Im letzten Jahr habe ich alle meine Texte in Scrivener für Mac geschrieben und gerne die Werbetrommel für ein so anpassungsfähiges Schreibprogramm gerührt. Trotzdem kann ich diejenigen verstehen, die zögern oder davor zurückschrecken, all ihre Belange in Sachen Textverarbeitung einem neuen Programm anzuvertrauen.

Deshalb möchte ich in diesem Beitrag auf den Import großer Dokumente in Scrivener für Mac eingehen. Dieser stellt schließlich immer noch eine der größten Hürden beim Programmwechsel dar.

So funktioniert der Import in Scrivener für Mac

Okay, Du bist fest entschlossen, den Kippschalter umzulegen, all-in zu gehen und Scrivener für Mac in Zukunft Deine Dokumente anzuvertrauen. Aber was ist mit der vierteiligen Broschüre samt Anhängen, die Du letztes Jahr in einem anderen Schreibprogramm ausgearbeitet hast?

Genau diese Problematik ist mir neulich begegnet, als ich auf Twitter einem anderen Nutzer Scrivener empfohlen habe. Er befand sich offenbar gerade in der Textverarbeitungshölle. Und wir alle mussten sie schon einmal durchschreiten. Oder hast Du noch nie über Stunden, ein eingefügtes Bild formatiert, weil es immer wieder zurückgesprungen ist?

Ich wusste nur zu genau, wie sehr der Wahnsinn irgendwann Methode hat. Deshalb schlug ich einen Wechsel des Editors vor, in dem Fall zu Scrivener für Mac. Ob es seinen Grafiken seitdem besser geht, habe ich noch nicht erfahren. Ich hoffe aber, es geht ihnen gut, wo auch immer sie gerade formatiert werden.

Eine der Sorgen, die besagter User verständlicherweise hatte, war die vor dem Programmwechsel. Nach vier Stunden Kampf gegen springende Platzhalter hat man andere Sorgen, ich verstehe das. Da es eine Weile her war, dass ich eine größere Word-Datei oder auch Bild-Dateien in Scrivener importiert hatte, konsultierte ich kurzerhand die im Programm integrierte Anleitung sowie einen (englischsprachigen) Kurs auf lynda.com, gehalten von Laura Bergells, den ich nur wärmstens empfehlen kann.

Zur eigentlichen Anleitung

Hier also die Auflösung, der wichtigste Schritt, wenn Du Deine Dokumentsammlung mit umfassenden Word-Dateien in ein Scrivener-Projekt umwandeln möchtest:

Klicke im Menü auf Datei, wähle dann Importieren – Importieren und Aufteilen.

 Import-Dialog in Scrivener

Dieses Menü eignet sich zwar auch für kleine Word-Dokumente (für diese könnte man auch das erste Import-Menü wählen). Allerdings ist es hauptsächlich für umfassende Text-Dokumente mit Abschnitten oder Unterkapiteln gedacht.

Diese Abschnitte nun sollen sich in Scrivener später wiederfinden. Dazu musst Du Überschriften und Abschnitte in Microsoft Word einmalig kenntlich machen.

Wichtig: Kapitelüberschriften & Textanfänge in Scrivener markieren

Um nachher flexibel in Deinem Projekt navigieren und Kapitel der Übersicht halber einklappen zu können, solltest Du sowohl Kapitelüberschriften als auch den Textanfang der Kapitel mit „#“ markieren. Warum? Dazu gleich mehr…

Standardmäßig benutzt Scrivener zur Wiedererkennung der Abschnitte das Rautezeichen (#), wie man im Import-Dialog sehen kann. Siehst Du diese Angabe nicht, klicke im beschriebenen Import-Fenster auf Optionen.

Du solltest hier ein Zeichen wählen, das im eigenen Dokument nicht vorkommt. Ein Ausrufezeichen oder Komma wäre also eine denkbar schlechte Wahl. Wenn Du im Text keine „#“ verwendet hast, klicke einfach auf Importieren, nachdem Du über das Finder-Fenster das gewünschte Dokument ausgewählt hast.

