In letzter Zeit habe ich viele tolle Menschen über Twitter kennengelernt. Für meine Begriffe ist das kein Zufall. Vielmehr liegt es an der Plattform. Gerade Autoren schwappen in größerer Zahl in meine Vorschläge als die Tweets mancher Bots. Warum ist das nur so?

Sprachliche Experimente

Scheitere schnell & häufigFür viele Autoren oder Journalisten ist Twitter der ultimative Beta-Test. Man kann (vereinfacht) Meinungsforschung betreiben, eigene Ideen testen und neue sammeln. Das bedeutet nicht, dass jeder Tweet wie aus einem Guss den Titel für die nächste Kolumne in sich trägt, als hätten die Engelchen sie unseren Followern geflüstert.

Nein, bei weitem nicht. Aber manchmal besteht ein großer Vorteil der Ideenfindung darin, alte Ideen zu äußern und hinter sich lassen zu können. Ob man sie aufgeschrieben oder in den Orbit gezwitschert hat, ist zweitrangig.

Vielleicht ist es nur das kleine Wortspiel, an dem Du Spaß hattest und das drei Followern ein kurzes Lächeln aufs Gesicht zaubert. Prima!

Und wenn nicht, auch egal. Du hast eine Idee gehabt. Du musst nicht zwingend etwas aus ihr machen, kannst aber jetzt nach vorne blicken. Du musst nicht ewig an ihr festhalten, weil sie eventuell, wenn Du Dich anstrengst, eines schönen, glitzernden Tages, etwas werden könnte.

Selbst, wenn Du nicht auf Twitter bist, kannst Du hier etwas lernen: Aufschreiben und weiter. Eine Idee ist selten so viel wert wie Du denkst. Auf die Ausführung kommt es an. Und oft genug reicht die Idee nicht für mehr als einen hübschen Zweizeiler. Besser als nichts.

Twitter bewegt sich rasend schnell weiter. Deshalb kannst Du anhand des Feedbacks leicht erkennen, wenn eine Idee zündet. Natürlich kommt es nicht nur darauf an, zu schreiben „Ich hatte eine Idee für einen Roman über Mikrowellen, die die Weltherrschaft an sich reißen“. Nach einem Tweet brauchst Du nicht darauf zu warten, dass der Verlag sich telefonisch meldet. Was Du suchst, ist ein aktives Netzwerk, mit dem Du Dich regelmäßig austauscht. Wenn Du dafür Sorge getragen hast, geht’s mit der nächsten Idee nochmal so schnell.

Kürze ist eine Tugend, nicht nur auf Twitter

Kürze ungleich FaulheitIn ziemlich jedem rhetorischen Werk, jedem Autorenratgeber und in zig Interviews mit Romanciers kannst Du über Kürze nachlesen, von Cicero bis Hemingway. Sicher, es wird immer diejenigen Schriftsteller geben, die sich für den nächsten Thomas Mann halten. Aber in den meisten Fällen tust Du gut daran, Dich kurz zu fassen. Folge nicht dem Irrglauben, dass Kürze Faulheit bedeutet. Sich kurz zu fassen bedeutet nicht, einfach weniger zu schreiben. In den meisten Fällen bedeutet es, vorher mehr geschrieben und anschließend gekürzt zu haben. Guten Texten wird man das immer anmerken, vom Drama bis hin zur Kurzgeschichte.

„Ich schreibe dir einen langen Brief, weil ich für einen kurzen keine Zeit habe.“

 

– wahlweise Johann Wolfgang von Goethe, Georg Christoph Lichtenberg, Jonathan Swift, Blaise Pascal, Heinrich von Kleist, u.a. zugeschrieben.

Auch wenn Twitter das alte 140-Zeichen-Limit aus den Zeiten der SMS nicht mehr beibehält, zwingt es uns immer noch mehr zur Kürze als alle anderen textgebundenen Netzwerke. Diese Tatsache solltest Du nutzen.

Schieß nicht einfach Deine erstbesten Gedanken ins Textfeld.

Schlag Synonyme nach, die Dir helfen, Dich kürzer zu fassen, formuliere Verben um, lass Adjektive aus!

Die Zeichengrenze von Twitter solltest Du als kreative Herausforderung begreifen. Grenzen fördern kreative Lösungen. Wenn Du also gezwungen bist, in diesen Grenzen zu kommunizieren, wirst Du an Dir beobachten können, wie Du weiter am eigenen Stil feilst. Und währenddessen kannst Du Dich mit anderen klugen Köpfen austauschen. Winning!

Hashtag-Contests als kreativer Ansporn

Hashtag-Contest als InspirationWenn Du erst einmal Dein Netzwerk aufgebaut hast, wirst Du schnell feststellen, dass Twitters Vorschläge relevanter werden. Anfangs wurden mir auch der Kicker und die Bild vorgeschlagen. Schlicht auf Grundlage der Tatsache, dass ich in Deutschland lebe. Schön und gut, nur dass mich beide herzlich wenig interessieren.

Bist Du aber erst ein paar anderen Autoren, Künstlern und Journalisten gefolgt, verändern sich Deine Trends und Hashtag-Vorschläge. So wirst Du immer wieder – teils im Wochentakt – über ein kleines Ritual stolpern, bei dem die Autoren und Hobby-Dichter ihre kreativen Muskeln spielen lassen: Hashtag-Contests.

