Wenn’s dir so geht wie mir, bist du ständig auf der Suche nach gepfefferten Überschriften für deinen Blog. Das ganze natürlich unter dem zeitlichen Druck deines Redaktionsplans. Hier ein paar Tricks, die dir bei der Content-Strategie helfen und deinen nächsten Titel aufpeppen.

Kreative Überschriften gestalten, aber wie?

Kreative Überschriften gestalten, aber wie?

Eins vorweg: Ich kann nicht behaupten, ein absoluter Experte für gute Titel zu sein. Wer kann das schon? Auch die Headlines meiner frühen Blogposts lesen sich noch so aufregend wie ein Beipackzettel für Rizinusöl.

Allerdings gehe ich das Schreiben meiner Titel nicht an wie Lottospielen. Ich gehe nicht davon aus, dass ich nur einen Versuch habe, um eine passende Überschrift zu finden. Vielmehr sehe ich gerade den großen Vorzug des Bloggens darin, dass du deine Titel im Laufe der Zeit immer wieder überarbeiten und so mit verschiedenen Formaten experimentieren kannst. Manchmal muss man sich eben Fehler in der Formulierung eingestehen und nachbessern.

Hier teile ich also nur mit dir, was ich im Laufe der Zeit ausprobiert und bei anderen Bloggern beobachtet habe. Und damit sind wir auch schon bei der ersten wichtigen Grundregel für gute Überschriften.

Hamstern angesagt: Leg eine Sammelmappe an

Headlines hamstern

Es spielt keine Rolle, ob deine Sammelmappe in einem Programm wie Evernote liegt, ob sie aus einem Ordner voller PDF-Dateien besteht oder ob du tatsächlich eine speckige Ledermappe in der Schreibtischschublade aufbewahrst.

Wichtig ist, dass du gute Überschriften nicht nur erkennst und findest, sondern auch sammelst und analysierst.

Wenn ein Zeitungsartikel, ein Newsletter oder Blogpost in dein Fenster flattert und die Überschrift dich davon überzeugt, durchzuklicken, solltest du nicht – wie jeder andere Leser – lachen, klatschen, weiterziehen. Nein.

Dein Job als Texter und Blogger ist es, permanent von anderen zu lernen. Gute Überschriften findest du nicht einfach, sie liegen nicht auf der Straße. Sie sind ein Handwerk, das jeder von uns tagtäglich lernt und verbessert.

Nimm Trends der Branche wahr und beobachte an dir selbst, wann ein Titel dich hineinzieht; insbesondere, wenn du dich eigentlich gar nicht für das Thema des Artikels interessierst.

Warum? Ganz einfach.

Wenn die Überschrift eines Textes so kreativ gestaltet ist, dass selbst du als Fachfremder dich genug für den Artikel interessierst, um wenigstens den ersten Absatz zu lesen, wie muss dann dieser Blogpost bei seiner eigentlichen Zielgruppe zünden? “Houston, we’re ready for takeoff. – Krrk.”

Deshalb leg dir so früh wie möglich eine Sammelmappe zu. Mach Notizen dazu, wie die Überschriften aufgebaut sind, welche Elemente wie Zahlen, Personalpronomen, aktive Verben etc. immer wieder vorkommen. So bleibst du auf dem Laufenden und übernimmst schon bald diese Bausteine in deine Routine, ohne darüber nachzudenken. Überschriften sollen für dich wie Fahrradfahren werden, nicht wie Atomphysik.

Gewinne den nötigen Abstand vom eigenen Text

Wirre Headline? Zwei Schritte zurück von deinem Blogpost!

Diese Regel gilt natürlich nur, wenn du eine Headline für deinen eigenen Blogpost verfassen musst. Falls du in einer Kooperation dafür zuständig bist, die Titel für die Texte anderer aufzusetzen, hast du den notwendigen Abstand ohnehin.

Versetze dich kurz in die folgende Situation.

Du hast zwei Tage lang an einem fleischigen, gut recherchierten Info-Blogpost von über 10.000 Worten geackert. Infografiken, Hyperlinks, alles nach den Regeln der Kunst. Nun blickst du stolz auf dein monumentales Werk der Woche. Den zweiten Absatz kennst du besser als den Anblick deiner eigenen Finger. Du bist jetzt der einzige Mensch, der so tief im Text drin steckt, dass viele Details für dich selbstverständlich sind.

