Weiter geht’s mit dem zweiten und letzten Teil des Interviews mit Fantasyautor Patrick Pissang. In diesem Teil gehen wir genauer auf die Inhalte ein: Von der Fantasy selbst bis hin zu konkreten Buchempfehlungen.

Hier ist das Interview

Florian: Wenn wir nochmal zurückkehren zur Fantasy: Was ja viele auch am Genre allgemein reizt oder auch, wenn sie Fan-Fiction schreiben wollen, das sind ja unter anderem die großen Welten.

Viele Ortswechsel, viele Figuren, riesiger Figurenkosmos, viele einzelne Plotstränge, die ich miteinander verweben kann usw. Ob ich mir jetzt die großen Klassiker anschaue, Tolkien und wie sie nicht alle heißen (Jap, Hänger…), G. R. R. (Martin)… Eine ganze Reihe, das spielt sich eigentlich in ähnlichen Rastern ab.

Bedeutet natürlich umgekehrt, dass ich – oder dass Du, ich schreib ja keine Fantasy, zumindest noch nicht…

Patrick: Du könntest.

Florian: Ich könnte! Vielleicht fixt Du mich noch an. Aber das bedeutet natürlich für Dich umgekehrt als Autor, dass Du mit dem ganzen Kram auch aufwarten musst. Und man will natürlich da auch innovativ sein und nicht zu offensichtlich abkupfern, auch wenn wir’s letzten Endes als Autoren eigentlich alle tun.

In Kerberos zum Beispiel hast Du eine riesige und gestaffelte Hierarchie von Göttern mit zugehörigen Priestern, in gewissen mit Zahlen symbolisch aufgeladenen Gruppen usw. usf.

Wie stellst Du sicher, dass das Ganze Dein eigenes ist, dass es der Story dient und wo kommt das her?

Wir haben vorher schon darüber gesprochen. Vieles ist griechische Mythologie, aber nicht nur. Also “Come as you go?” oder wo kommt’s her? Wo ist der Input und wie arbeitest Du es genau aus?

Patrick: Das kommt von meiner Rollenspielzeit. Ich hab gut zwei Jahrzehnte Rollenspiel gemacht, häufig gemeistert und dann auch epische Kampagnen. Was ich gelernt habe, ist, dass es für die Spieler am befriedigendsten ist, wenn ich nicht immer der Story folge, sondern manchmal einfach was dazuerfinde.

Da ist es dann Zufall, dass der Storybogen sich doch so biegt, dass es den einen Charakter umbringt oder unglaublich beflügelt. Die Spieler fragen immer, “Wow! Wie hast Du das gemacht? Wie hast Du das geplant?” – Ich hab’s nie verraten, aber ich hab’s nie geplant und genauso geht’s im Buch dann auch.

Ich weiß nicht genau, was der Endzustand ist, ich schreib drauf los. Die Regeln ergeben sich je nach Atmosphäre der Szene, die ich unterbringen will. Dann ergeben sich bestimmte Bedingungen, die man braucht, und die notiere ich mir und bring die später in den größeren Zusammenhang.

Wichtig ist, sie zu notieren. Wenn man um die 100 Seiten später merkt, dass der Zauberer gar keinen Zauberstab hat… Es ist nicht unbedingt ein Mangel, aber Du weißt, was ich meine…

Die Konsistenz muss da sein. Ansonsten ist es… sehr viel selber lesen, also gerade Fantasy lesen, mythologische Sachen lesen, also die Griechen. Richtig cool. Die Götterwelt, die Kreaturen, die es da gibt. Die Symbole, die sie haben, auch philosophisch gibt das so viel her.

Dann bin ich inspiriert und dann fallen mir bestimmte Sachen ein, die schreibe ich runter und dann bekomme ich Regeln da mit hinein.

Wichtig ist – und ich glaube, das war auch ein Punkt von Dir – das eng zu spannen, also nicht, sich eine große Welt zu geben. Man ist umso kreativer, je enger die Regeln sind, je strikter und manchmal auch je blöder. Also es ist schwieriger voranzuschreiben, aber wenn man sich durch so ein Nadelöhr durch begibt, dann hat man etwas Konsistentes, Stringentes.

Das war auch in einem Schreibratgeber, den ich gelesen habe. Der Protagonist darf nicht entkommen können. Man muss immer beschreiben können, warum er dem Konflikt nicht aus dem Weg gehen kann. Dazu gehört auch eine eng gestaffelte Welt, die ihn ein bisschen beschränkt.

