In diesem Blogpost teile ich meine Erfahrungen zum Schreiben mit dem Diktierprogramm Dragon Professional Individual mit dir. Wie schreibt es sich als Blogger und Autor mit Dragon?

Im Laufe der Zeit werde ich den Beitrag immer wieder aktualisieren, sofern ich neue Einsichten gewinne oder Updates herauskommen. Heute werfen wir nur einen Blick auf die Alternativen zu Dragon, die Preise, nötige Hardware, die unterschiedlichen Versionen von Dragon und zu guter letzt die Königsdisziplin: Transkription.

Warum überhaupt mit Dragon Texte diktieren?

Wie wahrscheinlich jeder Autor bin ich fasziniert von allem, was mir erlaubt, meine Arbeitsabläufe und Texterstellung zu verbessern.

Mehr Text schreiben und dabei Zeit sparen? Wo darf ich unterschreiben?

Prinzipiell bin ich zwar ein absoluter Verfechter des handschriftlichen Schreibens, allerdings kann selbst ich nicht leugnen, dass es zeitlich einfach nicht effizient ist. Mittlerweile habe ich ein System ausgetüftelt, das mir erlaubt, meiner Leidenschaft für handschriftliche Notizen zu folgen und gleichzeitig die Zeitersparnisse des Diktierens voll auszunutzen.

Bevor ich dir dieses System genauer erläutere, gehen wir kurz auf die kostenlosen Alternativen zu Dragon ein, die du vielleicht schon genutzt hast oder von denen du gerne wüsstest, ob sie eine vollwertige Alternative zu Dragon darstellen.

Spracherkennung bei Google Docs, Siri und Co.

Siri, Google Docs & Dragon im Vergleich

Mittlerweile hat sicher jedes Betriebssystem seinen eigenen Sprachassistenten zur Hand. Was früher Marty McFly vorbehalten war, ist heute so selbstverständlich wie laufendes Wasser. Microsoft hat Cortana, jeder Macintosh- und iPhone-Nutzer ist vertraut mit Siri, und selbst in Google Docs steht uns eine vollwertige Diktierfunktion zur Verfügung, sofern wir Google Chrome benutzen.

Wie es für Linux-Nutzer aussieht, kann ich leider nicht sagen. Diesen Markt habe ich längere Zeit nicht verfolgt. Allerdings wäre es interessant zu wissen, ob sich hier auch etwas getan hat. Falls du Linux-Nutzer bist und dir eine solche Lösung vertraut ist, würde ich mich über eine E-Mail mit deinen Erfahrungen freuen!

Heute kann ich sagen, dass ich wohl die meisten Optionen schon durchgespielt habe. Mit Cortana habe ich zugegebenermaßen wenig Erfahrungen gemacht. Dafür umso mehr mit Siri und insbesondere mit der Diktierfunktion in Google Docs.

Kannst du dich nun auf sie verlassen? Oder kommt bei einer Flaschenpost zum Mars mehr Inhalt durch?

Siri: Tut mir leid, ich kann Fensterleder leider nicht in deinen Kontakten finden

Laut meiner Erfahrung ist Siri im deutschsprachigen Bereich wirklich schwach auf der Brust. Testweise habe ich auch englischsprachige Texte diktiert. So konnte ich feststellen, dass die Fehler, die mich im Deutschen wirklich in den Wahnsinn treiben, im Englischen zumindest seltener vorkommen. Für deutschsprachige Autoren sicher kein Trost.

Hauptsächlich sind es Probleme mit dem deutschen Satzbau oder der Reflexion von Nomen und Adjektiven. In den meisten Fällen blickt Siri einfach nicht durch und versucht, das mangelnde Sprachverständnis mit an den Haaren herbeigezogenen Vokabeln zu kompensieren. Nicht wirklich hilfreich.

Auch wenn das Thema hier nur am Rande eine Rolle spielt: Die gleiche Erfahrung habe ich auch mit dem Sprachassistenten gemacht. Hier scheitert es schon an der simplen Aufgabe, den Satz „Erinnere mich daran, Milch zu holen“ so umzusetzen, dass die Erinnerung später nicht “Milch zu holen” lautet.