Nicht der beste Ausgangspunkt, um einen passenden Titel zu finden.

Nimm dir einen kurzen Moment und denk zuerst darüber nach, ob inhaltlich tatsächlich das herausgekommen ist, was du dir zu Anfang vorgenommen hast. Ich meine das nicht als Vorwurf. Oft genug schreiben wir Blogposts, die am Ende nicht mehr der ursprünglichen Idee entsprechen. Das ist nicht weiter verwerflich und passiert jedem.

Allerdings darfst du dann nicht so verbissen sein, dass du am Titel, den du dir anfangs ausgedacht hast, festhältst wie ein Kleinkind am Lolli. Sieh dir deinen Text mit all seinen Zwischenüberschriften – die du trotz hoffentlich eingefügt hast – noch einmal an. Denk darüber nach, an wen du dich richtest.

  • Was genau hast du mit deinem Blogpost bewirkt?
  • Für wen ist er besonders nützlich?
  • Löst du mit deinem Text ein Problem?
  • Hast du Informationen über ein Thema zusammengestellt, das eine konkrete Zielgruppe interessiert?
  • Teilst du Informationen, die deine Leser gerne auf der nächsten Dinner-Party zum Besten geben?

All das sind Fragen, die deine Zielgruppe und damit deinen Titel definieren.

Deine Leser wollen wissen, was für sie drin ist. Mach schon im Titel klar, dass du Tipps für Hundebesitzer sammelst, um Giftköder frühzeitig zu erkennen. Dann werden sich die Fischbesitzer nicht angesprochen fühlen.

Und das ist nicht schlecht, sondern gut.

Schließlich willst du keine Leser, die du unnötig mit einem täuschenden Titel auf deine Seite lockst, damit sie am Ende nur zu deiner Bounce Rate beitragen.

Ein einfacher Test hilft dir, deine Story auf den Punkt zu bringen: Stell dir vor, du müsstest den Inhalt deines Blogposts einem Freund in sechs Worten erklären. Stell dir auch die Frage, welcher Freund das im günstigsten Fall wäre.

Damit löst du zwei Probleme. Zum einen zwingst du dich, deine Story auf die essentiellen Grundlagen herunterzuköcheln. Wenn du selbst nicht imstande bist, deine Idee in Kurzform zu präsentieren, hast du selbst keine Ahnung, worum es geht.

Gleichzeitig machst du dir schon Gedanken darüber, wer deine Zielgruppe sein könnte. Schließlich mag sie von Blogpost zu Blogpost variieren, selbst wenn du innerhalb deines Blogs nicht von Windeltipps zu E-Mail-Marketing wechseln solltest.

Warum du deinen Titel auf sechs Worte beschränken sollst? Eigentlich wurscht. Du könntest genauso versuchen, wie es mit drei, fünf oder vier Worten klappt. Grundsätzlich sind Grenzen aber ein kreativer Ansporn. Probier am besten verschiedene Wortanzahlen aus und beobachte, was am besten für dich funktioniert.

Gleichzeitig berücksichtigst du so eines der wichtigsten Grundprinzipien der Rhetorik: Die gute alte Kürze, also known as Brevitas. Ein kürzerer Titel ist leichter zu lesen. Deine Leser werden schneller imstande sein, die Kernpunkte zu erfassen. Am Ende tust du also allen einen Gefallen: Zum einen den Lesern, die deinen Artikel nicht lesen wollen und das schnell genug herauslesen können, zum anderen deiner Zielgruppe, die sich im Titel wiederfindet.

Zudem ist die Titellänge natürlich ein wichtiger Faktor für Google: Zwar könntest du theoretisch versuchen, deinen Titel mit allen erdenklichen Keywords vollzustopfen. Nur wird der Suchgigant das nicht gerne sehen.

Außerdem wird er sowieso nach 50 oder 60 Zeichen deine Headline abschneiden. Das bedeutet im Klartext, dass ein Suchender den Rest deines epischen Titels am Ende nicht in den Suchergebnissen lesen kann.