Florian: Der Zusammenhang, in dem wir unter anderem darüber gesprochen haben, war bei Kerberos Deine Idee zum Seelentier oder zum Seelenbegriff allgemein.

Du hattest recht viel, was auch philosophisch aufgeladen war oder teils auch etwas, was natürlich von philosophischen Konzepten wieder abgedriftet ist.

Dann gab’s Seelenseen und Seelentiere usw. usf. Dabei haben wir dann darüber gesprochen, das dann entsprechend einzugrenzen bzw. das auch enger an die Story zu binden, damit es auf einen Zweck oder Handlungsrahmen oder den Plot allgemein zuläuft. Je nachdem, was dann gerade gefragt war.

Wie bist Du auf die Idee zum Seelentier gekommen? War das auch den Rollenspielen zu verdanken? War das griechische Mythologie oder allgemeines Interesse für philosophische Literatur?

Patrick: Naja, ich glaub, wir Jungs in unserem Alter, wir kennen noch Marshall Bravestarr.

Florian: Ja, in der Tat.

Patrick: So aus der Richtung. Als Kind hatte ich schon immer dieses Gefühl, dass Menschen vielleicht Superkräfte haben oder auch was in sich tragen, was Schicksalbehaftetes, ich kann’s schwer erklären.

Letztendlich finde ich die Idee des Seelentiers ungläubig cool. Es kommt im Schamanismus vor, also alles ist beseelt durch Geister. Und es ist ein Begriff in der Philosophie der Griechen, also diese unsterbliche Seele, die sich verändert oder nicht,

Aber der Punkt ist genau der. Ich finde das Konzept so cool. Ich mag im Schamanismus, dass man hineinreisen kann und das habe ich hineingenommen in Kerberos. Um ein Problem zu lösen, geht der Held auf so eine Geistreise.

Was ich versäumt habe, zu tun, als Du die Rohfassung gelesen hast – das habe ich dann in Deinem Feedback gelesen – “Schon wieder neue Regeln!”, ich hab mir die Haare gerauft! Das muss ich glattziehen, damit es konsistent beschrieben ist. Einmal heißt es Seele, einmal heißt es Geist. Ich muss es konsistent machen und damit sind’s nicht drei Konzepte, sondern eins.

Florian: Zur Erklärung sollten wir dazu sagen, was ich da meinte mit “Immer neue Regeln!”.

Es gab zuerst den Seelensee, darin sind die Figuren dann abgetaucht, dann tauchte in dem See ein Seelentier auf. Und später kam dann – als sie aus dem See wieder heraus waren – in einer anderen Handlungsepisode noch ein Seelentier vor, das wieder andere Eigenschaften und Funktionen erfüllt hat.

Da hat sich dann mein Kopf kurzfristig ausgeklinkt. Das also nur zur Erklärung, quasi als Anmerkung (Ja, Florian. Wir haben’s. Du hängst wieder…). Das meinte ich mit den immer neuen Regeln und das ist ja auch das, was Du gerade beschrieben hast. Das ganze schmälern, soweit dies machbar ist. Ob’s jetzt Götter sind, ob’s der Seelenbegriff ist oder Elemente oder sonst was.

Wir haben auch darüber gesprochen bei Waffen, bei der Gestaltung von Kulissen usw. Also darf eine Hellebarde so funktionieren, wie sie im Mittelalter funktioniert, oder darf die andere Kräfte haben? Darf ich die mit aufs Pferd packen usw.

All solche Dinge, mit denen man sich dann herumschlagen kann. Dann ist natürlich die Frage, wie nah möchte ich an der historischen Realität bleiben und inwiefern möchte ich meins mit einbringen und das Ganze dann auch natürlich mit Fantasy-Elementen anreichern.

Das hat’s natürlich auch für mich dann im Story Coaching spannend gemacht.

Ganz triviale Frage, die ich aber bei den Fantasyautoren immer spannend finde. Wie kommst Du auf die Namen der Figuren? Namengenerator.net!

Patrick: Eigentlich nicht, also er fällt mir halt ein. In Kerberos ist’s der Name von meinem Opa, also Hans. Weil auch die Geschichte ein bisschen davon inspiriert ist.

Im Grunde hat mir meine Schwester erzählt, was mein Opa mal gemacht hat: Als junger Mann, nach dem Krieg, ist er in ein Dorf gezogen, war aus Schlesien vertrieben. Und da waren alle so stolz auf ihre abgerichteten Hunde, wie scharf die sind, wie gut die den Hof bewachen… Was er gemacht hat? – Er hat die Hunde vertauscht, in einer Nacht. Er hat den einen Hund auf den anderen Hof gebracht.

