In letzter Zeit denke ich oft darüber nach, welche Art der Texterstellung die „bessere“ sein könnte. Wie produziere ich mehr Text? Per Handschrift, tippend oder mit dem Diktiergerät? Wie schreibe ich bessere Texte (also glaubwürdiger, emotionaler, strukturierter)? Wie kann ich gleichzeitig mehr und besser schreiben? Ich möchte ein kleines Experiment wagen, um das herauszufinden & lade Dich ein, mitzumachen!

Welche Rolle spielt die Handschrift für Autoren?

Dem flexiblen Autor stehen in der Regel drei Varianten der Texterstellung zur Verfügung: Handschrift (und hier schließe ich Schönschrift genauso ein wie Krakeleien), Tastatur und Diktieren. Damit bleiben schon zahlreiche Feinheiten außen vor; etwa die Debatte „Bleistift vs. Füller“, mit der sich Liebhaber wohl Jahre befassen können.

Auch sind theoretisch alle Geräte, die eine Tastatur besitzen, in einer Kategorie zusammengefasst. Das ist zugegebenermaßen nicht ganz fair. Immerhin bieten PCs ein anderes Schreiberlebnis (und Potential zur Ablenkung) als Schreibmaschinen, aber für den Moment soll uns das nicht stören.

Genauso ist das Diktieren in ein Diktiergerät oder Headset mit dem mitschreibenden Sekretär gleichgesetzt. Auch hier lassen wir außen vor, dass diese Beschäftigung wohl immer seltener wird. Es geht nur um die Frage, ob Handschrift, Druck oder gesprochenes Wort zum Einsatz kommt.

Ob Diktieren oder Handschrift, was passt zum Genre?

Um zu erfassen, welche Methode „besser“ ist, müsste man nun festlegen, wann ein Text vorab definierten Ansprüchen gerecht wird. Ist er strukturierter, besser formuliert, enthält er weniger Füllwörter oder Rechtschreibfehler, wird der Ton durch das Medium umgangssprachlich, etc.?

Und schließlich bleibt die Frage, ob die jeweilige Textgattung zum Medium passt. Für den Reporter, der ein Interview aufzeichnet, mag es naheliegen, zum Diktiergerät zu greifen, die Aufnahme anschließend von Dragon Dictate transkribieren zu lassen und in die gewünschte Form zu bringen. Vielleicht zieht er es aber auch aus nostalgischen Gründen vor, per Handschrift Eckdaten auf einem Notizblock festzuhalten.

Aber ist dieser Arbeitsablauf für einen medizinischen Essay, ein Gedicht oder eine philosophische Kolumne genauso geeignet? Kann man eine Dissertation, in der alle paar Sätze eine Fußnote zu platzieren ist, überhaupt diktieren oder von Hand schreiben? Natürlich weiß ich, dass es früher nur so passiert ist. Die Frage ist aber doch, ob der zeitliche Zusatzaufwand gerechtfertigt ist oder ob es vielleicht reicht, das Handschriftliche auf Teile der Arbeit zu beschränken (etwa die Recherche).

Ich kann mir nicht helfen. Selbst nachdem ich mehrfach mit handschriftlichen Notizen, Diktier-Funktionen und unterschiedlichsten Schreibprogrammen und Notiz-Apps experimentiert habe, kann ich immer noch nicht sagen, dass ich eine Form über alle anderen stellen könnte.

Die Routinen berühmter Autoren

Ja, ich kenne die „Belege“… Ich weiß, dass Stephen King „Dreamcatcher“ genauso in sauberer Schreibschrift geschrieben hat wie J. K. Rowling „Die Märchen von Beedle dem Barden“. Auch kenne ich Artikel aus der Fachpresse, dem Wall Street Journal, der Huffington Post oder aus psychologischen Zeitschriften wie diesen Beitrag zu gesundheitlichen Vorteilen expressiven Schreibens. Die Vorteile für die Hirnentwicklung bei Kleinkindern sind mir ebenso bekannt wie der Nutzen handschriftlicher Notizen für mein Gedächtnis.

Ich weiß, dass Jerry Seinfeld der blinkende Cursor beim Schreiben stört und dass er deshalb billige, gelbe legal pads bevorzugt. Aber – und jetzt kommt ein großes „Aber“…

Wir leben ja nun einmal im „digitalen Zeitalter“. Das bedeutet, in den meisten Fällen müssen die Texte am Ende doch wieder eine digitale Form annehmen. Selbst, wenn sie in der Handschrift ihren Anfang genommen haben. Jemand muss sie transkribieren, scannen oder diktieren. Was bedeutet das für diejenigen unter uns, die vom Schreiben leben und denen an ihrer Kreativität und Gesundheit gelegen ist?

Nur um das klarzustellen, ich habe selbst keine Antwort auf diese Frage. Allerdings bin ich im Begriff, meine eigenen Routinen umzustellen. Und wahrscheinlich werde ich das auch in Zukunft immer wieder tun.

In der Zwischenzeit möchte ich hier nur den Status Quo festhalten, teils für mich, teils als Beispiel für andere. Und ich hoffe, dass ich im Austausch mit anderen, die auch mit Gedanken dieser Art hadern, etwas dazulernen kann.