Ich weiß, wie pingelig ich jetzt klinge. Und ja, ich kann meine Erinnerung durchaus verstehen, selbst wenn sie “Bernd anzurufen” lautet. Das Problem ist aber nicht meine Toleranz für holprige Sätze, sondern Siris mangelnde Fähigkeit, die deutsche Grammatik zu erfassen. Kein guter Start für ein Diktierprogramm.

Sicher, um die Füße ins Wasser zu halten, ist Siri eine Option. So kannst du testen, wie es sich anfühlt, mit einer Maschine zu sprechen. Außerdem kommt der Assistent kostenlos mit jedem Mac. Sofern du also ohnehin schon Macintosh-Nutzer bist, probier es einfach aus. Vielleicht weichen deine Erfahrungen von meinen ab.

Für mich ist Siris Spracherkennung so hilfreich wie ein Föhn in der Sahara, wenn auch nicht in der Badewanne. Aber kann die Konkurrenz es besser?

Google Docs: Sprachlicher Kraftmeier mit Kommaschwäche

Mit Google Docs war ich um Welten zufriedener. Allerdings kann ich auch hier nicht von einer perfekten Lösung sprechen. Grundsätzlich versteht Googles Diktierprogramm die deutsche Sprache besser als Siri.

Selbst, wenn ich zwischen deutschen und englischen Begriffen wechsle, streikt das Programm nicht und liefert mir – beispielsweise beim Wort „E-Mail“ – die korrekte Schreibweise. Auch das klingt trivial. Aber wenn Du nicht gerade historische Romane schreibst, wirst Du schnell merken, dass die Apps gerade über fremdsprachige Lehnwörter stolpern, als müsstest du per Dosentelefon bei einem Disco-Barkeeper bestellen.

Dafür hakt es bei Google häufig mit der Zeichensetzung. Aus irgendeinem Grund, den ich nicht ganz nachvollziehen kann, macht das Diktierprogramm in Google Docs es von deinem Sprachrhythmus oder Timing abhängig, ob es das ausgesprochene Wort „Komma“ als das Wort oder das Satzzeichen umsetzt. Leider ist es in den meisten Fällen das Wort. Wenn du nun in Gedanken durchspielst, wie häufig du im Alltag ein Komma setzt, kannst du dir vorstellen, wie nervig das werden kann.

Noch schlimmer ist es bei selteneren Satzzeichen wie dem Gedankenstrich oder Doppelpunkt. Ich gebe gerne zu, dass das keine leichte Aufgabe ist. Allerdings fügte das nachträgliche Überarbeiten meiner Dokumente dem gesamten Schreibprozess letztlich so viele Stunden hinzu, dass die Zeitersparnis, die ich durch das Diktieren gewonnen hatte, immer weiter schrumpfte.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass offensichtliche Patzer leichter zu korrigieren sind. Wenn das Programm “Rekorder” anstatt “Sitzorder” schreibt, geht es danach unbeirrt weiter. Sobald aber die Zeichensetzung nicht stimmig ist, versuchen die Apps, andere Zusammenhänge herzustellen. Die App kann sich nicht mehr an der Satzstruktur orientieren und schon fliegt dein Satz schneller auseinander als ein Mikadospiel im Windkanal.

Zu guter letzt bleibt übergreifend für beide – Siri und Google Docs – zu sagen, dass ein Hauptmerkmal sie hinter Dragon zurückfallen lässt: Die Fähigkeit, mit der Zeit zu lernen.

Alleinstellungsmerkmal: Dragon lernt dich kennen

Dragon aktualisiert regelmäßig dein Sprachprofil

Dragon aktualisiert regelmäßig dein Sprachprofil

Dragon* nimmt sich immer wieder eine Auszeit, um dein Sprachprofil zu aktualisieren und aus deinen bisherigen Diktaten zu lernen. Dadurch wird die Spracherkennung akkurater und Dragon kann sich nebenbei deine Manierismen und Macken einprägen. Und mach dir nichts vor, Macken haben wir alle!

Weder Cortana noch einer der anderen Spracherkennungsdienste ist überhaupt imstande, mit der Zeit zu lernen. Sprachlich sind sie beratungsresistent wie Hulk in der Wut-Therapie.