Florian: Ah ja, ich erkenne ein Muster dessen, was ich vor kurzem gelesen habe!

Patrick: Damit hat er ihnen den Wind total aus den Segeln genommen. Ja, das hat mich total inspiriert. Das hat sie mir beim 60. Geburtstag meiner Mama erzählt die und dann dachte ich, “Ich muss jetzt das Buch anfangen!”. So kam’s und dann hab ich angefangen zu schreiben.

So leiten sich auch die Namen ab, angefangen mit Hans, in der Fantasiewelt ist es dann der Hansgar und andere Namen waren schon irgendwie da.

Florian: Ja, gut. Das sind ja jetzt noch die einfacheren. Also “Hans” kann ich mir zur Not irgendwie aus dem Alltag denken. Wie ist es bei den Göttern?

Patrick: Hmm, stimmt… Wie mach ich das bei den Göttern? Kokytos war ein griechischer Gott, der ist dabei. Der Gott des Todes, den hab ich mir da entliehen, verähnlicht. Zulora… Ich weiß nicht. Ich kann’s Dir nicht sagen. Es kommt irgendwoher.

Florian: Aber es “kommt einfach”. Es ist nicht so, dass Du sagst, “Ich hab ein Schema oder ein Muster muss, so, dass ich sie mit bestimmten Assoziationen anreichern will.”

Patrick: Es muss ja nicht stimmen, es muss atmosphärisch…

Florian: Nein, nein. Ich meine nicht, dass Du es wie Fachliteratur angehst, aber dass man vielleicht sagt, “Es muss einen bestimmten Klang haben”. Das gibt’s ja auch schon mal, dass Schreiber sagen, “In dem Namen muss ein Z sein”. Oder es muss irgendwie säuseln, Lautmalerei etc.

Patrick: Vorlesen ist wichtig. Es muss klingen, wenn man’s vorliest. Also ich würde ihn ändern, wenn ich ihn mir laut vorlese und es nicht stimmig ist. Aber ansonsten habe ich da auch keine Vorgaben. Und vor allem hänge ich nicht dran, dass es “genau so” sein muss. Ich bin da frei und offen.

Florian: In der Fantasy hast Du ja die Freiheiten und kannst Figuren ja nennen, wie Du lustig bist. Aber ich find’s eben spannend, da mal Einblick zu haben, wie Du auf die jeweiligen Götternamen kommst, weil sie ja eben nicht immer entliehen oder abgewandelt sind.

Patrick: Ne, sorry.

Florian: Kein Grund, sich zu entschuldigen, um Gottes Willen. Dann ist es göttliche Inspiration.

Patrick: Kennst Du das Konzept von Ideen? Ich hab mal ein Buch gelesen, auch über das Mindset von Autoren. Es war eine Frau, die es geschrieben hat, Brandon hieß sie, glaube ich. Nein, es war Big Magic! (Hier auf Amazon*) Das war das Hörbuch. Da geht’s viel um Kreativität und Inspiration und sie hat die coolste Beschreibung für Ideen gegeben, die ich bis dato gehört hab:

Und zwar sagt sie, Ideen sind Energien im Universum, die suchen sich Menschen, die sie ausführen. Du liegst also jetzt im Bett hast eine Idee. Und jetzt wartet die Idee, dass Du sie umsetzt. Es gibt die Menschen, die sagen, “Okay, es geht gerade noch nicht, aber ich versuche, den Zeitpunkt zu finden”, die das ewig mit sich rumtragen. Und dann sagt die Idee, “So, dann geh ich wieder weg.”

Sie erklärt’s eigentlich ganz gut. Es gibt so viele Menschen, die sagen, “Die Idee, also Uber oder Netflix oder was auch immer… Die Idee hatte ich schon vor Jahren!”

Florian: Jaja, aber die Idee ist es nicht wert.

Patrick: Vielleicht, aber Du hast es nicht umgesetzt. Du hast es nicht ausgeführt, die Idee ist wieder gegangen. Und genau dasselbe mit den Schreibblockaden. Wenn ich jeden Tag am Schreibtisch sitze – ich muss da sitzen! Auf den Bildschirm starren, versuchen zu schreiben… Weil wenn die Idee kommt, muss ich da sitzen.

Florian: Aber Du schreibst ausschließlich am Computer?

Patrick: Ja, ausschließlich. Nachdem ich Scrivener entdeckt hab, war…  

Florian: … war der Käse geschnitten. Auf Deine Doppelbetten oder Spiegelwelten sind wir ja schon mal eingegangen. Dass sie natürlich gewisse erzählerische Anreize schaffen, aber auch mit gewissen Anforderungen an Deinen Erzähler kommen.