Wenn du deinen Titel auf die Länge hin testen willst, kannst du dafür natürlich wie üblich den Wordcount und in deinem Textverarbeitungsprogramm oder ein Online-Tool nutzen.

Suchmaschinenoptimierung: Sei Mensch, nicht Maschine

Am häufigsten vernachlässigen Blogger gerade am Anfang die Alt-Tags und verschenken damit die Gelegenheit, in ihren Bildern gute Titel zu erproben. Alt ist doof und ich bin neu. Nope, sorry.

Die Bildoptimierung ist ein oft übersehenes Spielfeld, auf dem du Formulierungen ausprobieren kannst, gerade was die Verträglichkeit von Kreativität und SEO angeht. Finde also gute, beschreibende Titel für jedes deiner Bilder. Das erleichert den Suchmaschinen die Arbeit und, was noch viel wichtiger ist, auch den sehbehinderten Besuchern deines Blogs das Lesen.

Natürlich solltest du beim Ausarbeiten deiner Headlines die Suchmaschinenoptimierung nicht vernachlässigen. Allerdings schreibst du in erster Linie für deine Leser, nicht für Google. Keine Suchmaschine der Welt wird deine Bücher kaufen oder deinen Newsletter abonnieren.

Vergiss also bei allem technischen Übereifer nicht, dass nach der Suchmaschinenoptimierung ein menschlicher Leser am anderen Ende sitzt, den du von deinen Texten überzeugen willst.

Interessante Überschriften formulieren mit nur drei Ideen

Interessantere Überschriften durch Konflikt

Ein paar Grundideen sind für uns Menschen grundsätzlich reizvoll und deshalb verspricht es immer wieder Erfolg, wenn du sie in deine Titel einarbeitest. Drei Konzepte reißen es immer und immer wieder.

Jetzt gibt’s Kasalla! – Konflikt

Wir können einfach nicht anders. Wenn sich auf offener Straße ein Päärchen keilt wie die Kesselflicker und sie seine schmutzige Wäsche aus dem Fenster schmeißt, heißt das nicht, dass jeder von uns ein Helfersyndrom entwickelt. Aber zumindest sind wir neugierig genug, um zuschauen zu wollen.

Wir lieben Konflikte.

Denk nur an die klassischen Überschriften zur PISA-Studie.

Warum unsere Kinder immer dümmer werden – und warum die Lehrer nichts dafür können

Jeder Leser fühlt sich bei Konflikten aufgefordert, die eigene Meinung einzubringen oder beim Lesen zu erproben. Es zieht uns förmlich in den Artikel hinein. Noch besser funktioniert dieses Grundkonzept in Kombination mit dem nächsten …

Stars und Sternchen: Prominenz

Mit diesem Konzept habe ich hier auf dem Blog schon die besten Resultate erzielt und auch auf Pinterest beeindruckende Statistiken gesehen:

Warum Stephen King seine Handlung nicht plant

“Herr Tolstoi, wie schreibe ich glaubwürdige Romanfiguren?”

Es spielt keine Rolle, wie gut deine Leser den Prominenten kennen. Natürlich solltest du nicht in die C- und D-Prominenz greifen. Es sei denn, du bloggst über das Dschungel-Camp. Allerdings ist klar, dass so ziemlich jeder mit dem Namen Stephen King zumindest die Idee “Horror” verbindet.

Und jetzt keine Ausreden! Bloß, weil wir uns hier mit dem Schreiben auseinandersetzen und berühmte Autoren sich als Thema anbieten, heißt das nicht, dass du dich verbiegen musst, um über Prominente zu schreiben. Mit ein bisschen Recherche und Kreativität findest du überall passende Themen.

Diese Morgenroutine verhalf Robert Geiss zu seiner ersten Million

Warum Tom Hanks gerne Unkraut jätet und du es auch tun solltest

ich denke mir hier natürlich nur Beispiele aus. Das Prinzip ist aber klar, denke ich.