Das liegt einfach daran, dass die Diktierfunktion bei Microsoft, Apple und Google nicht im Fokus steht. Sie ist eine Begleiterscheinung. Letztlich wollen dir die Firmen einen persönlichen Assistenten liefern, keinen möglichst akkuraten Spracherkennungsdienst. Über die Zeit werden also Siri oder der Google Assistant lernen, wer deine Mutter ist und wann sie Geburtstag hat. Ob wir allerdings in naher Zukunft damit rechnen dürfen, dass sie deine Aussprache des Wortes “Wolkenkratzer“ hinterlegen, bleibt abzuwarten.

Nachdem ich nun mehrere Anläufe mit dem Diktieren gestartet hatte und von der Idee der Zeitersparnis schon begeistert war, diese aber noch nicht spürbar wahrnehmen konnte, war Sparen angesagt.

Größter Nachteil von Dragon: Der Preis

Das größte Manko, wenn du dir überlegst, deine Texte mit Dragon zu diktieren, ist sicherlich die anfängliche Investition. Nicht nur, dass alle anderen Lösungen kostenlos oder zumindest im jeweiligen Betriebssystem integriert sind, Dragon ist auch im Vergleich zu zahllosen anderen Programmen irre teuer.

Und mit dem Programm selbst hast du das Ende der Fahnenstange ja noch nicht erreicht. Du brauchst ein gutes Mikrofon – sei es in deinem Smartphone, einem Diktiergerät oder einem externen Mikrofon, das du am Rechner anschließt – und, sofern du noch keinen besitzt, einen Rechner mit entsprechender Kapazität und einem schnellen Prozessor. Alles Dinge, die das Autorenleben bis dato nicht eingefordert hat.

Ich brauch dir hier nichts vorzumachen. Kaufentscheidungen dieser Größenordnung treffe ich so träge wie Herr Frodo den Ring ins Feuer wirft. Zugegeben, ein Mikrofon hatte ich mir schon vorher zugelegt. Hier entschied ich mich für das Blue Yeti*.

Für mein ideales Set-up brauchte ich trotzdem noch mehr, sodass ich am Ende mit knapp 700 € zu rechnen hatte. Katsching! Da klingelt die Kasse. Eine Stange Geld, die sich der Schreiberling erst mal verdienen will. Denke aber daran, dass du in deine Gesundheit investierst, weil du idealerweise beim Schreiben mobiler bist, deine Texte überall verfassen kannst und gleichzeitig mehr Text zu Papier bringst.

Mir persönlich waren diese Punkte eine Investitionen wert. Manchmal beginnt meine Aufnahme aber trotzdem noch mit dem Mantra “Für deine Gesundheit und mehr Text, für deine Gesundheit und mehr Text…”.

Bevor du dich aber zum Kauf entscheidest, musst du dich unbedingt mit den verschiedenen Versionen auseinandersetzen, was bei Dragon nicht immer leicht fällt.

Welche Version von Dragon ist die richtige für mich?

Welche Version von Dragon ist die richtige für mich?

Viele Autoren sind schon mit der Auswahl der richtigen Version von Dragon überfordert. Und das kann ich durchaus verstehen. Ich selbst habe mir schon vor dem Kauf einen Ratgeber von Scott Baker zum Diktieren gekauft, was wohl dafür spricht, wie unübersichtlich das Angebot ist.

Zu Bakers Ratgeber kann ich dir nur raten, wenn du mehr Input zum idealen Aufbau, zur anfänglichen Einrichtung und zu den Feinheiten beim Diktieren selbst suchst. Die wichtigsten fasse ich hier für dich zusammen.

Der erste und wichtigste Tipp, den Baker auf seiner Website, aber auch im E-Book gibt, ist folgender:

Greif zur Windows-Version, auch als Mac-Nutzer!

Besorg dir nicht die Mac-Version von Dragon, sondern greif auf die Windows-Version zurück. Egal, auf welcher Plattform du arbeitest. Das wird gerade die Mac-Nutzer – wie mich damals auch – irritieren. Dafür sind wir doch nicht auf der guten Seite der Macht! – Lass es mich kurz erklären.

Die Windows-Version* stammt von den Entwicklern von Nuance selbst. Dagegen handelt es sich bei der Mac-Version um ein Programm, das Nuance zu einem späteren Zeitpunkt aufgekauft hat. Deshalb basiert das Programm nicht auf demselben Quellcode. Und nach dem, was ich in Amazon-Bewertungen beider Versionen gelesen habe, besticht die Mac-Version mit mehr Abstürzen als ein Kamikaze-Geschwader.