Was reizt Dich besonders an der Idee, dass man eine Doppelwelt anlegt?

Du hast es jetzt zweimal gemacht. In Iaculatorium sind die Stories ja beide in der Hinsicht strukturell ähnlich angelegt. Was macht für Dich den Reiz aus? Was ist der Mehrwert oder der Nutzen für Dich als Autor?

Patrick: Also ganz einfach. Ich kann heutige Themen, die mir im Kopf schwirren, durcharbeiten und das unglaubwürdige auslagern und da auskämpfen lassen. Unter den heutigen Themen ist viel Bewusstsein, das Thema Erfolg, Glück, so ein bisschen philosophisch vielleicht.

Florian: Wenn Du sagst, “inhaltlich aktuelle Themen”, im Kerberos beispielsweise bist Du ja auch hier und da zumindest andeutungsweise politisch.

Patrick: Jjja…

Florian: Also Du hast kein politisches Pamphlet drin, aber ich sage mal politische Neigungen in gewissen Regionen oder vernachlässigten ländlichen Regionen spielen eine Rolle.

Patrick: Ja, spielt eine Rolle, aber keine herausragende Rolle. Es ist eine Rolle der Angst. Ich möchte mit der Angst spielen, die der Hauptcharakter hat. Aber ich möcht’s nicht politisch…

Florian: Das wollte ich nicht sagen, es ist ja kein politischer Roman.

Patrick: Aber ich verstehe, worauf Du anspielst.

Florian: Aber der Reiz – wenn Du sagst, ich nutze das Alltägliche, um es dann inhaltlich zu füllen, um es mit dem Unerwarteten zu kombinieren.

Patrick: Was cool ist, ist wenn der Leser damit resoniert und sagt, “Das verstehe ich. Da kann ich mich einfühlen in den Hauptcharakter”. Und die Fantasiewelt ist dann das, wo er’s auslebt. Da fliegen die Fetzen und da geht’s hin und her.

Für mich persönlich ist das auch gerade herausfordernd, also gerade, wenn Du mir Feedback gibst, was Symbole betrifft zwischen den beiden Welten; dass man nicht einfach sagt, “Er hat etwas geträumt und jetzt erzählt er das in der realen Welt”, sondern dass man das symbolisch auflädt. Das ist es unglaublich herausfordernd, das darzustellen.

Florian: Richtig, dann ist es mal eine Geste, mal ist es ein Gegenstand, mal ist es ein Blick oder Gedanke…

Patrick: Also meine grauen Haare, die kommen von Dir!

Florian: Du bist nicht der erste, aber da muss ich durch.

Patrick: Das macht einen unglaublich großen Reiz aus. Letztendlich sind viele Bücher so aufgebaut, die verschiedene parallele Story-Stränge haben, nur dass wir hier noch den Zeitenwechsel haben. Und mit symbolischer Beeinflussung oder vielleicht doch ein bisschen deutlicher, wo auch – glaube ich – komplett Unglaubwürdiges glaubwürdig dargestellt werden kann.

Florian: Das bringt’s auf den Punkt, würde ich sagen.

Ein anderes großes Element, was Du natürlich auch nutzt, ist das Überwinden von Grenzen. Wir haben es gerade mal angerissen, natürlich vor allem dann in der realen Welt, die Fantasywelt wird ja dann schon durch die Anlage der Welt ein bisschen zurückgenommen.

Geht es Dir da hauptsächlich darum – vielleicht auch wieder durch Pre-Sales-Hintergrund – dem Ganzen eine motivierende Komponente zu geben? Oder ist es allgemeine Begeisterung für die Philosophie?

Was ist der Anreiz, zu sagen, da muss noch ein motivierender Gestus mit hinein?

Die Story für sich – selbst in der Rohfassung, wie ich sie gelesen habe – wäre ja schon interessant gewesen. Man hätte sich ja mit der Erzählung zur Ruhe setzen können. Das wäre okay gewesen.

Patrick: Meinst Du, mit einer Welt oder mit beiden?

Florian: Nein, nein. Mit beiden.

Aber wo wäre für Dich der Anreiz zu sagen, “Da muss auch noch zusätzlich diese philosophische Komponente rein”? Oder “Ich muss zusätzlich noch Leser motivieren”, sodass sie nicht nur sehen, “Aha, da hat eine fiktive Figur Grenzen überwunden”, sondern ich möchte ihnen das auch mitgeben, dass sie das selber können. “Ich will das auch in dieser realen Welt, die näher an unserer eigenen Gesellschaft und Zeit ist, auch näher bringen.”