Jetzt-jetzt-jetzt! – Dringlichkeit

Mit dieser Zutat solltest du bei deinen Headlines sparsam umgehen. Am Ende können es dir deine Leser schnell verübeln, wenn du Dringlichkeit suggerierst, wo es keine gibt. Sagen wir, du lockst mit einem Rabatt Leser an:

Facebook Marketing-Guide zum halben Preis, nur noch heute!

Dann sollte dieser Rabatt besser auch am nächsten Tag nicht mehr gültig sein. Wenn deine Leser feststellen, dass du sie einfach nur in dein Angebot hineintäuschen wolltest und dass sie das Programm zum normalen Preis gekauft haben, sprechen wir ganz schnell von Clickbait.

Täusch deine Leser nicht mit Dringlichkeit, wo keine besteht.

Andersherum kannst du aber im alltäglichen Bereich durchaus Dringlichkeit suggerieren, wo der normale Menschenverstand schon beim Lesen der Überschrift deutlich macht, dass keine besteht:

Fünf Cupcake-Rezepte, die du noch heute ausprobieren musst

Kein Mensch auf diesem Planeten probiert an einem Tag fünf Cupcake-Rezepte aus. Glaube ich jedenfalls.

Allerdings haben wir alle diesen einen Freund, der alle paar Wochen total begeistert anruft und in den Hörer schreit „Oh mein Gott, das ist so toll, das musst du unbedingt ausprobieren!“.

Und von diesem Enthusiasmus lassen wir uns gerne anstecken. Er hat nichts Verwerfliches und täuscht auch nicht. Zu sagen, dass man etwas unbedingt heute, diese Woche, dieses Jahr, noch in den nächsten 10 Minuten ausprobieren muss, ist nicht immer wörtlich gemeint.

Achte also darauf, ob du mit dieser Aussage konkreten Bezug auf ein Angebot oder etwa auf eine Empfehlung nimmst.

Selbst wenn es sich um eine Empfehlung handelt, rate ich dir dazu, Dringlichkeit nicht zu häufig in deine Titel einzubauen. Wenn jeder Titel deines Blogs deinen Lesern entgegenschreit, dass sie heute – jetzt – sofort etwas tun müssen, werden sie schnell dazulernen und ermüden.

Sei emphatisch: Du statt Ich-Ich-Ich

Bessere Titel? Zeig Empathie mit deinem Leser!

Diese Grundregel mag nur auf mich zutreffen, allerdings gehe ich schwer davon aus, dass auch andere Leser diesen Anfängerfehler als nervig empfinden. Häufig lese ich Titel wie „Was ich nach einem Jahr Cross-Training gelernt habe“ oder „Was ich noch nicht über das Holzschnitzen wusste. Der letzte Punkt wird dich überraschen“.

Überschriften wie diese gehen davon aus, dass deine Leser sich begeistern müssen, nur weil du einen Fortschritt machst. Für dich ist das natürlich erfreulich, verstehe ich. Allerdings habe ich mehr Verständnis für den Leser, dem seine Interessen wichtiger sind als deine.

Statt also von dir und deiner Entwicklung zu sprechen, rück beim nächsten Mal die deiner Leser ins Zentrum. Im Prinzip ganz einfach: „Was du nach einem Jahr Crosstraining erwarten kannst“.

Natürlich erwartet kein Leser, dass du ihn persönlich und seine Entwicklung und Neigungen bis aufs i-Tüpfelchen kennst. Trotzdem zeigst du so wieder mehr Respekt vor ihm. Du näherst dich seinen Bedürfnissen an. Wenn du Kim Kardashian heißt, ist es vielleicht hinnehmbar, dass du deine persönliche Marke in den Vordergrund stellst. Auch wenn du später auf tausende Abonnenten zugreifst, kann ein Einblick in dein Privatleben nicht schaden.

Als Anfänger allerdings solltest du nicht davon ausgehen, dass deine letzte Entdeckung einer WordPress-Funktion für den Großteil deiner Leserschaft die Welt bedeuten wird.

Schreib mehrere Versionen deiner Überschrift

Für jeden Titel, den du formulierst, solltest du vor dem Veröffentlichen mehrere Versionen formuliert haben, um die beste zu finden. Manche Autoren widmen dem Titel mehr Zeit als dem Artikel.