Zur Erklärung: Es geht auch darum, nachher besser im Dokument navigieren zu können. Wenn Dein Dokument also schon eine Kapiteleinteilung besitzt, musst Du vor die Kapitelüberschriften lediglich „#“ (oder ein anderes Sonderzeichen) setzen. Willst Du auch die Kapitel in Sektionen unterteilen, musst Du auch hier die Zeichen setzen. Und keine Sorge: Das Ganze wirkt sich nicht auf Dein Layout aus.

Der Import selbst mag – je nach Dokumentgröße – einen Moment in Anspruch nehmen. Sobald der Importvorgang abgeschlossen ist, erscheint jeder Textabschnitt, den Du mit dem gewählten Symbol („#“) markiert hast, als Neuer Text, also getrennter Abschnitt, in der Mappe auf der linken Seite.

Und als Vorbereitung auf die eigentliche Textverarbeitung…

…nun der Profi-Tipp, für den wir vorhin Überschriften und Textanfänge markiert haben: Klickst Du in der Mappe mit der rechten Maustaste auf einen Textabschnitt, kannst Du jeden von ihnen in Ordner umwandeln. Ist das einmal passiert, kannst Du wie gewohnt Abschnitte in Ordner ziehen und Ordner ein- oder ausklappen.

Hier liegt nun das Gold vergraben, das Scrivener zum Schreibprogramm im eigentlichen Sinn des Wortes macht. In Words Gliederungsübersicht schaust Du permanent auf alle Kapitel samt Unterkapiteln. In Scrivener kannst Du diejenigen, die schon abgeschlossen oder gerade irrelevant sind, zuklappen und behältst so den Überblick. Auch kannst Du ganze Kapitel hin- und herschieben und so binnen Sekunden die ganze Gliederung ändern. In Word wäre das nur über Ausschneiden und Einfügen machbar und bei größeren Dokumenten mit Fußnotenapparat nervenaufreibend.

Das war’s auch schon! Dein Dokument ist jetzt als Scrivener-Projekt gespeichert. Und solltest Du nach längerer Bearbeitung noch einmal zurückwechseln oder mit anderen Word-Nutzern zusammenarbeiten wollen – beim Zusammenstellen stehen Dir in Scrivener neben dem PDF-Format auch RTF, RTFD, Ms. Words DOC und DOCX sowie das OpenOffice-Format ODT oder Klartext (TXT) und viele andere Optionen zur Verfügung. Dem Sprung zurück steht also nichts entgegen.

Alltagsprobleme mit dem Schreibprogramm? Melde Dich zu meinem fünfteiligen Email-Kurs zur Textverarbeitung an!

Hast Du noch Fragen zur Textverarbeitung, zu Schreibprogrammen oder Dateiformaten? Dann schreib’ mir eine Mail, sende mir eine DM oder einen Tweet auf Twitter oder kontaktiere mich über meine Facebook-Seite!

Ich freue mich, wenn ich Dir weiterhelfen kann!

Diesen Blogpost habe ich im Rahmen des „Analogen Aprils“ zuerst mit dem Füller geschrieben. Für einen Monat möchte ich mehr darüber erfahren, wie die Art zu schreiben meine Texte und Arbeitsweise beeinflusst. Mehr dazu findest Du auch hier. Habe ich Dein Interesse geweckt? Willst Du mitmachen?

Die Regeln sind recht einfach, schreib alles zuerst von Hand und überführe es, wo nötig, in digitale Formate für Dein Schreibprogramm. Teile anschließend Deine Erfahrungen hier in den Kommentaren, auf Twitter und Facebook oder per Email! Ich bin gespannt!

Damit Du siehst, dass ich nicht nur so tue als ob und auch „Taten folgen lasse“, wie man so schön sagt, hier meine krakeligen Notizen zu diesem Blogbeitrag (mit Ausnahme des letzten Absatzes, den ich vorher für die Reihe verfasst habe).

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