Patrick: Also ich glaub, wenn man über Philosophie spricht, ist es häufig so, dass Menschen sagen, “Das ist mir zu abstrakt”. Ich hab die Chance, es konkreter zu machen. Also, wie ich’s mir vorstellen, philosophische Antworten zu geben.

Ich bin ja kein Philosoph, um Himmels Willen.

Florian: Da muss der Bart noch länger werden…

Patrick: Genau! Aber so ein bisschen zu sagen, “Wie überwindet man Grenzen?” – es ist ja sowieso das Thema eines Helden, Grenzen überwinden.

  • Wie motiviert sich so ein Held?
  • Wie kann ich mich vielleicht auch motivieren?
  • Wie schafft man es, wenn man selbständig ist, sich täglich zu motivieren und nicht im Bett liegen zu bleiben und den Wecker wegzudrücken?

Das sind die Fragen, die wichtig sind, die ich mir stelle und die deswegen auch Teil des Romans sind.

Florian: Man muss natürlich dazusagen – nicht dass man denkt, Du hast ein Pamphlet, ich will Dir da kein Unrecht tun – sondern es kommt tatsächlich auch in dem Sinne vor, dass es für die Handlung relevant ist.

Also steht am Ende nicht die Schlussfloskel, “Auch Du musst Dich motivieren, lieber Leser!” – Wäre vielleicht lustiger gewesen, aber Du bringst es ja tatsächlich in den Plot mit ein und machst dadurch, finde ich, den Protagonisten sympathischer. Quasi eine zusätzliche Komponente, die er sonst eben nicht gehabt hätte.

Patrick: Es ist natürlich auch so wichtig, dass man einen Lektor hat, den man dann fragt, “Kommt das schulmeisterhaft rüber?”. Das ist ja auf gar keinen Fall, was ich möchte. Das hat nichts im Roman zu suchen, irgendwen belehren zu wollen. Ich möchte den Charakter rund machen, den Protagonisten etwas Glaubwürdiges mitgeben.

Florian: Wollte ich gerade sagen, es macht ihn glaubwürdiger.

Patrick: Es gibt auch eine mythische Komponente…

Florian: Wie Du sagst, er ist runder, es gibt ihm mehr Profil und macht ihn insgesamt glaubwürdig. Es schafft auch eine Bindung, vielleicht auch noch mehr für die Leser, die sich sowieso dann schon für philosophische Fragen interessieren. Ich glaub nicht, dass man grundsätzlich philosophisch interessiert sein muss, um’s zu lesen. So intensiv ist es nicht. Aber für diejenigen, die sich den Fragen widmen, wird’s vielleicht noch ein zusätzlicher Anreiz sein.

Ein Element, was Du ja noch nach unserem letzten Coaching ausgearbeitet hast – wir haben darüber gesprochen – das ist das Zeichnen, also das Comiczeichnen Deines Protagonisten.

Vorher war ja die Idee, es gibt gewisse Verbindungen innerhalb des Plots, es wird ein Comicladen gegründet usw. Ich glaube, damals habe ich Dir den Tipp gegeben, dass Du das auch medial einschließen musst. Ich kann mich nicht ganz genau an den den Kommentar oder die Anmerkungen erinnern, aber ich glaube es ging in die Richtung:

Du beschreibst ja die literarische Inventio, also die Erfindung eines Künstlers. Da muss noch was kommen. Das hast Du jetzt letzten Endes auch gemacht. Welche Elemente bedient das jetzt in der Story?

Patrick: Es wird zum Träger der Handlung im Realwelt-Teil. Du hast gesagt – und das fand ich spannend – “Versuch doch mal zu schauen, wie Dein Hauptcharakter Superkräfte in der Realität haben kann.“ Am Anfang hat der Hauptcharakter meditiert, hatte Eingebungen und hat das runtergezeichnet. Jetzt drehe ich’s ein bisschen um und sag “Das, was er zeichnet, wird zur Realität”, was seine Superkraft ist und auch seine größte Schwachstelle.

Er macht einen großen Fehler. Ich will nicht zu viel verraten…

Florian: Ich glaub nicht, dass Du etwas verschenkst (kann man nicht)…

Patrick: Er zeichnet seine Freundin und das geht schief. Sie kommt in eine echt gefährliche Situation und bittet ihn im Nachhinein, jetzt auch einen Comic zu zeichnen, um den, der ihr wehgetan hat, umzubringen. Also das schafft wieder immens Konflikte und er muss es tun und ich fand cool, was bei Dir herausgekommen ist. Ich will aber nicht zu viel verraten.