Denn wenn der Titel am Ende nicht mal deine Zielgruppe überzeugt, wer soll dann noch deinen Artikel lesen? Klingt logisch, oder?

Mit ein paar weiteren handwerklichen Kniffen kannst du nach dem Anwenden der drei Grundkonzepte noch weiter an deiner Headline schrauben.

Allerlei allusive Alliterationen

Berauschende Blogpost-Titel? Arbeite an allerlei allusiven Alliterationen

Eigentlich ist es seltsam, dass Headlines mit Alliterationen Leser so stark anziehen. Schließlich lesen die wenigsten sich einen Blogpost laut vor. Jedenfalls durfte ich das in der Bahn noch nicht beobachten. Doch zu meinem Bahntrauma ein andermal mehr…

Meine beste Erklärung dafür, dass Alliterationen trotzdem ein geniales Mittel sind, um Leser anzuziehen, ist folgende: Es zeigt Respekt vor deiner Leserschaft.

Wenn du dir die Mühe gemacht hast, eine Alliteration auszuarbeiten, die auch noch zum Inhalt deines Blogposts passt, zeigt das deinem Leser, dass du die nötige Zeit, den Aufwand und die Recherche investiert hast und seine Aufmerksamkeit verdienst.

Nun kommt die alte Frage auf, wie du passende Alliterationen findest. Die erstbeste Idee ist natürlich, zu einem der zahlreichen Generatoren im Netz zu greifen. Soviel ich weiß, wenden die sich aber hauptsächlich an ein englischsprachiges Publikum.

Davon abgesehen habe ich mit Web-Apps dieser Art noch ein anderes Problem: Ihre Ergebnisse sind mehr als vorhersehbar. Nichts gegen das Internet. Ich liebe und schätze die Möglichkeiten, die es uns bietet. Allerdings sind viele der Apps, die uns den kreativen Output abnehmen sollen, einer Grenze unterworfen. Sie können nur das liefern, was auch der Programmierer oder die Datenbank enthält, auf die das Programm zugreift.

Meine Erfahrung ist immer noch die, dass ich mit Google-Suchen wie „Adjektive auf D“ schlechter fahre als mit dem simplen Durchblättern des guten alten Duden-Bandes. Jawohl, meine Empfehlung ist wieder mal eine analoge. Ich glaube einfach, dass du bessere Resultate erzielst, wenn du ein Lexikon oder Wörterbuch durchblätterst als wenn du nach einer passenden Alliteration per Suchmaschine suchst.

Mit der Zeit wirst du dich daran gewöhnen, aus dir selbst heraus Alliterationen zu formulieren, sodass es die Hilfestellung nicht immer brauchen wird.

Umpf statt stark: Ausdrucksstarke, überraschende Wörter

Wie auch bei den Alliterationen musst du dir diesen Trick über die Zeit antrainieren. Stell dir vor, wie etwas schmeckt, riecht, sich anhört oder anfühlt. So findest du schnell geeignete Attribute und Verben, durch die deine Überschriften lebhafter wirken.

Sagen wir, du stellst in einem Listicle Becken für Schlagzeuger zusammen. Auf welchen Titel würdest du eher klicken?

  1. Zehn extralaute Crashbecken für Heavy-Metal-Drummer
  2. Mit diesen Crashbecken zerfetzt du selbst deinen Bassisten
  3. Diese zehn Crashbecken scheppern bis in den letzten Rang

Wenn du wenigstens einen unserer Sinne ansprichst, wirkt deine Headline gleich lebhafter und dein Leser führt sich schon vor dem Klicken vor Augen (oder in dem Fall vor Ohren), was ihn erwartet. Rätst du deinem Leser von einem alten Fehler ab, schreibst du besser staubig, muffig oder vorbiblisch. Überrasch ihn und er wird es dir danken.

Angemessene Titel

Eine Grundregel sollten wir bei allem Spaß an Alliteration und Wortwitz nicht aus den Augen verlieren: deine Deadlines sollte dem Thema angemessen sein. Wenn du einen Blogpost über den Umgang mit Trauer schreibst, ist ein Wort wie „pfiffig“ oder ein Wortspiel nicht die beste Idee.

