht klar identifizierbar ist (was die Verwendung von Online-Quellen oder Wikipedia einschränkt).

Andere Prüfungsordnungen verlangen nur, dass technische Hilfsmittel wie Online-Datenbanken als Zitate angegeben werden.

Unter anderem dient der Begriff des „Hilfsmittels“ der Absicherung, dass nicht nur die Übernahme aus Büchern als Plagiat klassifiziert wird. Wenn Du Text aus einem Online-Wörterbuch kopierst oder abschreibst, ist das genauso problematisch.

Wenn Du Dir im Einzelfall unsicher bist, frag Deinen Lektor oder Prüfer. Einer der beiden wird wissen, wann die Grenze überschritten ist.

Fehlerhafte oder nicht markierte Zitate

Vorher bin ich darauf eingegangen, dass einfaches Kopieren und Einfügen das offensichtlichste Plagiat darstellt. Daneben gibt es noch eine weite Grauzone.

Hast Du die schließenden Gänsefüßchen vergessen oder das Zitat als solches markiert, aber die Fußnote verbummelt, ist das ärgerlich.

Viele Prüfer werden in dem Fall Punkte für schlechte Methodik abziehen und nicht von einem Plagiat ausgehen. Man sieht ja, dass Du zitieren wolltest.

Ähnlich sieht es aus, wenn Dein Zitattext in der Formulierung von der Quelle abweicht.

Anders stellt sich der Fall dar, wenn Du weder Anführungszeichen noch Fußnote verwendet hast. Sofern Du ansonsten gründlich gearbeitet hast und Deine Arbeit überzeugt, kann der Prüfer mit viel gutem Willen von einem einmaligen Fehler ausgehen. Das Urteil darüber, ob er als Plagiat gewertet wird, obliegt dann seinem persönlichen Urteil bzw. dem der Prüfungskommission.

Wahrscheinlich wird Dein Prüfer in diesem Fall ohnehin das persönliche Gespräch suchen oder Dich zumindest informieren. Wenn nicht, solltest Du Dich um ein Gespräch bemühen.

Wie die meisten Plagiate kannst Du dieses umgehen, indem Du sofort festhältst, woher die einzelnen Passagen Deines Textes stammen.

Wiederverwendung von Texten aus vorherigen Prüfungsleistungen

Bei der Wiederverwendung von Texten aus Deinen älteren Hausarbeiten ist die Sachlage komplizierter. Auf jeden Fall solltest Du Deine Prüfungsordnung zu diesem Punkt konsultieren und Deinen Prüfer oder Fachstudienberater nach den Vorgaben fragen.

In den meisten Fällen gilt die Wiederverwendung bereits erbrachter Prüfungsleistungen als Täuschungsversuch. Daher führt sie in der Regel wie das Plagiat dazu, dass der Prüfling nicht besteht. Das setzt allerdings voraus, dass die Wiederverwendung ohne Kenntnis des Prüfers vonstatten geht.

Deshalb gibt es an manchen Instituten eine Ausnahme: Nehmen wir an, Du hast Deine Masterarbeit bestanden. Nun möchtest Du in demselben Forschungsgebiet bleiben und Deine These im Rahmen einer Dissertation ausarbeiten. Unter diesen Umständen kann es in Ordnung sein, Deine Texte wiederzuverwenden. Allerdings würde das Ganze vorab dokumentiert werden, damit Deine neue Eigenleistung klar erkennbar ist.

Frag vorher nach, ob es möglich ist, Deine alten Texte auszuarbeiten. Deine Prüfer und Fachstudienberater können Dir sicher weiterhelfen.

Ghostwriting

Die Königsdisziplin des Täuschungsversuchs. In verschiedenen Portalen findet man Horden von Textern oder selbsternannten Wissenschaftlern, die ihre Dienste als Ghostwriter anbieten. Selbstverständlich gilt das als Täuschungsversuch und wird entsprechend geahndet.