Florian: Ich bekomm’s ja dann noch.

Patrick: Genau, Du bekommst es auf jeden Fall. Da, in der Hinsicht, wird er zum Superhelden und dafür nutze ich das. Aber auch den Schaffensprozess, fand ich auch eine coole Idee von Dir.

Ich beschreibe in einem Teil, wie er einen Comic schreibt. Jetzt habe ich den Schaffensprozess noch dazugelegt. Was denkt er in dem Moment, wenn er das zeichnet, welche Bedenken hat er vielleicht? Er erkennt auch, dass er das nicht selber denkt, sondern es fließen lässt.

Florian: Das ist auch die Passage, die ich meinte. Vorher war’s ja doch sehr situationsgebunden. Du hast schon die Szene beschrieben und auch sehr detailliert beschrieben, was er macht: Er zeichnet einen neuen Kasten für die nächste Zeichnung usw.

Da bist Du sehr in die Tiefe gegangen, aber da dann noch das letzte bisschen herauszukitzeln und den Ideenprozess aufs Papier zu bringen, da bin ich gespannt, was daraus geworden ist!

Ich würde sagen, wir beschließen fürs erste den Teil zu Deinem Autorenleben, zu Deinen Büchern allgemein. Machen wir noch eine kleine Abschlussrunde.

Was hast Du in letzter Zeit Gutes gelesen oder gesehen? Welche Storys, Bücher, Fachliteratur… Was kitzelt Dich im Moment?

Patrick: Ich schaue wenig fern, aber was ich im Moment schaue, ist Love, eine Netflix-Serie. Die ist super cool! Also das hat angefangen mit McKee (Hier der Amazon-Link*), Du hast mir McKee empfohlen.

Florian: Ja, es tut mir auch sehr leid.

Patrick: Nein, unglaublich empfehlenswert.

Florian: Ich kann mich nur noch an Deine E-Mail erinnern: “Seit Du mir das empfohlen hast, hab ich keine Zeit mehr zum Schreiben!”

Patrick: Ja, es ist krass.

Florian: Können wir allen nur wärmstens empfehlen. Also Story* von McKee sollte man kennen. Und wer da angefangen hat, kann auch gleich zum Buch über Dialoge (Hier auf Amazon zu finden*) weitergehen. Aber ich wollte Dich nicht unterbrechen, also Love.

Patrick: Genau, Love. Ich glaube, die haben McKee zehnmal gelesen, weil die Drehbücher unglaublich cool sind. Das erste war witzig, ein bisschen sitcommäßig. Super Timing, sie haben super Konflikte aufgebaut. Wie die Story sich bindet und wie sie diese Cliffhanger schaffen.

Neben dem, dass ich es gerne schaue, ist das auch schon ein kleiner Input für mich. Ist auch ein bisschen blöd, dass man jetzt anfängt, alles zu sezieren. Das war bei Glass auch so, den hab ich im Kino gesehen. Dieser Mix aus Unbreakable und Split.

Cooler Ideen-Sex, wie sie diese Sachen mischen, so unvorhersehbar. Auch empfehlenswert, finde ich, um sich einfach anzuschauen, wie man Konflikte schafft. Wie man das spinnt, wie man auch Sub-Story darum baut. Die Charakteren haben sehr starke Storys.

Florian: Aber es wird dann schon zur Berufskrankheit, dass man das Ganze sezier, oder?

Patrick: Na, hm… Und das Skelett für mein Buch ist Der Heros in 1000 Gestalten (Hier auf Amazon*) von Campbell. Unglaublich alt, 1930? Mythenforscher. Hat im Prinzip herausgeschrieben, was unsere Mythen im Kern machen und dann diese Heldenreise halt etabliert.

Wenn man von Heldenreise hört, das ist von Campbell und die großen Epen – also auch Star Wars und viele Filme – basieren auf seiner Idee der Heldenreise. Das hab ich übernommen. In dem Zuge, als ich es gelesen hab, hab ich auch angefangen, das Buch zu schreiben, um das Skelett zu bilden. Also kann ich nur empfehlen. Campbell war auch eine Erleuchtung.

Und alles über Mindset für Autoren, also Big Magic hab ich schon erwähnt. Und es gibt etwas ganz Plakatives: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt (Hier auf Amazon*), zwei Teile. Geil! Also einfach nur empfehlenswert. Und Stephen King: Das Leben und das Schreiben (Gibt’s auch auf Amazon*).