Achte unbedingt darauf, dass du auch hier den nötigen Respekt zeigst und nicht versuchst, unpassenderweise witzig zu sein oder nach Aufmerksamkeit zu schreien.

Vermeide Clickbait

Vorhin haben wir schon darüber gesprochen. Clickbait ist ein böses, böses No-No. Und wenn du darüber nachdenkst, wird dir schnell klar werden, warum du es selbst nicht willst. Was hast du von einem Leser, den du auf deine Seite trickst und der sie nicht nur nach zwei Sekunden verlässt, sondern deine Marke für immer mit dieser negativen Erfahrung verbinden wird?

Wenn du also einen Titel schreibst wie …

Warum Deutschland seine Kinder übererzieht

… dann sollte dein Artikel auch auf die Bildungspolitik eingehen, und nicht ein Werbebanner für dein E-Book enthalten, in dem du am Rande auf den Schulunterricht eingehst.

Es kann natürlich sein, dass dir egal ist, welches Erlebnis Besucher auf deiner Seite haben. In dem Fall – go for it! Lass deine Leser sich grün und blau ärgern und dich in undenkbaren Ausrufen verfluchen.

Ansonsten vermeide Überschriften, die unnötig Neugierde hervorrufen, die du am Ende nicht bedienst.

Aktive Verben

Eigentlich eine Grundregel fürs Texten allgemein, aber sie gilt genauso für Überschriften und sollte deshalb hier Erwähnung finden. Wenn du passiv formulierst, nimmst du den Verantwortlichen aus der Gleichung. Bist du selbst dieser Verantwortliche, umso schlimmer.

Deine Leser mögen klare Verhältnisse.

Wenn du davor zurückschreckst, besagten Verantwortlichen in den Titel einzubauen, ist der Infinitiv immer noch besser als das Passiv.

Verdeutlichen wir es an einem inhaltlich leeren Beispiel:

Wenn du schreibst…

Von diesem Blogpost könntest du überzeugt werden

… dann haben wir Probleme an so ziemlich jeder Front. Zuerst der Konjunktiv, der deinen Leser schon zweifeln lässt, was du überhaupt zu bieten hast. Dann bleibt die Frage, wer ihn überzeugt. Bist du das? Berichtest du über jemanden, der ihn überzeugt? Warum soll er überzeugt werden und wovon?

Dagegen …

Wenn du jetzt nicht von X überzeugt bist, weiß ich es auch nicht

Schon besser. Wir formulieren aktiv. Der Leser ist genauso konkret benannt wie du selbst. Nur das „bist“ wirkt noch zu blass.

Wenn dich das nicht von X überzeugt, weiß ich es auch nicht

Nochmal besser. Überzeugen ist zwar nicht das mitreißendste Wort, das alle Hirnareale aufflammen lässt, aber immerhin sind wir vom schalen „sein“ weg.

Soweit es sich vermeiden lässt, verzichte auf alltägliche, inhaltsleere Verben wie sein, können oder haben.

Verben aktiv zu formulieren, gehört schon zu den verbreiteten Tipps unter Bloggern. Was dabei häufig übersehen wird, ist das berüchtigte Nominalisieren. Wahrscheinlich auch, weil diese Formen nicht so leicht per Suchfunktion oder beim schnellen Überfliegen zu erkennen sind.

Natürlich hilft es, wenn du in deinen Texten nach der Endung -ung suchst. Darauf gehe ich auch in meinem Autorenkurs ein. Damit sind aber nicht alle Nominalisierungen aus der Welt. Nehmen wir folgende Beispiele:

Sie hielten eine Konferenz ab

gegenüber

Sie trafen sich

Sie erzielten einen Konsens

gegenüber

Sie einigten sich

Er zieht in Erwägung

gegenüber

Er denkt darüber nach

Siehst du, wie steif und statisch die nominalisierten Formulierungen wirken? Selbst der Begriff Nominalisierung klingt, als hätte er einen Stock im Kreuz!