Unter denjenigen, die versucht sind, es doch zu wagen, hält sich die Vorstellung, dass es nicht auffällt, wenn der Ghostwriter gut ist. Schließlich muss er nur einen guten Text abliefern.

Das mag zutreffen. Immerhin ist Ghostwriting anhand des Dokuments schwieriger nachweisbar als ein Plagiat. Nur verfehlt man damit das große Ganze. Zum einen kann der „Kunde“ in diesen Fällen nicht beurteilen, ob der Text überzeugt. Schließlich schreibt der Ghostwriter den Text, vor dem er sich drücken will.

Falls Du Dich jetzt noch zu den wagemutigen Teufeln zählst, die denken, bei einer kleineren Leistung sei es einerlei: Auch diese Idee geht an der Struktur des Studiums vorbei. In allen Studiengängen bauen die späteren Semester auf früheren auf. Das bedeutet, der Prüfer im höheren Semester wird annehmen, dass Du einen konkreten Katalog von Fähigkeiten erworben hast. Schließlich hast Du die Prüfungen abgelegt.

Es mag also sein, dass in der eigentlichen Prüfungsleistung nicht aufgefallen ist, dass die schriftliche Leistung nicht von Dir stammt. Spätestens die Aufbaukurse werden es aber offensichtlich machen. Und was dann? Noch einen Ghostwriter engagieren? Irgendwann wird das Studium so zur teuren Party, obwohl es mal Spaß machen sollte.

Und mir erschließt sich der Sinn der Übung nicht, solltest Du über diesen Weg nachdenken. Letztlich soll das Studium Dir attestieren, bestimmte Fähigkeiten erworben zu haben, wie gesagt. Sofern Du Dir Dein Zeugnis nicht nur zur Deko an die Wand hängen möchtest, werden alle Deine zukünftigen Chefs, Kollegen und Kunden sich wundern, warum Du diese nicht beherrscht.

Für den Fall, dass Du Dir nicht sicher warst oder bei kleineren Leistungen Ghostwriting in Erwägung gezogen hast: Sei nicht naiv. Deine Prüfer sind es auch nicht.

Ist ein Lektorat also erlaubt?

Was ist im Lektorat oder Korrektorat nun anders? Ein Lektor wird im Normalfall nicht in Deine Eigenleistung eingreifen. Das ist nicht sein Job. Selbst im Lektorat wird er lediglich am sprachlichen Ausdruck arbeiten. Der Eingriff in Deine Inhalte ist nicht vorgesehen.

Da ein Lektor nichts hinzufügt, ist nicht von einem Täuschungsversuch auszugehen. In vielen Arbeiten werden Lektoren sogar in einer Danksagung erwähnt, wenn diese später veröffentlicht werden.

Vier Augen sehen mehr als zwei. Die meisten Unis wissen das und empfehlen deshalb Lektorate, etwa die FU Berlin oder die LMU München. Wenn Du Dir trotzdem unsicher bist, frag vorsichtshalber nach.

Umgekehrt ist ein Lektorat keine Garantie dafür, dass Du nicht plagiiert hast. Nicht jeder Lektor wird imstande sein, alle erdenklichen Fehler zu erkennen.

Normalerweise wird Dein Prüfer gegen ein Lektorat keine Einwände haben. Schließlich nimmt der Lektor ihm oberflächliche Arbeiten ab und das Endresultat ist eine bessere Note.

Wirf einen Blick auf Deine Prüfungsordnung, frag Deinen Prüfer und verständige Dich mit dem Lektor über die zu erbringende Leistung. So kann nichts schief gehen. Viel Erfolg mit Deiner Abschlussarbeit!

Wenn Du Interesse an einem Lektorat hast, melde Dich bei mir! Von der Gliederung bis zur Fußnote helfe ich Dir gerne weiter! Auch bei Fragen zu den im Lektorat enthaltenen Leistungen kannst Du Dich gerne jederzeit an mich wenden.

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