Was einen Contest ausmacht, ist schnell erklärt: Ein Benutzer gibt eine Grundregel oder ein Leitthema vor, z. B. „Platziere Deinen Lieblingsfilm unter Wasser“. Darauf folgen Antworten unter demselben Hashtag, etwa „Wer den Nagelhai stört“. Harper Lee möge mir für diese unkreative Verstümmelung ihres Titels vergeben, aber Du verstehst, worum’s geht.

Contests dieser Art tauchen immer wieder auf, machen Spaß und bringen Dich in Kontakt mit kreativen Köpfen. Außerdem trainierst Du Dir so eine rudimentäre Art der Ideenfindung an, die alleine im stillen Kämmerlein zwar durchführbar wäre, sich aber garantiert wie Mathe-Hausaufgaben anfühlen würde.

Nutze Contests – oder veranstalte selbst einen – um Ideen wie Bälle hin- und herzuwerfen.

Nutze die Community für Motivation

Normalerweise bin ich kein großer Freund der Anglizismen, trotz Anglistik-Studium. Aber in dem Fall drückt er etwas aus, das in unserer Sprache andere Assoziationen weckt.

Hashtags werden auf Twitter nicht nur für Contests genutzt, sondern für Werbung, thematische Organisation oder für die Identifikation der Community. In dem Fall ist das die der Autoren (manchmal einer Unterkategorie wie der Thriller-Autoren).

So ist es leichter, deinesgleichen zu finden und Dich über Probleme auszutauschen. Gerade für Autoren kann man diesen Punkt nicht genug betonen. Die wenigsten Nachbarn werden ein Ohr für Deine Autorenleiden haben, wenn sie nicht selber schreiben.

Community als Motivation

Auf Twitter dagegen kannst Du Dich mit anderen darüber freuen, dass Du Deinen Wordcount für den Tag geschafft hast oder Dich ärgern, dass Dein Protagonist nicht macht, was Du Dir anfangs vorgestellt hast. Ganz gleich, es wird jemand da sein, der mit Dir fühlt und genau dieses Problem kennt und durchlebt hat. Außerhalb von Foren ist diese Art von Unterstützung schwer zu finden. Gerade die introvertierten Autoren haben hier eine Möglichkeit, Unterstützung zu finden, ohne aus ihrem Schutzpanzer herauszumüssen – kenn ich, glaub mir.

Egal, ob Du nun an Deiner Masterarbeit in Philosophie oder an einem historischen Roman herumwerkelst, such Dir Unterstützung und hilf anderen im Gegenzug. So wird Deine Timeline nicht zu einer Reihe von Self-Promotions, sondern zu einem Beleg für bedeutenden Austausch. Das kann nie verkehrt sein.

Beispiele für solche Hashtags sind beispielsweise die Schreibnacht, die ich bislang immer verpasst habe, aber aktiv verfolge und bewundere. Mit Sicherheit wirst Du mit ein bisschen Recherche zig weitere „Treffen“ und „Gruppen“ finden, die Dir dabei helfen, Deinen kreativen Zielen näherzukommen. Wer suchet, der findet.

Man liebt Twitter oder man hasst es

Sorry, Mark-Uwe Kling, aber den Satz muss ich an der Stelle klauen. Oft genug habe ich mich über Twitter ausgetauscht und bin auf vollkommenes Unverständnis gestoßen, weil die Plattform für manche Menschen aussieht wie der Austausch thailändischer Postleitzahlen via Morsecode. Natürlich bringt sie dadurch auch viel Ablenkung mit sich.

Twitter ist nicht für jedermann und will es auch nicht sein. Wenn Du feststellst, dass es nicht Dein Bier ist, würde ich Dir dazu raten, es eine zeitlang zu versuchen und der Plattform eine Chance zu geben. Sollte sich aber herausstellen, dass Du gar keinen Gefallen daran findest, obwohl Du Zeit und Mühe investiert hast, erzwing es nicht. Man muss nicht überall sein. Falls Deine Leute nicht auf Twitter sind, gibt es reichlich Alternativen, online wie offline.

Tweet: Warum jeder Autor Twitter verwenden sollte, @ffuehren https://ctt.ec/5L0Hb+ #autorenleben

Grundsätzlich ist es so, dass Twitter-Nutzer sich insofern von denen anderer sozialer Netzwerke unterscheiden, als von ihnen die Auseinandersetzung mit den Regeln der Plattform eingefordert wird. Du darfst, Du musst, Du solltest. Hashtags, Zeichenanzahl, Retweets. Vieles davon überfordert den Neuling erst mal und das ist okay.

Probier ein bisschen herum, lies Dir Artikel und Hilfsmenüs durch oder frag andere. Niemand wird Dir den Kopf abreißen, wenn Du mal eine Funktion falsch benutzt und das Internet wird nicht explodieren, das verspreche ich. Selbst Samuel L. Jackson hat mal klein angefangen und Anfängerfehler begangen.

Auch solltest Du Dich nicht ärgern, dass Du an Tag 8 Deines Accounts noch nicht 5,9 Millionen Follower vorweisen kannst, die an Deinen Lippen hängen. Über die Zeit hinweg wirst Du tolle Kontakte finden, Dich auch im realen Leben mit ihnen austauschen, vielleicht sogar Jobs über Twitter finden.

Also, tweet on! Wir lesen uns bei den nächsten 280 Zeichen!

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