Florian: Einiges dabei. Wie gesagt, packen wir alles in die Beschreibung. Sonst von Dir… Du sagst zwar, “Ich bin in dem Sinne noch kein Autor”… Ich würde dem widersprechen wollen, also Tipps für den Alltag, für Schreibroutinen, irgendwelche Tools oder sonst irgendwas, was Du angehenden Schreiberlingen Autoren und sonstigen Liebhabern der Literatur empfehlen möchtest.

Patrick: Was ich manchmal schade finde… auf Twitter… Ich sehe die Leute über Brotjobs schreiben. Ich würde Euch wünschen, liebe Autoren, dass Ihr das nicht macht, dass Ihr Euren Job mögt. Wenn es für Euch ein Brotjob ist, wechselt ihn. Geht so viel wie möglich aus dem Job, damit ihr Zeit habt zu schreiben. Es muss Euch glücklich machen, beide Seiten.

Florian: Man muss es natürlich irgendwie umsetzen bzw. ich höre jetzt schon die ersten Kommentare fliegen.

Patrick: Ist mir in dem Punkt bewusst. Und da spricht vielleicht auch der Punkt, dass ich halt zehn, 15 Jahre im Job war und den im Prinzip auch geliebt hab. Ich glaube, das bringt langfristig mehr. Oder vielleicht doch nicht zu sagen, “Es ist mein Brotjob”, sondern zu akzeptieren, “Es ist mein Job und der sollte mir verdammt nochmal Spaß machen”.

Florian: Also Du wärst kein Fan davon, wenn beispielsweise jemand sagt, “Ich hab jetzt diesen Job und den übe ich derzeit aus, um mein Schreiben zu finanzieren”?

Patrick: Das will ich, aber bezeichne ihn nicht als “Brotjob”.

Florian: Achso, Du meinst also hauptsächlich das Mindset.

Patrick: Es ist das Mindset. Darauf, zu sagen, “Ich bin jetzt im Job, der gibt mir mein Geld, dass ich schreiben kann und so behandle ich ihn jetzt auch.” Anstatt zu sagen, “Ich muss dahin”… Dieses “Müssen”… Man muss nichts. Hätte ich das mit 20 gewusst, wäre es cooler gewesen. Jetzt würde ich sagen, man muss gar nix.

Florian: Kommt langsam die Altersgelassenheit?

Patrick: Ja, ganz genau. Und diese Ein-Prozent-Regel: Wenn man sich ein Prozent am Tag verbessert, wird man im Jahr etwa 3700 % besser. Es ist einfach wahr. Kleine Schritte machen, viele kleine Schritte, und das dann konsistent. Sich mental, emotional, spirituell und physisch ein Prozent am Tag versuchen zu entwickeln, das bringt viel mehr als große Vorhaben.

Florian: Das dann vielleicht noch kombiniert mit den zehn Ideen, die Du schon angebracht hast.

Patrick: Das ist die Basis für alles. Das klingt jetzt ein bisschen abgefahren, ist mir aber auch bewusst.

Und ein Punkt: Behaltet Ideen für euch! Ich glaube, die müssen in einem reifen. Wenn man anfängt, jemandem eine Idee zu erklären – das ist jedenfalls bei mir so – dann denkt der Kopf, man hat es schon gemacht. Dann setzt Du Dich hin und versuchst zu schreiben, es ist aber schon herausgeflossen. Es stockt dann, es ist nicht mehr so flüssig.

Ich müsste mal den Kahnemann lesen – Schnelles Denken, langsames Denken (Hier auf Amazon*) – das wird da beschrieben.

Florian: Ja, das wäre der eine, der mir dabei immer in den Sinn kommt. Aber wer mir noch mehr einfällt als er, ist zum einen wieder Stephen King, weil er in einem Kapitel in On Writing* darüber spricht, dass er kein Freund von diesen Schreibzirkeln ist, in denen die Gruppe erst mal die Idee tötet. Nicht grundsätzlich… Wenn Du jeden Abend gezwungen bist, Deine Ideen vorzustellen…

Das heißt, Du bist jeden Tag unter dem Zeitdruck, dass Du abends mit guten Ideen da aufwarten musst und dann werden die ersten natürlich leicht zerstört, sobald Du dann abends ans Lagerfeuer kommst…

Und der zweite, der mir auch bei dem Thema einfällt, ist Michael Hyatt. Er hat darüber einen Blogpost geschrieben, auf den ich schon einmal Bezug genommen habe. Dort geht’s darum, dass man Ideen nicht vorzeitig in den sozialen Netzwerken teilen sollte.