Bewertungen Dragon für Mac

Bewertungen der Mac-Version von Dragon auf Amazon

Das wollte ich mir ersparen und deshalb möchte ich diesen allerwichtigsten Tipp auch an dich weitergeben.

Virtuelle Maschine (Parallels)

Gleichzeitig bedeutet das natürlich, dass du – sofern du Dragon auf dem Macintosh einsetzen willst – zusätzlich zur Software auf eine virtuelle Maschine zurückgreifen musst. Sorry, ich weiß, es wird nur noch teurer.

Ich habe früher schon Erfahrungen mit Parallels gemacht. Ein Programm, das ich dir nur empfehlen kann. Wenn dein Mac allerdings älteren Datums ist, solltest du ernsthaft darüber nachdenken, ob ein neuer Rechner nicht die bessere Lösung ist. Auch hängt es natürlich davon ab, ob du alle Arbeitsschritte unbedingt auf einem Rechner erledigen willst oder sie vielleicht auf zwei Maschinen verteilen kannst.

Ich bin damals dazu übergegangen, einen im Vergleich zu meinem Mac alten Windows-Klopfer für die Transkription einzusetzen. So konnte ich die Texte via Google Docs synchronisieren und sie später auf dem Mac bearbeiten. Der Zufall wollte es, dass wir noch einen alten Windows-Rechner zur Verfügung hatten, den sonst keiner brauchte. Mir ist klar, dass dieser Luxus nicht jedem zur Verfügung steht. Ich sage nur, dass du vorher über dein Setup inklusive aller Geräte nachdenkst und erst dann zur richtigen Version greifst.

Unabhängig von den Betriebssystemen ist natürlich die Frage offen, ob du dich für die professionelle Version, eine für Juristen oder Mediziner, oder für die Edition für Privatnutzer entscheidest.

Von den Sondereditionen für Juristen und Mediziner kann ich an dieser Stelle nicht berichten. Schon aus dem einfachen Grund, dass ich weder Jura noch Medizin studiert habe. Um ausreichend und gerecht darüber zu urteilen, ob das Programm bei gleichbleibender Erkennungsrate also auch Fachvokabular identifiziert, müsste ich Experten zurate ziehen.

Bleiben noch die Edition für Privatnutzer und Dragon individual Professional*. Ich habe mich damals für letztere entschieden, aus folgendem Grund: Die professionelle Version bietet dir die Möglichkeit, mehrere Sprachprofile anzulegen.

Das bedeutet im Klartext: wenn du Texte in mehreren Sprachen verfassen möchtest, kannst du beispielsweise ein Sprachprofil für deine englischen Texte und eins für deine deutschen nutzen.

Diese Option steht dir bei der Privatnutzer-Version nicht zur Verfügung. Da ich für die Zukunft zumindest nicht ausschließen konnte, dass ich jemals wieder englischsprachige Blogposts verfassen würde, wollte ich hier auf Nummer Sicher gehen.

Ein weiteres Argument war aber noch wichtiger. Nur die professionelle Version von Dragon (Dragon Professional Individual) erlaubt dir, Aufnahmen nachträglich zu transkribieren.

Was ist Transkription?

Hier kommen wir jetzt zum Hammer-Feature, was Dragon für mich um Meilen von allen anderen Programmen absetzt. Wenn du deine Texte diktierst, kannst du das bei allen anderen Programmen ausschließlich dann tun, wenn du vor dem Rechner hockst und dem Programm dabei zusiehst, wie es deine Sätze in Text umwandelt.

Das wollte ich nicht. Unter anderem aufgrund der Empfehlung von Scott Baker. Er lobt die Transkription in den höchsten Tönen, nicht zuletzt, weil sie ihm – und mittlerweile auch mir – die Freiheit gibt, sich vom Schreibtisch zu lösen und an jedem erdenklichen Ort Texte zu verfassen. Sitzen ist schließlich das neue Rauchen, wie man so schön sagt.

Bei der Transkription nutzt du ein Aufnahmegerät (theoretisch reicht dafür sogar dein Smartphone, sofern es sich um ein halbwegs aktuelles Gerät handelt), sprichst deine Texte ein, überträgst die Datei auf den Rechner und lässt sie nachträglich erst von Dragon in eine Textdatei umwandeln. Diese Fähigkeit besitzt keines der anderen Programme. Erst recht nicht in Kombination mit der Lernfähigkeit, von der wir vorher schon sprachen.

