Ich weiß, ich weiß… Du schreibst schon ein Leben lang Emails, das @-Zeichen hast Du mitentwickelt und wer könnte Dir, dem Großmeister der wütenden Anschreiben, schon beibringen, Deine Emails mit noch mehr Gusto zu komponieren als Du es ohnehin tust.

Aber vielleicht gehörst Du zu den verwünschenswerten Arbeitskollegen in einer der folgenden Kategorien; vielleicht hat Dir genau deswegen ein Kollege den Link zu diesem Artikel geschickt. In diesem Fall: Möge Bill Gates Deinem Cloud-Speicher gnädig sein.

Treiben Deine Emails Deine Kollegen in den Wahnsinn?

Hier also der ultimative Test dafür, dass Deine Arbeitskollegen erst daran denken, Ihre Blutdruckmedikation einzunehmen, wenn Dein Name im Posteingang erscheint.

1. Du bringst gerne Emotion und Witz in die Betreffzeile

Nüchtern beschreiben, worum es geht? Das kann jeder. Schließlich liest Du jeden Tag, dass ein Kollege sich mit informativen Betreffzeilen wie „Präsentation Februarzahlen (Überarbeitung nötig)“ blamieren.

Du aber hasst jede Form von Konformismus. Und da lässt Du Dich auch nicht beirren. Kritiker gibt’s nicht, nur Neider.

„Wenn Michael aus der Buchhaltung gleich weiß, dass ich ihm die Februarzahlen schicke, öffnet er womöglich nachher meine Mail gar nicht.“

Also verfasst Du blumig-avantgardistische Einzeiler wie „Hiiiilfeeeeeee!“, „??!“ oder „Dringend“.
Nur so kannst Du aus der eintagsgrauen Masse gesichtsloser Arbeiter herausstechen.

2. Du bist bekannt genug, aber Dein iPhone muss vorgestellt werden

Das Kollegium sollte sich endlich damit abfinden, dass wir in der Moderne angekommen sind. Anreden und Schlussformeln sind für Langweiler mit zu viel Freizeit. Schließlich sieht man ja anhand der Adresse, wer schreibt! Da braucht es kein „Sehr geehrter Herr“, geschweige denn „freundliche Grüße“. Dich begrüßt im Aufzug schließlich auch niemand!

Und eben weil Du zu den Geschäftigen unter uns gehörst, kannst Du nicht noch damit belastet werden, die Grußformel „Von meinem iPhone gesendet“ in den Systemeinstellungen zu bearbeiten. Selbst die Leute, die das für Dich erledigen könnten, sind für solchen Schnickschnack zu busy! Die Eingeweihten wissen jedenfalls, was dieser Grußstempel in Wahrheit bedeutet: „Ich bin wichtig.“

3. Du bist infiziert mit Abk.f.ml

Der Abkürzungsfimmel, zu deutsch Abk.f.ml., ist eine ernst zu nehmende Krankheit. Anfangs fast unbemerkt, äußert sie sich durch – man ahnt es schon – zunehmenden Gebrauch von immer unnötigeren Abkürzungen. Und bevor man sich versieht, schreibt man Susanne aus der HR-Abt. wegen der Präsi zum Thema B2B, die nächsten Di dem CEO vorliegen muss, wenn’s geht als PPT.

Sollte der letzte Satz für Dich vollkommen normal aussehen, hast Du alles richtig gemacht und die anderen spinnen höchstwahrscheinlich. Arbeite noch ein paar Anglizismen ein und mach’ fleißig weiter so! Abkürzungen sind eine weitere Möglichkeit zu zeigen, dass man beschäftigt ist… Oder war es „geschäftig“?

4. Deine Emails sind wie ein guter Tatort; die Auflösung kommt zum Schluss

Wie auch beim Betreff zeigst Du in der Email Dein schreiberisches Talent. Vielleicht will die Firma die Mitarbeiter-Emails eines Tages veröffentlichen, dann bist Du ganz vorne dabei!

Die simple Tatsache, dass Du zum morgigen Termin alle Berichte mitbringen wirst, vergräbst Du nebulös im vorletzten Nebensatz des letzten Absatzes. Auf dem Weg dorthin sollen sich Deine Kollegen – diese Kulturbanausen, die nicht einmal Honoré de Balzac kennen – ruhig ein bisschen abmühen.

Deine Erkältung von letzter Woche, der Durchfall Deiner Katze – womöglich wegen der Maus, die sie im Garten gefangen hat –, Dein kaputtes Auto und dieses entsetzliche Meeting vorletzten Mittwoch, oder war es Dienstag?…
Streu’ weiter Blendgranaten! Erwähne bloß nicht das, was zu tun ist, im ersten Absatz Deiner Email. Das wäre zu einfach und auch spießig. Deine Kollegen werden es Dir danken, dass Du regelmäßig Ihre Aufmerksamkeit schulst, damit sie ja nicht schlampig werden.

5. Du bist der Großkönig der Email-Verteiler

Email-Verteiler und -Listen sind der ultimative Ausdruck von Produktivität, jeder weiß das. Wenn jeder alle fünf Minuten über jeden Vorgang in jeder Abteilung informiert wird, kann das nur gut sein.

Warum also nicht den neuen Praktikanten auf den Verteiler für die Budgetplanung und die Messeplanung 2020 setzen? Er will schließlich etwas vom Berufsleben erfahren. Warum die hübsche Kollegin gegenüber nicht per Online-Kalender in Outlook zum Essen einladen? Man will ja zeigen, dass man das Programm beherrscht, oder?

Zwar haben sich schon Kollegen bei Dir erkundigt, wieso gerade sie gerade diese Mail erhalten; aber das soll Dich nicht stören. Du kannst abends nach Hause gehen und hast eine konkrete Zahl, an der Du Dein Produktivitätspensum bemessen kannst. 67 versendete Mails, davon 42 an Verteiler? Oh ja, Du bist eine Produktivitätsmaschine und die Quelle der Motivation für alle Kollegen!

Findest Du Dich in einer Kategorie wieder? Kennst Du weitere Kollegen, Freunde oder Verwandte, die laut dieser Liste auch einen Preis verdienen? Schick ihnen den Link, damit auch sie sich selbst auf die Schulter klopfen können! Vielleicht hast Du ja auch englischsprachige Kollegen? Die kannst Du mit der Übersetzung versorgen.

Wir alle bewundern Euch und wären gerne so wie Ihr! Danke für Euer leuchtendes Vorbild!

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