Also nicht, “Ich hab eine Idee für einen großartigen Roman und ich poste das jetzt”

Und bei ihm ging’s auch wirklich um das, was Du auch beschrieben hast, um den psychologischen Prozess: Ich habe etwas gepostet und damit habe ich es für mein Unterbewusstsein schon getan. Und jetzt kann ich mir auf die Schulter klopfen, weil alle das natürlich geliket haben, einen Retweet geschickt haben und sonst was. Alle finden toll, dass ich einen Roman schreiben will jetzt war’s das erst mal fürs nächste halbe Jahr…

Patrick: Aber die Finger stehen still, ja…

Aber das Allerwichtigste: Nehmt Euch Florian als Story Coach!

Florian: Deine Worte, nicht meine. Vielen Dank fürs Lob!

Patrick: Ich kann’s nicht deutlicher sagen. Ich glaub auch, jeder Autor weiß es. Einen Lektor braucht man auf jeden Fall. Und ein Story Coaching von Dir ist dann… Also ich weiß nicht, woher Du’s kennst, es ist mir auch egal. Aber es ist unglaublich gut.

Florian: Der weise Guru der Geschichten… Freut mich immer, wenn’s hilft! Schreibt mir, wenn Ihr Interesse habt, wenn Ihr an Eurer Story arbeiten wollt. Ob’s Romane sind oder auch, wenn’s Inhalte fürs Marketing sind.

Meldet Euch auf Twitter, schreibt mir eine E-Mail, überhaupt kein Problem, dann gehen wir das Ganze an!

Kurz zurück zu Dir, Patrick: Wo findet man Deine Inhalte? Wo kann man Dich abonnieren? Wo finde ich Deine Bücher?

Patrick: Mein Buch (bald Bücher) gibt’s auf Amazon (Iaculatorium: Titanenblut*). Oder auf patrickpissang.de, das ist mein Business-Netzwerk, in dem ich meinen Novletter launchen will.

Und auf Iaculatorium.com findet Ihr das Buch, da gibt’s Rabattgutscheine für das Hörbuch. Und auch mein neuestes Buch wird immer for free verfügbar sein. Das tue ich auf dem Newsletter auch kund. Wer dann drauf ist, bekommt es auch kostenlos, neben meinen Gimmicks, die ich da einspiele, um Euch ein bisschen zu unterhalten.

Florian: Wenn man herausfinden will, wann’s rauskommt: Kündigst Du es neben dem Newsletter auch auf Twitter an?

Patrick: Ja, auf jeden Fall. Ansonsten liegt mein Augenmerk auf dem Newsletter. Ich freu mich über jeden, der dazukommt und Feedback hat!

Florian: Fleißig abonnieren, der Newsletter ist es wert! Wir haben ja jetzt lang und breit darüber gesprochen.

Patrick: Noch ein Punkt… Ich war ja vorher kein Autor… Und viele Freunde und Kollegen sagen, “Ich wollte schon immer ein Buch schreiben. Wie hast Du das jetzt gemacht? Wie hältst Du das durch?”

Ich möchte dabei helfen. Joint meinen Newsletter, wir arbeiten gemeinsam etwas aus! Wenn ihr eine Kurzgeschichte schreiben wollt, die auf Amazon veröffentlichen wollt, ich nehme Euch mit durch den ganzen Prozess, ich motivier Euch. Ich kann Euch den Florian vorstellen… oder Setzer, was man so hat und dazu braucht.

Das würde freuen: Ein kleines Universum aufzubauen, wo jeder drin schreiben kann. Ich supporte auch gern. Die einzige Bedingungen ist: Es ist in dem Universum. Was nicht schlimm ist, weil es kaum definiert ist. Ich hab kaum Grenzen. Das heißt, da ist viel Platz. Ist noch eine große Spielwiese, um sich auszuleben.

Florian: Gut, dann danke ich Dir herzlich, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Ich hoffe, dass viele Leute sich jetzt auch für dein Universum Iaculatorium und alles, was dann noch nachfolgen wird, hoffentlich dann auch bald für den dritten Roman, begeistern können.

In Folge kommt dann noch das eine oder andere. Ich hoffe, dass wir hier noch mehr Interviews live stellen können. Zwei sind noch geplant, mit weiteren Autoren, aber die ein oder anderen Inhalte werden mit Sicherheit noch folgen.

In diesem Sinne, ab an den Schreibtisch! Macht’s gut, ciao!

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