Endlich darfst du dich fühlen wie der junge Lord Fauntleroy und deine Korrespondenzen oder dein nächstes Sonett aufsagen, während du die Gemäldegalerie entlangschreitest. Aber vielleicht bin das nur ich…

Die professionelle Edition von Dragon erlaubt ihr jedenfalls, deine Texte in ein Diktiergerät, dein Smartphone oder auch in ein externes Mikro zu sprechen, und sie später umwandeln zu lassen wie von Zauberhand. Aber eines solltest du dabei vermeiden.

Dragons Spracherkennung in Word nutzen? Besser nicht!

Dragon und Word? Kein gutes Team!

Die erste Vorstellung vom Diktieren sieht meistens so aus: Du sitzt vor dem Rechner und öffnest dein Word-Dokument und ein Diktierprogramm, um deine Texte wie magisch in Word erscheinen zu lassen.

Wenn du Fehler im Dokument siehst, lässt du per Sprachbefehl den Cursor zurückspringen, korrigierst kleine Fehler und rührst dabei keinen Finger.

Im Prinzip geht das auch. Und wenn du sehbehindert bist, ist Dragon sicher eine der besten Lösungen, um deinen Rechner per Sprachbefehl zu bedienen.

Allerdings rate ich grundsätzlich davon ab, Dragon in Kombination mit einem vollwertigen Schreibprogramm wie Microsoft Word oder Pages zu verwenden, aus zwei Gründen:

Zum einen sind beide Programme mehr als rechenintensiv. Dabei vertragen sie sich mehr schlecht als recht. Dass dein Cursor im Programm umherspringt wie ein Vierjähriger mit Zuckerschock, wird eins der kleineren Probleme sein.

Zum anderen entgeht dir dadurch einer der großen Vorzüge des Diktierens, nämlich das Schreiben vom Überarbeiten zu trennen. Wenn du den Erstentwurf klar vom Überarbeiten und Gliedern trennst, schwöre ich dir, dass du nach einer kurzen Eingewöhnung mehr Text zu Papier bringen wirst.

Wirst du dich am Anfang ärgern, dass du einen Nebensatz nicht mehr umformulieren kannst oder ein Komma vergessen hast? – Sicher.

Nach den ersten Tagen legst du aber den Hebel um und diktierst schon mit immer kleineren Pausen ganze Absätze. Um die Formatierung, Überschriften oder das perfekte Verb für deinen Satz kümmerst du dich später. Zuerst braten wir das Fleisch an, später schmecken wir die Kartoffeln ab.

Und damit sind wir bei Dragons wichtigster Funktion angelangt, dem Transkribieren.

Das ideales Setup zum Transkribieren deiner Texte

Einen kleinen Einblick in meine Arbeitsabläufe habe ich dir jetzt schon gewährt. Gehen wir auf die Details ein.

Für mich ist Dragon das ideale Mittel für den schnellen Erstentwurf. Ich erwarte vom Programm nicht, dass es meine Texte absolut perfekt und fehlerfrei inklusive Absätzen zu Papier bringt. Dafür gibt es Überarbeitungsphasen. Ich möchte nur meine ersten Entwürfe schnell, effizient und ortsungebunden festhalten. Dafür ist Dragon ideal!

Deshalb kann ich dir auch nicht sagen, wie gut die Korrekturfunktionen oder das Streichen in Dragon funktionieren. Letztlich benutze ich diese nur nachträglich beim Einpflegen meiner Aufnahmedateien. Hier also mein Setup:

Für die anfängliche Eingewöhnungsphase habe ich das Blue Yeti* genutzt. Auch meine E-Mails diktiere ich manchmal damit, um Zeit zu sparen. Der Großteil meiner Diktierarbeit bleibt aber das Transkribieren. An den ersten Einstellungen wir Genauigkeit vs. Geschwindigkeit wollte ich zunächst nichts ändern. Mit der Zeit beabsichtige ich, hier noch das eine oder andere Experiment durchzuführen.