Hier ist also mein aktueller Ablauf der Texterstellung im weitesten Sinn:

1. Schritt: Ideen handschriftlich festhalten

Wenigstens hier bin ich „old school“. Wenn ich unterwegs bin oder morgens die ersten Ideen fließen, halte ich diese handschriftlich fest, sei es mit dem Füller in meinem Leuchtturm Notizbuch* oder unterwegs mit Bleistift (derzeit Tombow MONO-100-3B*) in einem meiner Fieldnotes-Notizhefte*. Es mag auch vorkommen, dass ich zu einer Diktier-App auf dem Smartphone greife und das Ganze später in das große Notizbuch übertrage. Das sieht nicht immer schön aus (auch wenn ich meines Erachtens Schönschrift beherrsche, wenn ich denn will). Es ist aber  zweckdienlich.

2. Schritt: Gliederung und Formulierung

Meistens folgen die klassische Dispositio und die Elocutio bei mir dicht aufeinander. Daher werden sie fast zu einem Prozess werden. Manchmal springe ich zwischen beiden hin und her. Früher gab es hier andere Abläufe, die beides schärfer getrennt haben. Wer weiß, vielleicht bringt der geplante „Umbruch“ ja hier Veränderung… Derzeit könnte ich mir vorstellen, dass das Ausformulieren in Schreibschrift den ganzen Ablauf etwas verlangsamt. Ich würde auch meinen, dass sich meine Art zu Formulieren, insbesondere bei Füllwörtern, ändert. Das wird man aber sehen.

3. Schritt: Datenexport

Daran hat der gute Cicero wohl nicht gedacht. Ganz gleich, ob ich meine Dissertation zum Copy-Shop bringen musste oder heute einen Blogpost für ein CMS vorbereite; der Text muss immer noch in ein anderes als das ursprüngliche Datenformat gebracht werden.

Von Word zu PDF, von Scrivener zu HTML oder Mobi. Dieser Schritt beinhaltet dann natürlich erneutes Überarbeiten von Formatierungen wie Kursivdruck oder Bulletpoints, das Überprüfen von Hyperlinks und eventuelle Korrekturen.

4. Schritt: Veröffentlichung oder Email-Versand

Die zwei häufigsten Kanäle für die Textdistribution, die ich kenne. Mal wird der Text in Google Docs eingepflegt, sodass er später auf einer Website erscheint. Mal wird er per Email zwecks Korrektur oder Lektüre an einen Empfänger geschickt. Im ersten Fall ist mein Job an dieser Stelle getan; im zweiten folgen natürlich noch Email-Marketing und die Sozialen Netzwerke, die ja mit der eigentlichen Textproduktion nicht viel zu tun haben.

Das bedeutet, mindestens 90 % meiner Texterstellung läuft an der Tastatur ab. Die anfängliche Idee für einen Beitrag wie diesen mag ich vielleicht noch mit Worten wie „Diktieren vs. Tastatur vs. Handschrift“ festgehalten haben. Je nach Umfang kommen sogar noch ein paar Notizen dazu.

Jedoch führt das zwangsläufig dazu, dass ich über weite Strecken sitzend schreibe, dass ich mit zwei Klicks oder einer Tastenkombination Zugang zu Google und allen Wörterbüchern der Welt habe, dass ich schneller schreiben kann als ich denke oder Gedanken subvokalisiere. Und auch wenn ich „schlau genug“ war, die meisten Benachrichtigungen am Rechner zu deaktivieren, bedeutet das auch, dass mein Schreibprozess desöfteren von Nachrichten, Emails und dergleichen unterbrochen wird.

Zeit für ein Experiment – #analogerapril

Da ich gerne experimentiere, möchte ich mir selbst für den April ein paar Regeln aufstellen. Aufgrund der Taktung, in der ich Blogposts schreibe, kommt dieser hier ein paar Tage vor dem April heraus. Hier meine Idee für die nächsten Beiträge, die hier erscheinen werden (und natürlich für private Schreibprojekte, die es irgendwann ans Licht der Welt schaffen mögen):

Handschrift hat Vorrang, Schönschrift ist nicht gefragt

Ich habe natürlich die Möglichkeit, Rechtschreibfehler beim Abtippen zu korrigieren oder noch einmal kurz umzuformulieren. Allerdings soll die ursprüngliche Formulierung möglichst erhalten werden und nicht durch Google oder Keywords kompromittiert werden. Auf eine besonders geschwungene Schreibschrift kommt es mir dabei nicht an. Stell‘ Dich also auf Kritzeleien und Schmierblätter ein. Du kannst es natürlich anders handhaben, wenn Du möchtest.

Wo nötig, folgt anschließend die Digitalisierung & Formatierung

Nach der ersten Abschrift wird der Text in Scrivener eingepflegt, weil ich alle meine Texte dort sammle. Es folgen noch ein paar Absätze, Hyperlinks und Bullet-Points. Danach wird das Dokument nur noch exportiert und landet hier auf der Homepage.

Nebeneffekt: Emails & Social Media werden auf zwei Besuche täglich beschränkt

Das ist eine Regelung, die ich persönlich gut einhalten kann. Wer hiervon abweichen möchte oder muss, kann das natürlich tun.

Ich habe keine Ahnung, wie lang die Beiträge sein werden. Auch weiß ich nicht, ob sie technischer oder medienreicher werden und schon gar nicht, ob ich mitten im Prozess verzweifeln werde. Aber ich bin sehr gespannt und neugierig, ob sich etwas an meinem Ausdruck und der Quantität meines „Outputs“ ändern wird.

Wenn Du mitmachen willst oder bereits Erfahrungen dieser Art gesammelt hast, teile sie doch mit mir und anderen unter #analogerapril auf Twitter & Facebook! Ich bin gespannt, was dabei herauskommt!


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