Nicht alle Beispiele enthalten dabei ein Nomen auf -ung. Diesen Teil deines Jobs kann dir also der Computer nicht abnehmen. Es bleibt dir nur, immer weiter an deinem Text und damit auch am Titel zu feilen. Letztlich sparst du bei der aktiven, nicht nominalisierten Form auch Zeichen. Denk an dein Google-Snippet.

Lerne aus Trends

Ich habe schon mehrfach von klassischen Artikel-Formaten und Trends in der Formulierung gesprochen, die du in deiner Sammelmappe ablegen kannst und dir von anderen Autoren, Bloggern und Journalisten abluchst.

Einige Formate sind zu Recht Trends geworden. Andere solltest du meiden wie der Superman das Kryptonit. Natürlich nützt der beste Trend nichts, wenn du ihn gnadenlos bei jedem einzelnen Blogpost ausschlachtest. Irgendwann wird auch der geduldigste Leser genervt sein.

Hier eine Reihe von Format-Trends, die du auf dem Blogmarkt beobachten kannst:

Listicles

Nervig, wie sie sein mögen. Listicles oder auch Top-10-Beiträge funktionieren einfach. Natürlich bringt es überhaupt nichts, wenn du deinen Lesern mit aller Gewalt in jedem einzelnen Beitrag Listen den Hals hinunter stopfst. Es sei denn, das ist das Thema deines Blogs.

Trotzdem sind Listen-Beiträge eine tolle Möglichkeit, um deine Recherchefähigkeit unter Beweis zu stellen und dabei etwas für deine Suchmaschinenoptimierung und Shares auf Social Media zu tun.

Warum kommen Listicles so gut an? – Weil sie im Idealfall gut strukturiert und damit leicht lesbar sind. Der Leser kann binnen Sekunden entscheiden, ob ihm die Liste zusagt oder nicht.

Wenn auf deiner Liste der zehn besten Motorräder aller Zeiten sein Lieblingsmodell zu finden ist, wird er sicher weiterlesen, selbst wenn er schon jede Schraube auswendig kennt.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass du das Format richtig bedienst und ihn nicht mit einer grauen Wand aus Fließtext begrüßt.

Umgangssprache in Headlines

Hand hoch, wenn du Weihnachtsmärkte hasst

Hast du gehört, es gibt da diese neue Rechen-App?

Titel dieser Art appellieren an unsere kommunikative Seite. Denk daran, wie oft du mit Mitschülern, Arbeitskollegen oder Verwandten in diesem Ton Neuigkeiten oder den neuesten Tratsch austauscht.

Dadurch, dass dein Blogtitel diesen Stil aufnimmt, verringerst du die Distanz zu deinen Lesern und schaffst ein intimeres Klima. Für einen Business-Blog über erfolgreiche Marketing-Präsentation also nicht die beste Idee. Für einen Häkel-Blog, auf dem regelmäßig in den Kommentaren Tipps ausgetauscht werden, ideal.

Denk aber dran, dass jeder Trend auch seine dunkle Seite hat. Kennst du noch Titel wie …

Dieser Mann rennt mit einer Gurke und einem Lederkoffer in einen Supermarkt. Du wirst nicht glauben, was dann passiert

Hier sind wir zwar noch an der Grenze des umgangssprachlichen, allerdings gleichzeitig an der Grenze zu Clickbait. Sätze wie „Du wirst nicht glauben, was dann passiert“ oder „Aber damit hätte ich nie gerechnet“ können zwar manchmal funktionieren, sind aber auf die Dauer mehr lästig als nützlich.

In die umgangssprachlichen Headlines fallen noch diejenigen, die auf Fragezeichen enden. Warum solltest du schließlich eine Frage stellen, wenn du keine Antwort erwartest?

Für Headlines in Frageform gilt dabei eine fundamentale Regel, die du auf keinen Fall brechen solltest:

Deine Frage darf nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten sein

Brauchst du einen neuen Rasenmäher?

Ich mach’s hier ganz offensichtlich, damit dir das Prinzip klar wird. Denk dran, wir wollen mit dem Titel Neugierde schüren und unsere Leser vom Thema und seiner Wichtigkeit überzeugen. Wenn der Leser binnen einer Sekunde “Mäh” sagt oder sich schon denkt, dass dein Thema irrelevant ist, zieht er zum nächsten Artikel weiter.