Auch bin ich Scott Bakers Empfehlung gefolgt und habe Dragon keinen Zugriff auf meine E-Mails gewährt. Die Logik fand ich bestechend: Warum sollte Dragon deinen Stil besser kennenlernen – und darum geht es ja am Ende – wenn es deine E-Mails genauso liest wie diejenigen aller Menschen, mit denen du in Kontakt stehst? Beim Anlernen der App habe ich mich also darauf beschränkt, Dragon meine bereits geschriebenen Texte vorzulesen. Hat was von Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, ist es aber wert.

Heutzutage beginnt jeder meiner Texte mit einer handschriftlichen Gliederung. Die nimmt nicht mehr als ein paar Sekunden in Anspruch. Kurz die Unterpunkte auf Papier festhalten und diese ggf. durch die Keyword-Recherche ergänzen. Damit kann ich kurz meiner Füller-Völlerei frönen, ohne zu viel Zeit darauf verwenden zu müssen.

Tonaufnahmen: Diktiergerät oder Smartphone?

Weiter geht’s mit dem eigentlichen Diktieren: In aller Regel nehme ich meine Texte mit dem Olympus-Diktiergerät WS 853* auf. Hauptsächlich, damit ich mich fühlen kann wie ein Siemens-Boss. Nein, Scherz. Ein Diktiergerät hat den großen Vorteil, dass ich ein dediziertes Gerät nur für meine Texte nutze, auf dem mich keine anderen Apps ablenken. Außerdem profitiere ich so natürlich von der weitaus längeren Akkulaufzeit gegenüber einem Smartphone.

Nichts ist nerviger als ein toter Akku beim nächsten Geistesblitz. Schnell, schnell – Düdümm.

Mit dem Diktiergerät bleibt mir der Akku mehrere Tage treu, während gerade im Winter mein iPhone draußen auf dem freien Feld schon mal mitten in der Aufnahme vor Väterchen Frost kapituliert. Da ich gerade meine Zeit unterwegs produktiver gestalten wollte, musste noch ein Windschutz her. Das WS 853 kommt zwar mit einer recht zuverlässigen Rauschunterdrückung, aber auf offenem Feld pfeift hier auf dem Land schon mal der Hecht. Sicher ist also sicher.

Da mir das sonst so weise Amazon keinen Windmuff – jawohl, so heißen die Dinger! – empfehlen konnte, den es gleich dem Olympus zuzuordnen wusste, habe ich mich grob an den Abmaßen des Diktiergeräts und dem Durchmesser des Muffs orientiert. Meine Entscheidung fiel dann auf ein Modell von Movo (Amazon-Link). Am Ende sitzt er etwas locker. Allerdings brauche ich ihn auch nur an den wirklich stürmischen Tagen. Und so sieht er dann aus, mein wetterfester Diktier-Troll:

Olympus WS 853 mit Muff

Olympus WS 853 mit Muff

Viele werden jetzt denken: “Akkulaufzeit, schön und gut. Aber warum all der Aufwand für ein antiquiertes Gerät, das heute als App auf jedem Smartphone integriert ist?” – Im Prinzip völlig richtig, solange du nur auf die Funktion des Diktierens achtest. Auch ein Smartphone wird dir gute Tonqualität liefern und kann die Dateien obendrein drahtlos synchronisieren. Für mich hatte das Diktiergerät aber ein paar “Funktionen”, die diesen Komfort übertrumpfen.

Ganz wichtig: Ich kann das Diktiergerät mit Tasten bedienen. Unschlagbar.

Das klingt zunächst trivial. Wenn du allerdings umfangreichere Texte diktieren möchtest, wirst du schnell merken, wie lästig es werden kann, deinen Bildschirm immer wieder aufzuwecken, um zwischendurch die Aufnahme zu pausieren oder abzuspeichern. Ich hab’s schon mit dem iPhone ausprobiert. Auch wenn die Aufnahmequalität wirklich gut war, hat es einfach unendlich genervt, dass ich für jede noch so kleine Pause den Bildschirm aufwecken musste. Mal ganz davon zu schweigen, dass ich den Akku dann für den Rest des Tages neu aufladen muss.

Das Olympus-Gerät ist vergleichsweise günstig – ich weiß, ich weiß, schon wieder Geld ausgeben! – und liefert die für mich wichtigsten Funktionen. Ich kann meine Dateien in verschiedenen Ordnern ablegen, den Speicher mit einer SD Karte erweitern und zur Not sogar meine Aufnahmen über den integrierten Lautsprecher abspielen. Wenn du dir einen Überblick über die Funktionen im Vergleich zu anderen Diktiergeräten verschaffen willst, sieh es dir auf Amazon an.

Wie bei allen anderen Geräten auch gibt es nach oben natürlich keine Grenze. Wenn du ein Diktiergerät mit beleuchtetem Display und weiteren Funktionen suchst, wirst du natürlich mehr anlegen müssen. Ich wollte eine simple Lösung ohne Schischi. Schließlich ist der Rest schon teuer genug und viele Funktionen wie Stereo-Aufnahmen sind für Dragon einfach überflüssig.

Der wichtigste Schritt beim Transkribieren mit Dragon

Wenn ich nun meine Sprachdateien aufgenommen habe – das mag beim Spaziergang mit dem Hund, im Arbeitszimmer oder auch im Garten passieren – übertrage ich die MP3 auf den Windows-Rechner und transkribiere sie in Dragon Professional Individual.

Wichtig: Ich lasse Dragon den entsprechenden Text anschließend im integrierten Klartext-Editor DragonPad öffnen. Und das nicht, weil ich ihn so toll finde. Er hat dieselben einfachen Funktionen wie Textedit auf dem Mac oder Notepad in Windows.

Der große Vorteil von Dragon ginge nur andernfalls verloren. In DragonPad kann ich nämlich nachträglich die Transkription korrigieren, als würde ich gerade erst diktieren. Per Rechtsklick gehe ich also jetzt meinen Text durch und lasse Dragon wissen, welche Worte es missverstanden hat. Dadurch lernt die Spracherkennung im Laufe der Zeit hinzu und schlägt mir beispielsweise nicht mehr vor, das Wort “Blogpost” als “Blockforst” zu schreiben.

Wenn einmal die peinlichsten Patzer behoben sind, synchronisiere ich den Text durch Copy & Paste mit einer Dokumentvorlage in Google Docs.

Sollte ich Dragon tatsächlich korrigieren, beschränke ich mich dabei auf solche Vokabeln, die ich häufiger verwenden werde. Es bringt meines Erachtens nichts, auf Feinheiten hinzuweisen, etwa auf den Unterschied zwischen „einigen und „einigem. Die Tatsache, dass Dragon dich hier missversteht, hat nichts mit deiner schlechten Aussprache zu tun. Solche Unterschiede sind selbst für die beste Software irre schwer auseinanderzuhalten.

Nachdem nun der erste Entwurf steht, gliedere ich das Dokument, füge Absätze hinzu, ergänze manche Sätze, formuliere um oder füge Überschriften ein.

Du siehst, es geht nur darum, die erste große Textmasse schnell und effizient zu bewältigen. Ich erwarte von Dragon nicht, dass es mich bis zur Ziellinie bringt. Überarbeiten muss ich meine Texte im Endeffekt so oder so. Dadurch, dass ich allerdings beim Erstentwurf mindestens zwei Drittel meiner Zeit eingespart habe, kann ich wesentlich weniger Zeit am Schreibtisch verbringen.

Wo sind die Grenzen der Spracherkennung?

Ich nutze Dragon noch nicht lange genug, um behaupten zu können, ich hätte seine Grenzen ausgelotet. Bislang bin ich mit dem Kauf und meiner Lösung aber mehr als zufrieden. Beim Abfassen meiner Texte kann ich mich frei bewegen, ich spare Zeit und habe meinen Output mindestens um das dreifache erhöht (auch wenn man das gerade hier auf dem Blog nicht bemerkt). Für bestimmte Situationen ist Dragon aber nach meiner bisherigen Einschätzung einfach nicht geeignet.

Wie bereits erläutert, nutze ich es wie Scott Baker für den Erstentwurf. Selbst bei dieser Vorgehensweise halte ich das Programm für einige Textarten nur begrenzt für nützlich.

Ist Dragon für Romanautoren und Dramaturgen brauchbar?

Ist Dragon für Romanautoren brauchbar?