Am anderen Ende der Skala gibt es natürlich wieder die bösen Beispiele wie …

Machst du diese unmöglichen Fehler im Bewerbungsgespräch?

Zugegeben, hat etwas von Clickbait. Wenn du allerdings ablieferst, erfüllt die Frage in diesem Fall ihren Sinn.

Lesen, lesen, lesen!

Eine Grundregel hat sich mittlerweile durch alle Beispiele hindurchgezogen und ich bin froh, dass du sie bis hierhin befolgt hast: Lies so viel du nur kannst. Egal, ob Romane, Blogposts, Zeitungsartikel oder Newsletter.

Du reicherst dein Vokabular an und findest immer mehr Beispiele für erfolgreiche und überzeugende Wortwendungen, Metaphern, Alliterationen und damit auch Titel.

Ohne zu lesen kannst du nicht schreiben.

Das bedeutet aber nicht, dass du Formulierungen einfach von einer Textart in die andere übertragen kannst. Für mich ist ein Blogpost nicht dasselbe wie ein Newsletter. Auch wenn Anbieter wie Mailchimp und Convertkit es technisch ermöglichen, halte ich nichts davon, deinen RSS-Feed mit deinem Newsletter zu verbinden und deine Blogpost-Titel in Betreffzeilen zu verwandeln.

Sorry. Den Newsletter musst du immer noch selbst schreiben. Meine Meinung.

Trotzdem hilft es natürlich, wenn du verstehst, wieso die letzte Marketing-Mail deine Aufmerksamkeit bekommen hat.

Die richtige HTML-Formatierung deiner Überschrift

Nachdem wir nun das Text-Handwerk abgehandelt haben, wollen wir noch auf die richtige Formatierung eingehen. Eigentlich läuft diese im Hintergrund ab und beeinflusst nicht direkt, was deine Leser zu Gesicht bekommen. Trotzdem wollen wir auch die Computer glücklich machen. Schließlich darf man sie heutzutage als die Gatekeeper bezeichnen, die darüber entscheiden, wer überhaupt zu deinem Text findet.

In weiteren Beiträgen werde ich noch auf die Feinheiten der Formatierung eingehen. Für den Moment beschränken wir uns auf eine essenzielle Regel, die du bei deinen Überschriften nicht brechen solltest.

Formatiere deine Überschriften in linearer Abfolge

Das bedeutet, auf eine Überschrift 1 (Heading 1) folgt immer ein Heading 1 oder Heading 2, kein Heading 3, 4, 5 oder 6.

Spring nicht zwischen den verschiedenen Formatierungen hin und her, weil du versuchst, die Schriftgröße oder Optik deines Textes zu manipulieren. Dafür hast du die Designeinstellungen deiner Blogvorlage oder CSS.

Mit der Überschriftenstruktur zeigst du den Suchmaschinen, welche die zentralen Themen deines Textes und welche Unterthemen sind. Wenn du mitten im Text ein Zitat als H1 formatierst, weil du es gerne fett und in Großbuchstaben sehen möchtest, wird Google das missverstehen und die falschen Schlüsse ziehen.

Am Ende kommt es schließlich darauf an, dass du nach den Regeln spielst. Und zu den Regeln eines Texter zählt mittlerweile auch, dass er sich mit der korrekten Formatierung einer Webseite auskennt.

Gliedere also deine Blogbeiträge ganz klar in Über- und Unterthemen und ordne diesen die entsprechenden Überschriften zu, damit Google dich nicht zu Unrecht abstraft. Dann hast du die wichtigste Regel in Sachen Überschriften schon beachtet.

Das war’s für heute. Wenn dir der Beitrag gefallen hat oder zu kreativen Titeln angeregt hat, freue ich mich, sie zu lesen.

Schick mir einfach einen Link und wir teilen deinen Erfolg auf Twitter. Wenn es dein Ego zulässt, schick mir auch die alte Version.

Bis zum nächsten Mal, wir lesen uns!

Titelbild (in Grafik eingebettet): Come A Little Closer von Barney Moss unter CC BY 2.0.

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