Nehmen wir Fantasy-Romane. Bakers Lösung für die speziellen Anforderungen dieser Gattung lautet, dass du dir für deine wahrscheinlich komplexen und ungewöhnlichen Orts- und Figurennamen Ersatzbegriffe ausdenkst. Ich bin kein Fantasy-Autor und kann mich deshalb nur bedingt in die Situation hineindenken.

Wenn ich allerdings an die Fantasy-Romane denke, die ich in der Vergangenheit gelesen habe, dann glänzen diese selten durch kleine, überschaubare Welten mit begrenztem Personal und winziger Szenerie. Ob es also sinnvoll ist, deine 350 Figuren zunächst bürgerlich zu taufen und nachträglich via „Suchen und Ersetzen“ umzubenennen, musst du für dich entscheiden. Auf mich wirkt es so, als müsse man mit aller Gewalt einen proof of concept vorbringen. Sicher, mit einem Hammer geht die Schraube auch in die Wand. Ob du das willst, ist eine andere Frage.

Schreibst du Fantasy-Romane und hast schon Erfahrungen mit Dragon gemacht? Lass es mich wissen!

Auch das Schreiben von Dialogen bzw. Theaterstücken halte ich mit Dragon für schwierig. Derzeit arbeite ich noch an meinem ersten Stück, für das ich zu Beginn auf die großen Vorteile der Vorlagen in Scrivener zurückgegriffen habe.

Die Vorschläge, gleich den Namen via Tab einzufügen oder zu den Szenenbeschreibungen zu wechseln, ersparen mir wirklich irre viel Zeit. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich mir derzeit nicht direkt vorstellen kann, denselben Text zu diktieren. Die ersten Szenen habe ich von Hand geschrieben, den dritten Akt hauptsächlich direkt in Scrivener eingepflegt. Seit einiger Zeit dauert noch die Überarbeitungsphase an, in der ich den Sprachstil einiger Figuren anpasse.

Bevor es an den letzten Akt herangeht, möchte ich auf jeden Fall noch probieren, ob das Diktieren zu einem anderen Sprachgefühl oder sogar besseren oder verschlimmbesserten Dialogen führt.

Da es sich um ein Drama handelt, bleibt mir schon mal das furchtbare Autorenschicksal erspart, dem Diktiergerät mitten im lebhaften Dialog die Anführungszeichen zu diktieren. Grundsätzlich glaube ich, dass der Schreibstil durch das Diktieren lebhafter werden kann. Vor meinem geistigen Ohr klopft aber der Tod jeder Emotion an der Tür, wenn ich an Dialoge denke wie “Sie sagte – Anführungszeichen auf – Dass ich dich zu Gesicht bekomme – Ausrufezeichen – Anführungszeichen zu…”

Macht Freude wie ein Beipackzettel, oder?

Um mit Dragon erfolgreich diktieren zu können, musst du ohnehin einen gigantischen Schalter im Kopf umlegen. Je länger du vorher schweigend an der Tastatur gearbeitet hast, desto größer der Schalter.

Es wird sich komisch anfühlen, mit einem Gerät zu sprechen. Wenn du also noch mit dem Gedanken spielst, dich ans Diktieren heranzutasten, rate ich dir dringend dazu, es jetzt schon überall in deinen Alltag zu integrieren. Diktiere deine SMS oder WhatsApp-Nachrichten, deinen Facebook-Status und deine E-Mails. Nur so bekommst du ein Gefühl dafür, wie es ist, verschiedene Textarten mitsamt der Zeichensetzung zu diktieren.

Hast du Fragen zum Diktieren?

Im Laufe der nächsten Wochen und Monate werde ich aber diesen Bericht noch ergänzen und aktualisieren, damit du einen abgerundeten Eindruck erhältst und einschätzen kannst, wo die Stärken und Schwächen von Dragon für die Autoren verschiedener Genres und Textarten liegen.

Und wenn du Interesse hast, zeige ich dir gerne die Einzelheiten meines Setups, der Installation oder bestimmter Funktionen in einem Tutorial. Lass mich einfach wissen, ob das für dich interessant wäre!

Wenn du Fragen zu Dragons Funktionen oder zur Hardware hast, schick mir doch eine E-Mail! Ich helfe gerne aus und binde die ausführliche Antwort auch gerne in eine Video-Anleitung ein.

Mach’s gut, wir lesen uns!

 

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Dragon für Autoren – Diktieren ist Silber, Transkribieren ist Gold

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